Köln, am

heutiger Tag

 

Wort des Bischofs

Ich mache nicht das Licht aus!

Flüchtlinge

MOAS bittet um IHRE SPENDE:

MOAS besteht aus internationalen Helfern, Sicherheitsexperten, Medizinern und erfahrenen Seeleuten, die sich zusammen getan haben um zu helfen weitere Katastrophen auf See zu vermeiden. Sie haben Mitgefühl für die Notlage derjenigen, die trotz der Gefahren ein gewaltfreies, besseres Leben suchen.   

Aus dem Erzbistum Köln

Aktion Neue Nachbarn - Für eine Willkommenskultur im Erzbistum Köln

Für die verfolgten Christen

verfolgte christen lyskirchen irak iran flüchtlinge

 

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Der HERR
segne dich und behüte dich.

 

Der HERR
lasse sein Angesicht leuchten  über dir und sei dir gnädig.

 

Der HERR
hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Numeri 6,24-26

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

wort + tanz + musik

 

Seit 2001 lesen wir zweimal im Jahr in Sankt Maria in Lyskirchen ein ganzes biblisches Buch. Teile in der jeweiligen Originalsprache. Begleitet von Musik und Tanz. Die Bücher der Offenbarung wirken aus sich – als GottWortErfahrung in die Nacht.


Am Samstag, den 9. Mai 2015 lesen wir ab 19 Uhr das Markus Evangelium


Sie sind eingeladen.

Einleitung in das Markus – Evangelium

Eine Zusammenfassung eines Vortrages von Dr. Gunther Fleischer
am 3.3.2015, 
zusammengefasst von Matthias Schnegg.

Der Autor des Evangeliums

Historisch genau lässt sich der Autor nicht identifizieren. Wie in der Antike üblich, treten die historischen Gestalten der Autoren hinter ihrer Botschaft zurück.

Eusebius von Caesarea (4. Jh) versucht unter Berufung auf Bischof Papias von Hierapolis (Anfang 2. Jh.?) zu ergründen, wer hinter dem Namen ‚Markus’ steht. Er denkt dabei an einen Markus, der als Schreiber des Petrus dessen Predigten aufgeschrieben hat. Es wird auch betont, dass dieser Markus kein persönlicher Augen- und Ohrenzeuge Jesu gewesen ist. Möglicherweise hat bereits Papias aus verschiedenen Angaben im Zweiten Testament Schlüsse gezogen, die zu diesem Ergebnis führten. Historisch sichere Angaben können wir zur Person des Autors des Markusevangeliums aber nicht machen. Entscheidend bleibt, dass er sich als Verkündiger des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes (1,1) versteht. Markus ist der erste, die in der literarischen Gattung Evangelium geschrieben hat.

 

Abfassungsort und Adressaten

Am wahrscheinlichsten ist die Vermutung, dass das Werk in Rom entstanden ist, verfasst von einem Heidenchristen, der sich aber in der jüdischen Überlieferung (vor allem der jüdischen Hl. Schrift) kundig gemacht hat. Dieses Wissen kann er bei seiner Leserschaft nicht voraussetzen, weswegen er immer wieder jüdische Bräuche oder aramäische Aussprüche kommentiert bzw. übersetzt. An Exaktheit in geographischen Angaben Palästinas lässt es der Autor hingegen ab und an fehlen. Anzunehmen ist, dass ein Heidenchrist für Heidenchristen das Evangelium aufgeschrieben und verkündet hat.

 

Entstehungszeit des Evangeliums

Allgemein wird angenommen, dass das Markusevanglium um das Jahr 70 verfasst worden ist. Bei dieser Datierung spielt das Kapitel 13, die Rede über die Endzeit, eine gewichtige Rolle. In dieser apokalyptischen Schilderung wird ein Bezug zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Truppen Kaiser Vespasians gesehen.

 

Zwei Theorien zur Datierung

Eine unumstößlich exakte Datierung ist nicht möglich. Je nach Festsetzung der Abfassungszeit ergeben sich auch unterschiedliche Schwerpunkte, die im Evangelium Gewicht erhalten.

Abfassung vor der Zerstörung Jerusalems

Wenn das Evangelium vor der Zerstörung des Tempels verfasst ist (um 68-70), wird eine noch bevorstehende apokalyptische Situation angenommen – eine Zeit der existentiellen Krise. Der Evangelist will dann in dieser bedrohliche Zeit Worte des Trostes sprechen. Es gilt, trotz allem am Glauben festzuhalten, nicht in Panik zu verfallen, nicht in politischen Widerstand zu gehen, sondern dem Wirken Gottes zu trauen. Es gilt auch nicht, nur auszuharren. Das                Evangelium fordert dann auf, diese Zeit der Krise zu gestalten. Die Gestaltung geschieht im Dienen. Diese Aufforderung zum Dienen durchzieht das ganze Evangelium – angefangen von der Szene der Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die gleich nach der Heilung dient (1,31) – bis zum Ende des Evangelium, da uns die am Hinrichtungsort stehenden Frauen als     solche charakterisiert werden, die ihm gefolgt sind und ihm gedient haben. (15,40f).                Dazwischen steht Jesu "maß-gebliches" Wort: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, dienen zu lassen, sondern um zu dienen ..." (Mk 10,45)

               

Abfassung nach der Zerstörung Jerusalems

Setzt man aber die Abfassung hinter das geschichtliche Ereignis der Zerstörung von Jerusalem und Tempel, dann verschiebt sich der Schwerpunkt der Deutung. Durch den Sieg    der römischen Besatzungstruppe unter dem Feldherrn Titus, einem Sohn des Kaisers Vespasian, erhebt der Kaiser den Anspruch, der Retter und Herr der Menschen zu sein, der, der Heil verschaffen kann. Zudem trägt er als Kaiser den Titel ‚Sohn eines Gottes’, was den souveränen Anspruch unterstreicht. Das Markusevangelium schreibt nun von Jesus, dem Sohn Gottes, der in den Augen der Menschen alles andere als ein strahlender Sieger und    Retter erscheint. Das Markusevangelium wird so zu einem Gegenevangelium zum Kaiser. Es lassen sich zahlreiche Stellen im Evangelium nachweisen, die in ihrer hintergründigen Ebene     diesen Kontrast zum Anspruch des Kaisers darstellen. So heißt der Dämon in dem besessenen Mann in Kap. 5 nicht von ungefähr ‚Legion’, was auf die Legion der römischen Besatzungsmacht schließen lässt. Dass dieser Dämon in eine große Schweineherde fährt und samt ihnen den Berg hinab ins Verderben stürzt, verfolgt diese Gegenerzählung zur   römischen Macht: Das Wappentier der Legion war das eines Ebers...

 

Ein weiteres Beispiel: Titus, der siegreiche Feldherr, habe beim Betreten des Tempels den      Vorhang des Tempels mit seinem Schwert durchtrennt und festgestellt, dass dahinter nichts zu sehen sein. Markus setzt dazu in Kontrast, dass beim Tod Jesu der Vorhang des Tempels zerreißt und die Macht Gottes sich in diesem Tod eines vermeintlichen Verlierers offenbart. Wenig später wird ein römischer Hauptmann bekunden, dass dieser am Kreuz Hingerichtete‚wahrhaftig Gottes Sohn’ war. (15,39)

Evangelium als
Botschaft des Kaisers

Es gibt weitere, literar-gattungsmäßige Hinweise, die das Markusevangelium als eine bewusste Gegenerzählung zum kaiserlichen Machtanspruch erscheinen lassen.


Markus verwendet als erster den Begriff ‚Evangelium’ als Bezeichnung einer literarischen Gattung. Er hat diesen Begriff aber nicht neu geprägt. Auch Kaiser pflegten ‚Evangelien’ verkünden zu lassen – Freudenbotschaften aus dem kaiserlichen Haus, z.B. Botschaften über Siege oder die Geburt eines Sohnes.


Wenn Markus seine Erzählung ‚Evangelium’ nennt, stellt er für seine damalige Hörerschaft sogleich eine Verbindung zum Anspruch des Kaisers her, Evangelien seines Lebens zu verkünden.

 

Die literarische Form der Vita
herausragender Persönlichkeiten

Eine weitere Gepflogenheit der Repräsentanz kaiserlicher Macht ist die Aufzeichnung einer Vita. Dabei geht es nicht um exakte historische Widergabe eines Lebens. Die Vita hat das Ziel, den Beschriebenen in gutem Licht darzustellen und vor allem die Zuhörerschaft dazu aufzufordern, die Tugenden des beschriebenen Helden sich selbst zu eigen zu machen. Da besteht kein Anspruch auf historische Verlässlichkeit der Aussagen. Es geht um eine Art der Verkündigung – bis hin zum Anspruch, sich mit der eigenen Lebenshaltung der des Beschriebenen anzugleichen.

 

Das Markusevangelium verwendet diese literarische Form der Vita, um anhand von Ereignissen aus dem Leben Jesu seine besondere Stellung (als Sohn Gottes und Messias) zu verkünden und die Zuhörerschaft auffordert, hinter ihm herzugehen – und nicht hinter einem Kaiser.

 

Theologische
Weichenstellung

Jeder der Evangelisten setzt mit der Gestaltung des Anfangs seines Evangeliums eine Markierung seines theologischen Verständnisses. Das Markusevangelium eröffnet mit dem Bekenntnissatz: Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes! (1,1)

In diesem Satz wird der Begriff ‚Evangelium’ nicht im Sinne der literarischen Gattung gesagt. (Von Evangelium als Literaturform wird erst im 2. Jh gesprochen.) Dieses Evangelium wird verkündet in der Biographie, der Vita Jesu.

 

Vielschichtige Bedeutung
des Begriffs ‚Evangelium’

Der Begriff des Evangeliums ist aus der Überlieferung des Ersten Testamentes schon vertraut. Verkündet wir die gute Botschaft von Gott: „Gott ist König!“ Das bedeutet, dass Gott wirkt, dass er Macht hat und dass er seine Macht einbringt zum Heil und zur Rettung der Menschen. Von diesem Gott verkündet Jesus. Seine Verkündigung weitet bzw. konzentriert sich dann aber noch: Gottes Wirken ist nicht nur gegenwärtig im Heiligen oder in seiner Schöpfung: Mit dem Auftreten der Person Jesu wird er selbst dargestellt als der, in dem Gott direkt wirkt. Daher die ersten Worte des markinischen Jesus: Erfüllt ist die Zeit. Nahegekommen ist euch das Königtum Gottes! (1,15) Das ist das Bekenntnis, dass Gott in und durch Jesus wirkt. Alles, was im Folgenden des Evangeliums zu lesen sein wird, erschließt sich aus dieser Grundüberzeugung. In Jesus wird erfahrbar, dass Gott als König, d. h. ebenso durchsetzungsfähig wie sich um die ihm Anvertauten sorgend, wirkt.

 

Die Person Jesu –
das Evangelium Gottes

Der Evangelist spricht aber auch vom Evangelium von Jesus (1,1). Verkündet wird Jesus der Gekreuzigte und der Auferweckte. Verkündigung von Tod und Auferweckung ist das Ziel des Evangeliums. Aber das Evangelium, das Wirken Gottes, beginnt nicht erst mit diesem Ereignis. Evangelium Gottes ist auch im Leben Jesu. Daher kann eine Verkündigung des Heil wirkenden Messias Jesus niemals ohne das Mitgehen mit dem irdischen Jesus geschehen. Das alttestamentliche Zitat, das Markus in den Versen 2 und 3 darstellt, setzt sich aus drei verschiedenen Fundstellen des AT zusammen. Diese Zitatkombination verbindet das dann vom Evangelisten erzählte Evangelium von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, mit dem Wirken Gottes in der Geschichte Israels. Bezeugt wird dieses Wirken in den Dokumenten der jüdischen Bibel, aus denen das Zitat bei Markus zusammengesetzt ist.


Der Messias Jesus in
heilsgeschichtlicher Einbindung

Diese heilsgeschichtlich übergreifende Darstellung lässt sich an dem ersten Teil des Zitates in V 2 nachvollziehen. Da ist vom Boten die Rede. Ursprünglich (in Ex 23,20) ist Mose bzw. ein Engel gemeint; nach Mal 3,1.23 ist hingegen an Elija gedacht, jenem Propheten, der bei seiner Wiederkunft die unmittelbare Ankunft des Messias ankündigt. Im Vers 3 wird aus diesem Boten Elija der Bote Johannes der Täufer –  gekleidet wie Elija.

 

Schließlich gibt es eine Verbindung nach Jes 40,3. Da wird von der Stimme gesprochen, die in der Wüste ruft. In Vers 5 von Jes 40 wird verkündet, dass sich die Herrlichkeit des Herrn zeige. Die ist im Verständnis des Markus in Jesus erschienen. So wird mit dem Bote schließlich Jesus selbst bezeugt.

 

An diesem Beispiel wird nachvollziehbar, wie der Evangelist eine heilsgeschichtliche Überblendung schafft, um schließlich auf Jesus als den zu weisen, der die Herrlichkeit Gottes, das ‚Gott ist König’ in seiner Person bezeugt. Die Stimme aus dem Himmel bestätigt dies, indem er als der geliebte Sohn benannt wird. (1,11)

 

Wer Jesus ist

Über den gesamten Text hin verteilt der Evangelist Markierungen der Verkündigung dessen, wer Jesus ist:


1. Bei der Taufe spricht der Vater zum Sohn. Die Umstehenden bekommen nichts mit. Der Vater inthronisiert ihn als den geliebten Sohn.


2. Bei der Verwandlung auf dem Berg hören die Jünger Jesu, was der Vater spricht: Dieser ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören!


3. Schließlich kommt das Zeugnis des römischen Hauptmannes, der nach dem Tod Jesu sagt: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn.

Die Vergangenheitsform lässt wissen, dass diese Einsicht zu spät kommt, denn der so tituliert ist tot. Das irritierend Unerwartete kommt aber dann erst in die Erzählung: Obwohl es nach menschlichem Ermessen zu spät ist: Der Stein ist vom Grab weggewälzt. Das Unfassbare ist geschehen. Und: Die Frauen fliehen aus Furcht vor der Erfahrung des Undenkbaren – des Lebens des Messias.

 


Vom Bußruf zur Umkehr

In schwierigen Zeiten, in denen Menschen dachten, dass alles vorbei sei, dass es keine Hoffnung auf Heil mehr gibt, sind sie in Scharen zu Johannes dem Täufer gelaufen, um sich der Bußetaufe zu unterziehen. Ganz anders die Stimme aus der Wolke, die Jesus als den geliebten Sohn anspricht. Dieser Zuspruch folgt einer anderen Haltung, einer anderen Logik des Verständnisses vom Leben. Dazu bedarf es einer Neuorientierung, die nicht mit Werken der Buße zu erreichen ist. Der markinische Jesus ruft in seinen ersten Worten daher zum Neudenken auf (Kehrt um!) – und dieses neue Denken und Orientieren des Lebens geschieht, indem die Zuhörerschaft des Evangelisten dem Evangelium – Jesus und Gott- vertraut. Rituelle Bußwerke erscheinen auf diesem Hintergrund wie Ausdruck des mangelnden Vertrauens auf Gottes Liebe.

 

Aufbau des Evangeliums

Der Aufbau des Markusevangeliums ist mit Bedacht gewählt. Über allem die Überschrift, die als grundlegendes Bekenntnis allem vorangesetzt ist: Es ist das Evangelium des und das Evangelium von Jesus, dem als Christus und Sohn Gottes Geglaubten.

 

 

1. Teil: In der Wüste

Ein erster Hauptteil spielt in der Wüste – dem Ort der Taufe, der Inthronisation des Geliebten Sohnes und der Versuchung.

 

Programmatisch sind dann auch die ersten Worte des markinischen Jesus, die wie ein Scharnier den Wüsten-Teil  mit dem folgenden Textabschnitt Textteil verbinden: die Verse 14 und 15 – mit der Darlegung der Sendung Jesu und der Aufforderung, sich neu an ihm orientieren zu lernen und im Vertrauen auf Gott und seinen Messias zu wachsen.

 

2. Teil: Der ‚Galiläa-Teil’

Der sogenannte ‚Galiläa-Teil’ heißt so, weil hier von Jesu Auftreten in Galiläa erzählt wird. Modelltypisch wird im 1. Kapitel ein ganzer Tag im Leben Jesu in Karpharnaum erzählt – mit Heilungen, Dämonenaustreibungen und Verkündigung – beginnend mit einer morgendlichen Begegnung in der Synagoge und endend am Abend, wenn Jesus sich zurückzieht. (1,21-39)

 

Der Evangelist lässt Jesus auffallend viel die Seiten des Sees Genezareth wechseln – vom jüdischen geprägten Gebiet im Westen zum heidnisch geprägten im Osten - und zurück. Diese Ortswechsel unterstreichen, dass das Wirken Jesu auch unter den Heiden erfolgreich verlaufen ist.

 

3. Teil: Der ‚Weg-Teil’

Bedeutend für das Gesamtverständnis der Theologie des Markus ist der Mittelteil, der sogenannte ‚Weg-Teil’. ‚Weg’, weil Jesus von Caesarea Philippi aus auf dem Weg geht, den auch der Feldherr Titus zur Eroberung Jerusalems gegangen ist. Auf diesem Weg werden fundamentale Aussagen getroffen:

Hier erfolgt das Messiasbekenntnis des Petrus und die harsche Platzanweisung Jesu an Petrus, der das Leiden Jesu verhindert sehen wollte: Satan, geh hinter mich!

Hier sind die drei Ankündigungen von Leiden, Sterben und Auferweckung. Denen schließt sich die fatale Bekundung des Nichtverstehens der Schüler Jesu an. Nach der ersten Ankündigung möchte Petrus das Leiden Jesu ausklammern, nach der zweiten ergehen sich die Jünger im Rangstreit, nach der dritten wollen sie wissen, wer im Himmelreich die besten Plätze beziehen kann. Alles deutliche Zeichen, dass die engsten Schüler nichts von Jesus begriffen haben. 


Erzählerische Rahmungen

Der ‚Weg-Teil’ wird vom Evangelisten durch zwei Blindenheilungen gerahmt. Sie illustrieren den mühsamen Weg, in der Begegnung mit Jesus ‚sehend’ zu werden. Das Sehen ist dem Verstehen gleichzusetzen. Die Schüler Jesu begreifen nicht. Sie müssen durch die Erfahrung mit Jesus sehend, verstehend werden. Die beiden unterschiedlichen Blindenheilungen unterstreichen, dass dieses Verstehen ein Prozess ist.

 

Markus bedient sich der literarischen Technik der Rahmung – einer von ihm gerne verwendeten Methode – wie z.B. auch bei der Komposition der beiden Ereignisse von der Erweckung der Tochter des Jairus und der Heilung der blutflüssigen Frau (5,21-43) oder der Rahmung der Tempelreinigungs-Episode durch die prophetischen Worte Jesu zum Feigenbaum (11,12-21).

 

4. Teil: ‚Jerusalem-Teil’

Es folgt der sogenannte ‚Jerusalem – Teil’, der Jesus in Jerusalem und Umgebung sieht. In Jerusalem erfolgt der dramatische Teil der Passion Jesu und seiner Auferweckung.

Der Evangelist hat auch hier eine kunstvolle Komposition erstellt, die die Verkündigungsabsicht  literarisch unterstreicht. Eröffnet wird die Passionsgeschichte mit der Absicht der religiös Führenden, die Jesus töten wollen.

 

Es folgt die Erzählung einer Salbung, dann ein erneuter Hinweis auf die Tötungsabsichten der Führenden, dann drei Flucht- bzw. Verleugnungsepisoden. Denen gegenüber gestellt begegnen uns Frauen, die zu Jesus stehen, die Zeuginnen bleiben. Schließlich folgt eine weitere Salbung, die am Grab.

Mit Furcht und Schweigen der Frauen am Grab endet der Evangelist seine Verkündigung.

 

Zwei Salbungsgeschichten

Eine erste Salbungsgeschichte lässt die Unaufhaltbarkeit der Passion erkennen. In diese Situation hinein salbt eine Frau mit kostbarem Öl. Sie hat Jesu leib für das Begräbnis gesalbt (14,8). Dass diese Frau in die ausweglose Situation hinein mit kostbarem Öl salbt, ist ein Zeichen ihres unerschütterlichen Vertrauens, dass er der Messias ist und sie trotz aller Verachtung der Anderen auf ihn ihr Leben setzt.

 

Am Ende, Kap 16,1-8, ziehen Frau zum Grab, wiederum, um ihn zu salben. Aber sie gehen, weil sie beabsichtigen, einen Toten zu salben. Sie rechnen nicht damit, dass er gemäß seiner Verheißung auferweckt würde.

 

Fluchtgeschichten

Die Fluchtgeschichten haben eine eigene dramatische Steigerung: Die Schüler verstehen nicht nur nichts, sie laufen auch weg, als ein Bekenntnis zu ihrem Lehrer angemessen gewesen wäre. Markus erzählt von einem namenlosen jungen Mann, der sogar nackt die Flucht ergreift. Er nimmt die Schande seines Nacktseins in der Öffentlichkeit eher hin, als dass er zu Jesus stünde. Petrus, der dem Lehrer am nächsten stehende, ergreift nicht nur die Flucht: Er verleugnet seinen Meister.

 

Der Ort der Begegnung
mit dem Auferweckten

Das Markusevangelium endet unerwartet: Die Frauen, die Zeuginnen der Auferweckung, schweigen. Ganz offensichtlich haben sie irgendwann ihr Schweigen gebrochen – sonst wäre das Evangelium nicht entstanden. Sie werden ‚nach Galiläa’ gegangen sein. ‚Galiläa’ ist dann der Ort des Alltags, wo es gilt, Jesus als den zu erkennen, in dem Gott –der König ist- gegenwärtig ist. ‚Galiläa’ ist auch der Alltagsort, wo es heißt, die Platzanweisung Jesu (Hinter mich! Folge mir nach!) anzunehmen und sich gemäß dem ‚Kehrt um, glaubt an das Evangelium’ neu zu orientieren und ins Vertrauen auf das Evangelium zu wachsen.  So führt die textliche Komposition des Evangelisten die Leserschaft wieder an den Anfang – sich immer wieder vertraut zu machen mit dem, der von Markus als Evangelium Gottes, als Christus, als Gottes Sohn bezeugt wird.

ENDE