Wort des Bischofs

Hungersnot im Jemen

Bitte, nicht wegschauen

Benjamin marx lyskirchen krippe jemen
Ein Helfer "misst" die Arme eines Kindes im Jemen um den Grad der Unterernährung festzustellen ...

Köln, am

heutiger Tag

Für die verfolgten Christen

verfolgte christen lyskirchen irak iran flüchtlinge

 

  • SANKT MARIA
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Der HERR
segne dich und behüte dich.

 

Der HERR
lasse sein Angesicht leuchten  über dir und sei dir gnädig.

 

Der HERR
hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Numeri 6,24-26

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Der Herr ließ sich das Unheil reuen,

das er seinem Volk angedroht hatte

 

Lesung aus dem Buch Éxodus.

In jenen Tagen sprach der Herr zu Mose:

Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht, sich vor ihm niedergeworfen und ihm Opfer geschlachtet, wobei sie sagten: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten heraufgeführt haben. Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk gesehen und siehe, es ist ein hartnäckiges Volk. Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt! Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. Mose aber besänftigte den Herrn, seinen Gott, indem er sagte: Wozu, Herr, soll dein Zorn gegen dein Volk entbrennen, das du mit großer Macht und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast. Denk an deine Knechte, an Abraham, Ísaak und Israel, denen du selbst geschworen und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nachkommen geben und sie sollen es für immer besitzen. Da ließ sich der Herr das Unheil reuen, das er seinem Volk angedroht hatte.

 

Ex 32, 7–11.13–14

 

 

Christus Jesus ist gekommen,

um die Sünder zu retten

 

Lesung aus dem ersten Brief

des Apostels Paulus an Timótheus.

Ich danke dem, der mir Kraft gegeben hat: Christus Jesus, unserem Herrn. Er hat mich für treu gehalten und in seinen Dienst genommen, obwohl ich früher ein Lästerer, Verfolger und Frevler war. Aber ich habe Erbarmen gefunden, denn ich wusste in meinem Unglauben nicht, was ich tat. Doch über alle Maßen groß war die Gnade unseres Herrn, die mir in Christus Jesus den Glauben und die Liebe schenkte. Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der Erste. Aber ich habe gerade darum Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut erweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen. Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.

 1 Tim 1, 12–17

 

 

Im Himmel herrscht Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen. Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war! Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben. der wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das Haus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Und wenn sie diese gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte! Ebenso, sage ich euch, herrscht bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt. Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht! Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er begann Not zu leiden. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner! Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn zu ihm: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße! Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein Fest zu feiern. Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete ihm: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte seinem Vater: Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir und nie habe ich dein Gebot übertreten; mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

 

Lk 15, 1–32

 

 

Wende

zu Lukas 15,1-35

 

Wer nur irgendwie Berührung von Erzählungen um Jesus gehört hat, kennt auch diese Gleichnisse. Der Evangelist Lukas hat drei Gleichnisse zusammenkomponiert. Sie wollen alle etwas zum Verständnis des Handelns Jesu offenbaren. Sie wollen gleichzeitig Ansporn sein, dass auch die Zuhörenden in die Haltung dieses Handelns wachsen. Auch hier geht es nicht in erster Linie um eine ethische Anweisung, sondern um ein Verstehen des Wesens Gottes. So, wie Jesus handelt, so dürfen wir uns Gottes Wesen vorstellen.

 

 

 

Der Evangelist beginnt seine Ausführungen mit der Beschreibung der Szene, der Situation, in die diese Gleichnisse gesprochen werden. Auf der einen Seite sind die Zöllner und Sünder, jene, die nach dem Gesetz nicht gut angesehen sind. Das hat auch Gründe, weswegen wir Zöllner und Sünder nicht einfach als Opfer der Arroganz der Frommen ansehen dürfen. Bemerkenswert ist, dass Jesus keine Scheu hat zur Begegnung mit diesen Ausgegrenzten. Anders die Frommen: ‚Die Pharisäer und Schriftgelehrten empörten sich darüber (dass Jesus mit Zöllnern und Sündern Leben teilt) und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.‘ Mit diesem Verhalten stellt sich Jesus selbst neben die erwartete Norm. Gott sei es, der Sündern Buße abverlangt, mögen die Frommen denken. Wie kann man es den Sündern dann so leicht machen, indem man sich mit ihnen abgibt; mehr noch: mit ihnen Leben teilen will, indem man sie bei sich aufnimmt und mit ihnen isst.

 

 

 

Das ist die Ausgangsszene. Als Zuhörende/Zuschauende werden wir alleine schon durch diese Szene mit eingebunden. Auf welcher Seite finden wir uns? Natürlich wollen wir sogleich auf die Seite Jesu springen, weil wir wissen, dass diese am Ende die ‚richtige‘ Seite ist. Manche von uns werden sich vielleicht doch auch ein wenig in den Argumenten der Frommen wiederfinden: Müssen Sünder nicht deutlicher spüren, dass sie sich vergangen haben; dass sie der Gesellschaft Schaden zufügen; dass sie Anderen Unrecht getan haben? Da mag sich mancher doch auch angesprochen sehen. Wir müssen  solche Gedanken nicht wegdrängen, weil sie im Sinne der biblischen Erzählung nicht angemessen sind. Die jesuanischen Erzählungen können auf uns wirken, dass Haltungen sich festigen und reifen.

 

 

 

Dafür werden die Geschichten erzählt, dass sie Wirkung auf uns machen. Sie wollen am Handeln Jesu uns etwas vom Wesen Gottes offenbaren. Im Rahmen der Gesamterzählung des Lukasevangeliums gehören diese Gleichnisse mit in die Perspektive: ‚Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?‘ (10,26) Wie mag ich handeln, dass ich mehr und mehr in die vollendende Gemeinschaft mit Gott wachse? Das Handeln Jesu ist eine weitere hilfreiche Antwort auf diese Frage.

 

 

 

In unserem Textabschnitt überliefert uns der Evangelist zwei Gleichnisse – das vom verlorenen Schaf und das von der verlorenen Drachme. Natürlich könnten wir fragen, ob es verantwortlich sei, die 99 Schafe sich selbst zu überlassen, um das eine zu finden. Natürlich könnten wir fragen, ob sich der Aufwand für einen so kleinen Geldbetrag lohnte. Aber um all das geht es nicht. Die Geschichten sind Bilder, die auf das Wesen Gottes übertragen sein mögen. Die Freude über das, was wiedergefunden wurde, ist das Ziel dieser Erzählungen: ‚Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.‘ Das Schaf kann nicht umkehren – ein Mensch könnte es. Daher bleibt als wesentliche Aussage die Freude Gottes über das/den Wiedergefundene/n.

 

 

 

Gleiches übermittelt die Geschichte von der wiedergefundenen Drachme: ‚Ebenso, sage ich euch, herrscht bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.‘ Auch die Drachme kann nicht umkehren. Auch hier sticht die Freude Gottes hervor. Auslöser der Freude ist das Wiederfinden des Verlorenen. Freude beherrscht das Wesen Gottes über jeden Menschen, der sich wieder mit seinem Schöpfer, mit Gott verbindet.

 

 

 

Ganz konkret wird die Frage der Umkehr bei dem dritten Gleichnis, dem vom verlorenen Sohn bzw. vom barmherzigen Vater, denn an dem wird das Wesen Gottes sichtbar. An dem wird auch erklärbar, warum Jesus sich mit den Zöllnern und Sündern an einen Tisch setzt, mit ihnen Leben teilen will.

 

 

 

Es scheint aber nicht ohne Bedeutung, dass das Evangelium die beiden kleinen Gleichnisse vorausgeschickt hat. Die betonen die Freude über das Wiedergefundene. Daher wird eine allzu willfährige Moralisierung im dritten Gleichnis vermieden. Selbstverständlich hat das dritte Gleichnis eine Moral. Aber sie bekommt einen anderen, einen aus einer anderen Haltung geprägten Akzent. Der Lohn der Umkehr ist die Freude Gottes. Die Freude Gottes ist das Willkommen in der Gemeinschaft mit Gott.

 

 

 

Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist sehr anrührend. Sie zeigt drei Charakteren: Der jüngere Sohn ist ein Mensch, der das Leben ausprobiert, der sich überschätzt, der Schiffbruch erleidet, der umkehren muss und weiß, dass er nichts mehr einzufordern hat.

 

Der Vater ist überwältigend in seiner Menschenliebe. Er rechnet nicht ab. Er lässt gehen, lässt Erfahrungen zu, lässt seinen möglichen Schmerz und seine denkbaren Bedenken nicht spüren, um Erfahrungen nicht zu hindern. Er trägt nicht nach, weil seine Freude über das Leben größer ist als die Abrechnung. Er geht drauf zu. Er ist voller Barmherzigkeit, weil er bedingungslos liebt. Und seine Freude am Leben des geliebten Kindes lässt alle anderen Gedanken zurücktreten. Ein idealtypischer Vater nach dem Bild Gottes.

 

Schließlich der ältere Sohn. Ein Treuer, ein Problemloser, ein Zupackender, ein Arbeiter, ein Anspruchsarmer, ein Gerechter. Ein Ideal eines Menschen, auf den man sich verlassen kann. Und der bricht auseinander, indem er die Welt nicht mehr versteht. Wie kann belohnt werden, wer so viel Elend selbst verschuldet hat? Welches Maß, welches Gesetz, welche Abmachungen zum Gelingen eines sozialen Miteinanders sind dann noch verlässlich, wenn die Regeln durch Barmherzigkeit und durch die Freude des Wiederfindens zum allein entscheidenden Maß werden?

 

 

 

Die Erzählung lässt offen, ob der ältere Sohn der Erklärung des Vaters etwas abgewinnen kann. Ungesagt bleibt, ob er auf die Linie des Vaters einschwenken kann und am Fest der Freude am wiedergefundenen Leben teilnehmen kann. Es ist nicht so selbstverständlich, das Argument des Vaters der Geschichte zu teilen: ‚Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.‘ Muss man?

 

Das Evangelium legt ans Herz: So ist Gott – auch im Blick auf uns. Diese Gewissheit dürfen wir aufnehmen, weil das Leben Jesu es uns so bezeugt hat.

 

 

 

Wenn wir diese Geschichte mitverfolgt haben, dann werden wir uns fast wie von selbst in den handelnden Personen wiederfinden. Dann werden wir Züge des jüngeren Sohnes in uns entdecken. Dann werden wir vielleicht auch Moment in Erinnerung haben, in denen wir die liebende Haltung des Vaters einnehmen konnten. Vermutlich werden wir aber auch die Ablehnung, die Wut, den Ärger, das Aufbegehren des älteren Sohnes kennen. Wir werden pädagogische Argumente ebenso anführen können wie ethische, wonach es verlässliche Normen geben muss, die bei Übertretung und schon gar bei bewusstem Selbstverschulden Konsequenzen fordern.

 

 

 

Das Lukasevangelium ist Partei. Partei für die Haltung des Vaters. Die Haltung der Liebe.  In allen drei Gleichnissen schwingt aber auch der Gedanke der Wende mit. Jesu Handeln blieb nicht im Teilen des Lebens mit den Zöllnern und Sündern. Die Erfahrung, die die Zöllner und Sünder mit ihm machten, haben diese – vermutlich nicht alle – zur Veränderung ihres Lebens geführt. Im dritten Gleichnis werden wir Zeugen dieser Wende. Es ist eine Umkehr, die nichts erwartet, was Barmherzigkeit bedeutet. Dieser Sohn weiß, dass er gesündigt hat und im Maß der menschlichen Konsequenz auch nichts Liebendes zu erwarten hat. Er ist wohl bereit, diese Konsequenz zu tragen. Dieser Bereitschaft zur Umkehr und zur Verantwortung für das Verschuldete trifft auf bedingungslose Liebe – in einer Reinheit, wie sie Menschen leicht überfordern kann. Das Wesen Gottes ist so. Lukas erzählt uns diese Geschichten zur Ermutigung. Vor allem steht die Freude Gottes. Der Weg dorthin ist die Bereitschaft, konsequent sich auf den Weg der Begegnung mit dem Vater zu machen.

 

 

 

Die Bühne der Geschichten will uns anregen, unseren eigenen momentanen Standpunkt zu bedenken – in welchen Figuren wir uns gerade besonders wiederfinden. Vielleicht auch, wohin wir wachsen möchten.

 

 

 

Ihr Matthias Schnegg

 

 

 


15.09.2019 - 22.09.2019

Vierundzwanzigster Sonntag –

im Jahreskreis
19.00 Uhr Heilige Messe der Gemeinde 

 

Donnerstag:

15.00 Uhr Rosenkranzgebet für den Frieden und die Versöhnung der Religionen und Kulturen

 

Freitag:

18.00 Uhr Wortgottesdienst in der Krypta anschließend Bibelgespräch im Pfarrsälchen

 

Fünfundzwanzigster Sonntag –

im Jahreskreis
19.00 Uhr Heilige Messe der Gemeinde 

Kollekte GEMEINDE-Caritas

NOTEL

Victoriastr. 12

50668 Köln

Heilige Messe im NOTEL
jeweils dienstags

und donnerstags 
um 18.45 Uhr

Gebet der Religionen am
21. September, 18 Uhr,
in St. Peter

 

„Die Würde des Menschen
ist unantastbar“

(Artikel 1 Grundgesetz)

 

Unter diesem Leitwort steht das diesjährige Gebet der Religionen in Köln am Internationalen Tag für die Frieden, zu dem der Kölner Rat der Religionen in diesem Jahr nach St. Peter einlädt.

 

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Verabschiedung des Grundgesetzes steht die multireligiöse Feier unter dem Leitwort „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Artikel 1 Grundgesetz).

 

In beunruhigten Zeiten ist es kostbar, Zeichen zu setzen und Erfahrungen miteinander zu teilen, dass das Gebet der Religionen dem Frieden dient. Herzliche Einladung zum Mitbeten!

 


Tag des offenen Denkmals

Auch in Maria Lyskirchen waren die Türen geöffnet – auch für Menschen, die sich an Historie und Kunst und an Bewahrung dieser besonderen Güter interessiert waren. Mit einer Führung durch Herrn konnte der Schatz dieser romanischen Kirche vielen Interessierten wieder erschlossen werden. Unsere Kirche ist ein herausragendes Denkmal – gottlob kein nur kunsthistorisch lebendiges, sondern eines, in dem auch das Leben gegenwärtig ist. Die Erbauer der Kirche werden vermutlich nicht daran gedacht haben, dass fast 800 Jahre später ihr Werk immer noch Bestand hat. Viele Veränderungen, die der jeweilige Zeitgeist mit sich brachte, hat das Bauwerk auch durchlebt. Auch die Ansichten der Denkmalpflege haben sich immer wieder verändert. Mal geschahen sehr großzügige Eingriffe in die Substanz, mal ist man bemüht, möglichst alles im Original zu bewahren. Was diese Orte vor aller kunsthistorischen Bedeutung so kostbar macht, ist die Menschseinsgeschichte, die sich hierin abspielte. Wie viele Kriege, wie viele politische Wirrnisse, wie viele geistesgeschichtlichen Wege und Irrwege hat diese Kirche miterlebt? In all dem sind es dann Menschen mit ihrer individuellen Geschichte, mit ihrer Freude, ihrer Hoffnung, ihren Leiden, ihrer Ohnmacht, ihrem Gottzweifel und ihrem Gottvertrauen. Dieser Raum und seine Steine sind angefüllt mit Menschheitsgeschichte, mit ganz persönlichen Lebens- und Glaubensgeschichten. So ist eine Kirche wie Maria Lyskirchen ein Denkmal der Geschichte der Menschen an diesem Ort, ein Denkmal der Glaubensgeschichte. Aus dieser lebt auch unser Glaube, unsere Gewissheit oder unsere Suche an diesem Ort. Wir dürfen uns auch als Beschenkte verstehen, in dieser Zeit, an diesem Ort unseren Glauben miteinander zu teilen. Wir sind als Einzelne – wie Kohelet sagt – im Blick der Menschheitsgeschichte Windhauch. An einem Ort wie diesem fügt sich dieser Gewissheit der Vergänglichkeit eine übergeordnete Hoffnung hinzu.

Caritas – Sonntag 2019

Am kommenden Sonntag ist wieder Caritas-Kollekte. 90% des Ertrages bleiben den Gemeinden zur Verfügung für ihre gemeindlich – diakonische Arbeit. 10 % werden vom Diözesancaritasverband (bei uns um die Ecke, in der Georgstr. 7 ansässig) verwaltet und kommen überregionalen Aufgaben der Caritas zugute.

 

In unserer Gemeinde ist die diakonische Arbeit überwiegend durch Einzelfallhilfen geprägt. Im Laufe eines Jahres kommen viele Bedürftige und bitten um eine Unterstützung. Manchmal ist nicht so ganz nachprüfbar, was jetzt der ganzen Wahrheit entspricht. Es kommen Menschen mit Anliegen, die evtl. auch über das Sozialamt oder das Jobcenter zu regeln wären. Ich versetze mich dann in die Lage derer, die um Hilfe bitten. Da leuchtet mir ein, dass mancher Behördenweg zu mühsam wird, weil die Anfragenden in der Regel mehr als genug Kontakte mit den Behörden haben. Behörden haben ihre Regeln, ihre Vorgaben, die evtl. den spontanen Notwendigkeiten oder auch den allzu menschlichen Wünschen nicht sofort zur Verfügung stehen können. Dann gibt es immer wieder einmal Verzögerungen in Überweisung von Geldern. Für Menschen, die eine Rücklage haben, ist so etwas ärgerlich, für Arme kann es existentiell werden.

 

Natürlich gibt es auch Menschen, die um Unterstützung bitten, weil sie mit den Zahlungen des Jobcenters oder des Sozialamtes nicht vernünftig umgegangen sind. Auch da: Wer Rücklagen hat, kann sich Ausreißer leichter erlauben.

 

Es kommen Menschen, die nach Deutschland eingereist sind und teils nach Jahren eigener Bemühungen merken, dass sie hier keine realistische Überlebenschance, geschweige denn eine sich selbst sicherndes Auskommen haben werden. Da sammelt sich auch Not an. Auch da hilft der Versuch, sich in das Schicksal dieser Menschen einzudenken, um zu begreifen, dass es mancher Schleife bedarf, bis endgültig klar ist, dass der Traum eines wirtschaftlich und sozial gesicherteren Lebens in Deutschland nicht gelingen wird. Da helfen z.B. Fachstellen des Caritasverbandes für die Stadt Köln – auch, um eine Rückkehr in das Heimatland hinzubekommen. Aus gesicherten Lebensverhältnissen lässt sich leicht argumentieren, welchen Illusionen Menschen aufgesessen sein könnten. Auch da hilft der Versuch eines Rollentausches um zu erahnen, wie Not entsteht und wie mühsam es sein kann, diese Not aus eigener Kraft zu wenden.

 

Oft ist tatsächlich eine finanzielle Gabe die Not wendende Möglichkeit. Da helfen kein Paket Nudeln oder Konserven, da wird Geld gebraucht, um den Lebensunterhalt halbwegs zu gewährleisten.

 

Menschen in Not kommen an die Pfarrhaustüre – Gottlob, dass sie die Kirche noch als einen Ort wissen, an dem man mit seiner Not kommen kann. Meist sind diese Besuche im Pfarrhaus mit Gesprächen verbunden. Wenn jemand schellt, wird er/sie hereingebeten. Dann können wir reden. Dass am Ende eines solchen Gespräches oft die Bitte um Geld steht, ist eine Wirklichkeit. Das Gespräch vorher ist in der Regel kein Trick, um Geld zu bekommen. Fast immer sind es Gespräche, die wirklich die Personen betreffen, die kommen. (Und für die Anderen, die eigentlich nur Geld wollen: Die Armut macht erfinderisch.) Und es gibt Menschen, die kriegen es (sich) einfach nicht geregelt, was unter den Bedingungen der Straße, unter psychischer Beeinträchtigung, teils unter Suchterkrankung kein Wunder ist. Wem stünde zu, das zu beurteilen?

 

Dankenswerter Weise haben Sie im Vorjahr die Kollekte des Caritassonntags sehr großzügig beschenkt. So konnte auch in diesem Jahr wieder vielfältig Hilfe geleistet werden. Hier einige Beispiele, um was es gehen kann:

 

  • Ein wohnungsloser Mann erbittet Geld für 3 Übernachtungen in einer sehr billigen Pension, bis er in eine Pflegeeinrichtung aufgenommen werden kann.

 

  • Ein Mann ist aus dem Knast entlassen und will zu seiner Familie zurück nach Bosnien. Der Bus fährt erst am kommenden Tag. Er braucht eine Übernachtung.

 

  • Eine Frau braucht für ihre zwei kleinen Kinder und ihre kranke Schwiegermutter Geld zum Lebensunterhalt. Weil sie gegen die Ausweisung (nach mehreren Jahren hier leben) klagt, ist das gesamt Geld an den Anwalt gegangen.

 

  • Ein psychisch Kranker wurde 30. Er wollte so gerne nach Wuppertal fahren.

 

  • Eine Familie muss Pässe beim Konsulat in Düsseldorf beantragen. Fahrt dorthin, Passfotos, Gebühren – der Unterhalt eines Monats kann nicht die Gesamtkosten tragen.

 

  • Eine Familie, die seit 2 Jahren in einer Unterkunft lebt, hat Aussicht auf eine Wohnung und muss wenigstens die Anzahlung einer Kaution hinterlegen. Bis so ein Antrag beim Sozialamt durch ist, ist die Wohnung weg.

 

  • Ein Obdachloser wurde über Nacht ausgeraubt und braucht etwas, um sich Essen zu kaufen.

 

  • Der Mann mit dem Problem der nötigen Windeln und der Austronautenkost kommt auch noch einmal, weil die Zahlungen nicht rechtzeitig eingegangen sind.

 

  • Eine Familie kann den Strom nicht bezahlen. Abschaltung steht an. Die kranke Mutter ist die einzige, die in der Familie handeln kann – der Mann pflegebedürftig, die erwachsenen Kinder unfähig, sich selbst zu organisieren.

 

  • Neue Schuhe für einen Mann, der vor lauter innerer Unruhe immer nur laufen muss.

 

  • Ein Gynmasialkind aus armer Familie (Mutter tot, Vater arbeitslos) soll auf Klassenfahrt mit. Das Sozialamt wollte den ‚Luxus‘ nicht bezahlen. Es fehlten dem Vater noch 50 €.

 

  • Eine Mutter mit zwei Kindern, selbst 3 Schlaganfälle, einen Monat auf der Straße, jetzt in ein Hotel eingewiesen, braucht Stärkung des Lebensunterhaltes.

 

Viele dieser Menschen kenne ich schön länger und weiß, dass deren Angaben stimmen. Mir hilft es, zu versuchen, mich in deren Lage zu versetzen. Dank der Spenden aus dem Vorjahr konnte diesen Menschen in Notsituationen meist geholfen werden. 1851,00 € sind in diesem Jahr auf diesem Weg ausgegeben worden – für beide Gemeinden. Das entspricht dem, was auch im Vorjahr ausgegeben wurde.

 

Die Caritas-Gelder sind dafür da, dass sie Menschen in Not helfen. Danke, dass Sie das durch Ihren Beitrag zur Caritas-Kollekte am Caritassonntag mit möglich machen. Wie gesagt: Es ist wohl, dass die Kirche und das Pfarrhaus noch als Orte gewusst sind, an denen man mit seiner Not – materiell und immateriell – schellen darf.

 

Manchen ist bange bei der Überlegung, ob die Notsituation nicht selbst verschuldet sei oder ob die Anfragenden wirklich die Unterstützung nötig haben. Wenn Not existentiell da ist, tritt die Frage nach der Schuld aus der ersten Reihe. Und ob jemand sich Geld unredlich erschleicht – auszuschließen ist es nicht. Selbst da ist eine Not im Hintergrund. Aber die meisten, die Hilfe suchen, brauchen sie. Gut, dass sie dann uns zu ihren Nächsten machen. Indem sie da sind, machen sie uns zuständig – sei es, dass wir selbst Hilfe leisten, sei es, dass wir Wege aufweisen können, wie und wo die Not Linderung erfahren kann.

 

Danke für Ihr waches Herz, sich zur Nächsten machen zu lassen. Danke für das, was Sie auch am kommenden Sonntag in die Kollekte einbringen mögen und können.

 

Danke!

 

Ihr Matthias Schnegg