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Ein Helfer "misst" die Arme eines Kindes im Jemen um den Grad der Unterernährung festzustellen ...

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Der HERR
segne dich und behüte dich.

 

Der HERR
lasse sein Angesicht leuchten  über dir und sei dir gnädig.

 

Der HERR
hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Numeri 6,24-26

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Mit – bleiben Die neue Welle

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (01.11.2020)

Wir haben am Anfang der Pandemie von der Notwendigkeit der Leerstelle als spirituellem Anruf gesprochen – vielleicht für die eigene Standortbestimmung, vielleicht auch für die geistliche Verankerung unserer Gemeinde. Diese Leerstelle hat an Bedeutung nicht verloren. Auch spirituell ist die Pandemie nach wie vor eine große Herausforderung – ebenso wie auch eine bleibende Chance. Führt sie uns zu einer neuen Nähe zur göttlichen Gegenwart? Ist es wie das noch unsichere Tasten eines Kindes, das eine Weite erobern will – in zagendem wie auch mutigen Vorangehen, Schrittchen für Schrittchen?

 

Der bleibend Ewige

Wir können und müssen uns nicht vorstellen, dass die Pandemie eine Strafe Gottes für eine aus den Fugen geratene, selbstsüchtige Welt sei. Wir könnten uns aber vorstellen, dass es für die, die Gott glauben können, eine Einladung ist, sich dieser Wirklichkeit Gott neu zu überlassen. Das, was uns übersteigt, weil es nicht allein irdisch ist, das mag uns vielleicht eine mitgehende, führende Größe sein. Der Ewige, der menschlich enthoben und zugleich gegenwärtig ist, lebt mit im teils verunsicherten Tasten von uns durch die Pandemie verschreckten Menschlein. Das Leben, das Ewige, ist dem Ewigen verbunden – mit - bleibend 

 

Und so paradox es klingt: Aus dieser demütigen Annahme der derzeitigen Grenzerfahrung mag sich ein eigen befreiter Gestaltungsraum eröffnen.

 

Wie Sie lesen, kann ich dazu auch eher stammeln als beherzt schreiben. Es ist ein Tasten in unsicher gewordenem Lebensraum. Es ist die Hoffnung, es ist das Vertrauen, es ist das Wissen, dass dieses Tasten sich begleitet, sich gesehen, sich angenommen wissen darf. Das erdet wohl möglich. Das lässt Demut als Leben fördernde und ermutigende Tugend aufleben. Demut, nicht Demütigung durch Seuchenschicksal. Das lässt vielleicht getroster aufatmen – auch in der Realität einer sich verdunkelnden Jahreszeit, in der Realität einer Ungewissheit, wie wir wohl Weihnachten 2020 werden begehen können.

 

Mit = verbunden - bleibend

Ich bin sehr dankbar für all die, die seit Beginn der Pandemie ‚mit‘ geblieben sind. Dieses ‚Mit‘ hat verschiedene Ausdrucksformen: Die Einen sind z.B. in der Gottesdienstgemeinde präsent. Andere sind verbunden, ohne dass sie körperlich anwesend sein mögen. Wieder andere fühlen sich in Solidarität mit denen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können. Schließlich sind auch solche der Gemeinde Zugehörige bewusst verbunden, die aus grundsätzlichen Erwägungen eine Begrenzungen des gemeinsamen Gottesdienstes nicht hinnehmen können. Für alle, die es mögen, sind diese vielen Formen der Reaktion eine Einladung, bleibend mit auf dem Weg unseres Glaubens zu sein.


Ich wünsche uns allen das Vertrauen, mit der Lebenskraft Gottes, mit dem Hl. Geist, durch jeden Tag und jede Nacht gehen zu können. Wir haben unsere Orte – präsent oder auch nicht -, an denen wir unseren Glauben miteinander teilen. Von Herzen Dank für jedes Mitsein.

 

Ihr Matthias Schnegg

 

 

von Martin Gerner

 

Es gibt Momente, die, eben noch gegenwärtig, im nächsten Moment Geschichte sind. Dieses Foto zum Beispiel. Es zeiget mich beim Unterricht im Flüchtlingslager Moria, in der Wave of Hope Schule, mit jungen Afghanen vor wenigen Tagen. Mittlerweile ist das Flüchtlingslager durch das Großfeuer vom 9. September fast vollkommen zerstört. Rund 13.000 Menschen stehen auf der Straße, vor dem Nichts.

weiterlesen im Newsletter der Aktion Neue Nachbarn
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Das Gleichnis – Kapitel im Matthäusevangelium

Da wir an den Sonntagen nacheinander das ganze Gleichniskapitel als Evangelium gehört haben, war der Wunsch an mich herangetragen worden, Gedanken zur Erzähldynamik des gesamten Kapitels 13 zusammenzufassen.

 

Das 13. Kapitel des Matthäus-Evangeliums ist die dritte der fünf großen Reden des Matthäusevangeliums: Kap 5-7 die Bergrede (‚Bergpredigt‘), Kap 10 die Aussendungsrede, Kap 13 die Gleichnisrede, Kap 18 die Gemeinderede und Kap 24/25 die Endzeitrede.

 

Diese Reden übersetzen u.a., was die Botschaft des Evangeliums Jesu für lebenspraktische Folgen hat.

 

Grundfragestellung

Die Grundfragestellung der Gleichnisrede befasst sich mit dem Thema: Wie kommt die Botschaft des Evangeliums vom Himmelreich in die Welt? Das ist ein Wirken Gottes, aber auch ein Wirken der Frauen und Männer der Verkündigung. Der Evangelist hat sich in der Grundstruktur der Gleichnisrede an der Vorlage des Markusevangeliums (Kap 4) orientiert. Seine Verkündigungsabsicht hat diese Gleichnisse aber spürbar redaktionell bearbeitet. Ein Vergleich beider Evangelisten lohnte sich, um bestätigt zu sehen, dass die Evangelien die Überlieferung Jesu für ihre konkreten (und darin unterschiedlichen) Verkündigungsabsichten genutzt haben.

 

Die Adressaten der Gleichnisse

Matthäus unterscheidet in ‚die Menschenmenge‘ und ‚die Jünger‘. Mit der ‚Menschenmenge‘ mögen alle angesprochen sein, die sich für die Botschaft interessieren, aber nicht Glaubende sind. Sie verstehen die Bilder der Gleichnisse, weil diese aus dem Alltag der Menschen genommen sind. Sie verstehen aber nicht unbedingt, welche Glaubensbotschaft von der Kraft des gegenwärtigen Gottes, vom gegenwärtigen ‚Himmelreich‘ in diesen Gleichnissen beschrieben sein will. Daher ‚hören sie, doch sie verstehen nicht; sehen sie und erkennen doch nicht.‘ (vgl. 13,13-15)

 

Den ‚Jüngern‘ als den Repräsentanten der Glaubenden (wie rudimentär der Glaube auch sein mag) werden die Gleichnisse gedeutet. Sie soll den Verkündigungsgehalt hinter den Bildern der Gleichnisse verstehen lernen.

 

Verbindender Zusammenhang

Das ganze Gleichniskapitel scheint mir eine eigene Erzähldynamik aufzuweisen. Mit dem Gleichnis vom Sämann (13,1-9) wird die Realität beschrieben, dass die Verkündigung des Wortes vom Himmelreich realistischer Weise nicht immer auf fruchtbaren Boden trifft. Die Deutung dieses Gleichnisses durch Jesus (13,18-23) kann auch zum Spiegel für die ganz persönliche Aufnahmebereitschaft des Glaubens werden. Wir kennen das: Manchmal fruchtet überhaupt nichts, manchmal sind wir beglückt erfüllt vom ‚Himmelreich‘, von der Erfahrung der Wirklichkeit Gottes in unserem Leben.

 

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (13,24-30) konfrontiert die Verkünder und die Gemeinde mit der Gleichzeitigkeit von Gut und Böse. Das ist schwer auszuhalten. Die Frage nach der Macht Gottes stellt sich. Könnte Gott nicht anders – und warum greift er nicht entschiedener gegen die Macht des Bösen ein? ‚Hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Die Antwort des Gleichnisses löst das Problem nicht. Es wird nur betont, dass so die Wirklichkeit ist, mit der wir umzugehen haben: ‚Das hat der Feind getan.‘

 

Dieses Gleichnis lässt aber nicht in Resignation zurück. Es bekräftigt das Vertrauen, dass die Macht Gottes, die Macht des Guten, obsiegen wird.

 

Dieses Vertrauen unterstreichen die beiden dann folgenden Gleichnisse von Senfkorn und Sauerteig (13,31-33). Mag die Macht Gottes noch so klein erscheinen. Den Glaubenden wird der Mut zugesprochen, dass die Wirklichkeit Gottes unaufhaltsam sich in der Welt zeigen wird.

 

(Wir brauchen viel Vertrauen auf Gott, weil wir manchmal verzagen wollten ob des schwindenden Wissens um und Empfindens der Transzendenz, der Wirklichkeit Gottes.)

 

Dann wechselt der Erzähler die Perspektive. Ab Vers 36 sind nur noch die Jünger Ansprechpartner der Gleichnisrede. Jetzt werden die Glaubenden ermutigt, dass Glaube ja nicht unter dem Aspekt der Anstrengung und vielleicht der zu erbringenden Leistung gesehen werden mag. Glaube ist eine Kostbarkeit, die das Leben fundamental beschenkt und bereichert. Mit den Gleichnissen vom ‚Schatz im Acker‘ und von der ‚schönen Perle‘ wird den Glaubenden vor Augen geführt, wie kostbar ist, was sie als Glaubende gefunden haben (13,44-46). Sie haben (so bruchstückhaft er sein mag) den Glauben an Gott gefunden. Die einen haben gesucht und vielleicht eher zufällig entdeckt, was ihr Leben erfüllt und alles andere zweitrangig werden lässt. ‚Freude‘ erfüllt sie ganz über dieses Geschenk der Entdeckung Gottes.

 

Andere haben bewusst nach Gott gesucht und ihn gefunden – wie eine schöne, wertvolle Perle. Die Entdeckung Gottes ist auch die Entdeckung des Schönen und im Schönen, in den verschiedenen Ausprägungen der Ästhetik in Natur und Kunst.

 

Wie glücklich können Menschen sein, wenn sie den Glauben an Gott (im Zeugnis Jesu) gefunden haben! Der Evangelist untermalt dieses besondere Geschenk: ‚Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.‘ (13,17)

 

Mit einem letzten Gleichnis erdet der Evangelist wieder in die Bedingungen des Lebens, in die Bedingungen der Verkündigung. Im Gleichnis vom Fischernetz (13,47-50) tauchen die beiden Komponenten Gut und Böse wieder auf. Auch hier die Gewissheit, dass die Gottesverkünder, dass die Kraft Gottes, dass Gott selbst am Ende der Zeiten sich als die Wahrheit, als der Lebensgrund erweisen werden.

 

Abschluss und Perspektive der Gleichnisrede

‚Habt ihr das alles verstanden?‘ fragt Jesus in der Gleichnisrede seine Jünger. Diese antworten mit ‚ja‘. Bald werden wir lesen, dass sie weiterhin nicht wirklich verstanden haben, was Jesus und sein Evangelium bedeuten. Um in dieses Verstehen zu wachsen, gibt der Abschluss der Gleichnisrede einen Hinweis: Wir mögen uns mühen, ‚als Jünger/innen des Himmelreiches Schriftgelehrte‘ zu werden. Wir werden mehr und mehr von Gottes Wirklichkeit und Gegenwart verstehen, wenn wir uns mit den Hl. Schriften beschäftigen, wenn wir ‚Neues und Altes hervorholen‘. Das ‚Alte‘ sind die Schriften der Bibel, das ‚Neue‘ ist das, was wir im Austausch und in der Auslegung dieser Schriften in unsere Lebenswirklichkeit hinein weitertragen. So bleibt Offenbarung eine lebendige Kommunikation zwischen Gott und den Menschen, zwischen den Jüngerinnen und Jüngern und dem Himmelreich, der gegenwärtigen Wirklichkeit Gottes.

 

(Matthias Schnegg)

 

Einübung

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (19.07.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Allmählich haben wir den Rhythmus gefunden, unter dem wir Eucharistie miteinander feiern können. Vielen ist es willkommen, dass diese Möglichkeit des Feierns unseres Glaubens wieder offen ist. Manche spüren bei aller Bejahung, dass diese Möglichkeit gegeben ist, dass es eine bleibend schmerzende Seite hat – in der notwendigen Ausgrenzung mancher, die mitfeiern wollten, in der Vereinzelung der Plätze, im Unterdrücken des mit Stimme gesungenen Liedes.

 

Bisher konnten alle mitfeiern, die wollten – auch die, die spontan zur Kirche kamen. Am vergangenen Sonntag war die Kapazität ganz erfüllt. Da drei angemeldete Personen dann doch verhindert waren, konnten alle, die wollten, teilnehmen.

 

Anmeldung – mit wegen der Ferien veränderten Zeiten

Zur Anmeldung bitte ausschließlich das Pfarrbüro als Koordinationsstelle anrufen oder per Mail anschreiben. Da Frau Nowakowski, unsere Pfarramtssekretärin, ab kommender Woche für zwei Wochen in Ferien ist, ist das Pfarrbüro nur eingeschränkt offen. Für die telefonische Anmeldung zur Mitfeiern des Gottesdienstes gelten die folgenden Zeiten: Di  und Fr 9-12 und Do von 15-18 Uhr.

 

Anmeldungen per Mail gehen zu jeder Zeit von Montag bis Freitagmittag. Alle Meldungen nach freitags 12 Uhr können leider nicht mehr in die Liste aufgenommen werden.

 

Hinweise

Mitfeiernde machen aufmerksam, dass die Freude, einander wiederzusehen, manchmal die Abstandspflicht durchbricht. Daher die Bitte, sich selbst achtsam zu erinnern und bei Bewegungen in der Kirche immer die Maske zu tragen und bei Begrüßungen auf den nötigen Abstand zu achten. Dass uns das ab und an schwerfällt, ist sehr nachvollziehbar, da wir als Menschen eigentlich soziale Wesen sind, die sich begegnen mögen. Aber das hohe Gut der Gesundheit verpflichtet uns gerade zu einer Disziplin jenseits der zu nahen Sozialkontakte. Danke für die Achtsamkeit.

 

Rituale als Trägerin der Kommunikation (3)

 

Gerade wenn lang gepflegte Rituale in Frage gestellt (wegen übergeordneter Güter) in Frage gestellt werden (müssen), rückt ihre Bedeutung klarer ins Bewusstsein. Durch die Schutzmaßnahmen aufgrund der Pandemie sind die Rituale unserer Messfeier mit betroffen. Manchen geht die Beeinträchtigung der Riten zu sehr an die Substanz, dass sie lieber auf die Feier verzichten, als sich diesen Einschränkungen zu unterwerfen. Manchen ist es eine bleibende Frage, ob diese Begrenzungen uns nicht als Aufgabe des Geistes ins Leben gestellt sind, um uns neu inspirieren zu lassen. Wo der wahre Weg liegt, wird sich hoffentlich einmal offenbaren.

 

Wir haben uns entschieden, diesen Weg zu gehen, wie wir ihn im Moment zu begreifen und zu gestalten suchen. Eine Frucht dieser nötigen Umgestaltung liegt im bewussten Bedenken dessen, was wir so selbstverständlich als Riten der Hl. Messe gefeiert haben.

 

Heute richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf den Kommunionteil der Messfeier.

 

Das Brotbrechen

Ein bedeutsames Zeichen stellt das Brechen des eucharistischen Brotes dar. Uns ist dieses Ritual bekannt aus den Erzählungen der wunderbaren Speisungen oder aus der Abendmahlsszene oder aus der Emmausgeschichte. Da bricht Jesus das Brot und teilt es aus. Das Brotbrechen als Zeichen des Teilens und zugleich der Verbindung der einzelnen Stücke mit dem Geber dieser Gaben. Die Apostelgeschichte charakterisiert das Leben der jungen Gemeinde u.a. mit den Worten: ‚Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens.‘ (Apg 2,46) Das Brechen des Brotes ist offensichtlich ein sehr grundlegendes Zeichen der Gemeinschaft mit dem auferweckten Herrn.

 

Das Brechen des Brotes wird begleitet vom Gesang des ‚Lamm Gottes‘. Hier wird die Verbindung zwischen dem Tod Jesu, dem Zerbrechen seines irdischen Lebens um der Liebe willen ins Zeichen gesetzt. Im Teilen des Brotes wird diese Liebe unter denen geteilt, die sich zum Gottesdienst versammelt haben.

 

Darum war es wichtig, unter Wahrung der Hygienevorschriften dieses Zeichen des Brotbrechens als Ritus aufrecht zu erhalten und nicht auf kleine, ausgestanzte Hostien zurückgreifen zu müssen.

 

Kommunion

Die Kommunion hat etwas mit Gemeinschaft, mit communio, zu tun. Durch die gegebenen Schutzvorschriften hat der Empfang der Kommunion als Zeichen der Gemeinschaft mit dem Christus und mit der Gemeinschaft der in seinem Namen Versammelten gewonnen. Nach dem schweigenden Austeilen der Hl. Kommunion essen alle zusammen das geteilte Brot, indem alle zusammen das Amen sprechen, das Bekenntnis zum gegenwärtigen Herrn in der Gestalt des Brotes.

 

 

Die Kelchkommunion in der uns bis dahin geläufigen Form ist dagegen verständlicherweise den Hygienevorschriften zum Opfer gefallen. Manchen ist aber sehr bewusst, dass die Kommunion auch unter der Gestalt des Weines nicht nur ein Beiwerk ist, sondern zur vollen Form der Feier des Herrenmahles dazugehört. Daher werden wir weiter überlegen müssen, wie dieses Zeichen wieder gelebt werden kann.

Weitere Annäherung

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (12.07.2020)

Weitere Erfahrungen

Nun haben wir bereits drei Sonntage unter den uns vorgegebenen Bedingungen wieder gemeinsam die hl. Messe gefeiert. Jedes Mal haben sich Hinweise ergeben, wie wir angemessen den Gottesdienst feiern können – angemessen in Bezug auf die Schutzvorschriften und angemessen in Bezug auf die Würde der Feier. Diese Hinweise gehen von einer Optimierung der Anordnung der Stühle über die würdigere Bedeckung des Brotes bis zur Musik innerhalb des Gottesdienstes. Durch die durchgehend gesummte Mehrstimmigkeit der Gesänge wächst die spürbare Beteiligung der Gemeinde, wird wieder erlebbarer, dass die Mitfeiernden nicht mehr oder weniger Konsumenten von Vorgetragenem sind, sondern entscheidend Mitwirkende. Dabei geht es nicht um Beschäftigung, sondern um eine Ausdrucksform, als feiernde Gemeinde die Zelebrantin des Gottesdienstes zu sein.

 

Dankbar können wir auch sein, dass bisher niemand von der Teilnahme an der Feier abgewiesen werden musste, auch die nicht, die zufällig und ohne Anmeldung zur Kirche kamen. Das ist beruhigend, weil die Notwendigkeit der Anmeldung eine fundamentale Hürde vom Verständnis einer Gottesdienstfeier darstellt. Für die meisten ist die Anmeldung angesichts der Einschränkungen, die die Pandemie uns alltäglich auferlegt, kein Problem.

 

Und die anderen?

Wenn wir uns jetzt auch wieder zum Gottesdienst versammeln, ist es nicht wie früher. Einmal, weil wir den Bestimmungen unterworfen sind, zum anderen, weil die Liturgie sich verändert, und schließlich, weil rein rechnerisch nur die Hälfte derer zum Gottesdienst kommen kann, die sonst sonntags sich hier versammelt hat. Es gibt verschiedene Gründe, weswegen Menschen derzeit nicht kommen: Die einen möchten sich aufgrund ihres Alters oder ihrer Gesundheit nicht dem Risiko aussetzen, das in solchen Versammlungen lauern kann. Darauf ist immer wieder zu verweisen, sich sicher fühlen zu sollen, wenn Sie in die Kirche kommen.

 

Andere können die gegebenen Einschränkungen aus geistlichen Gründen nicht mittragen. Da sind sehr ernst zu nehmende Fragen wach, ob wir uns zu schnell in eine Form gefunden haben. Das könnte bedeuten, dass wir dem Hl. Geist nicht genügend Raum offengehalten haben, was denn der spirituelle Anruf einer solchen Pandemieerfahrung darstellen könnte. Wir kennen die Diskussionen auf gesellschaftlichem und politischem Feld, was wir als Frucht einer solchen Infragestellung ändern können und dringend ändern sollten. Das gilt gewiss auch für die Anfragen, die die Pandemie der Kirche und dem geistlichen Leben stellt. Wie groß ist die Wachsamkeit, vorschnell sich in Formen zu fügen, die das Alte wieder aufnehmen wollen – und damit dem denkbar Neuen den Raum verschließen?

 

Was des Geistes?

In der ganzen Zeit der Corona - Krise hat uns bewegt, worin der Anruf zur Umkehr, zur Neuorientierung liegen könnte. Wir haben immer wieder benannt, dass wir den einen und einzig legitimen Weg nicht kennen. Daher galt und gilt, dass wir den Hl. Geist um Unterstützung in unseren Überlegungen bitten. Und dann möge uns das Geschenk des Geistes der Unterscheidung gegeben sein. Gottlob gibt es ein Gespür, das mehr und mehr begreifen kann, was höchstwahrscheinlich des Geistes ist.

 

Das bleibend Gemeinschaftliche

Auch wenn wir uns – aus epidemiologischen oder theologischen Gründen – nicht alle zusammenfinden zur sonntäglichen Messfeier, so ist gewiss, dass wir – zumindest von der gemeindlichen Seite – Verbundene sind. Zu Beginn jeder Gottesdienstfeier verbinden wir uns ganz bewusst und ausdrücklich auch mit denen, die jetzt nicht mit uns sind. In dieser Verbindung ruht auch der Wunsch, es möge einmal möglich sein, ungehindert zusammen unsere Antwort auf Gottes Dienst an uns zu feiern.

 

 

Rituale als Trägerin

der Kommunikation (2)

Gottesdienst ist ein kommunikatives Geschehen zwischen Gott und Mensch. Unser Gottesdienst versteht sich als feiernde, dankende Antwort der Glaubenden auf den Dienst Gottes an uns. Das ist ein kommunikatives Geschehen. Da sich die miteinander in Beziehung Stehenden nicht körperlich sehen können, bedarf es Handlungen, die äußerlich sichtbare Zeichen der Verbindung setzen. Wir vollziehen diese Rituale aufgrund unserer eingeübten Gewohnheit meist selbstverständlich. Wir müssen uns nicht jedes Mal erklären (lassen), was dieser oder jener rituelle Vollzug bedeutet. Das gehört zum Wesen eines Rituals, dass es sich nicht jedes Mal neu erklären muss.

 

Eine neue Aufmerksamkeit können diese Rituale bekommen, wenn sie in Frage gestellt sind. Dann nämlich offenbart sich das Wesen dessen, was durch das Ritual zeichenhaft dargestellt werden will, neu. Wenn Rituale eingeschränkt werden müssen – wie jetzt in Zeiten der besonderen Hygienevorschriften -, dann steht die Auseinandersetzung an, wie viel man vom Ritual streichen kann, ohne das Wesentlich zu zerstören. Wo kann ein eingeschränktes Ritual nicht mehr Trägerin der Kommunikation zwischen Gott und Mensch sein?

 

Diese Frage bewegt uns, seit wir die Feier der Hl. Messe wieder aufgenommen haben. Wir vermuten, im Moment eine Form gefunden zu haben, in der die Rituale sprechend bleiben. Es gilt, dennoch ein feines Gespür zu bewahren, wo die Liturgie in ihrem Wesen gefährdet sein kann.

 

Diakonie und Liturgie

In der Bereitung der Gaben von Brot und Wein bereiten wir unser Leben auf die uns durch Gott geschenkte Wandlung. Ein Gottes Dienst sollte nie ohne den Blick auf den Dienst am Menschen vollzogen sein. Dafür gibt es die Kollekte, die Geldsammlung, die in ihrem Ursprung ausschließlich dem Dienst für die Armen vorbehalten war. Im Laufe der Geschichte wird die Sammlung neben den eindeutig diakonischen Aufgaben auch für die Betriebskosten des Kirchengebäudes und für die Anliegen der Gemeinde verwendet. Die Pandemie hindert aus epidemiologischen Gründen, dass diese Gaben kollektiert, gesammelt werden.

 

Viel sinnenfälliger war bis zum Eintreten der Pandemie, dass die konkreten Sachspenden für die Armen – wie die sonntäglichen Kuchen oder der Spenden in der Advents- und Fastenzeit – nicht mehr zur Bereitung der Gaben durch die Gemeinde in die Nähe des Altares getragen werden können. Manche erinnern sich, wie dieser Ritus sich in unserer Gemeinde allmählich entwickelt hat, bis wir die Form gefunden hatten, diese Geschenke für die Armen sichtbar in den Vollzug der Gabenbereitung einzubinden. Dieses deutliche Zeichen von Diakonie und Liturgie ist uns im Augenblick nicht möglich.

 

(Fortsetzung im
kommenden Sonntagsblättchen)

 

 

Erfahrungen

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (05.07.2020)

Neue Situationen eröffnen neue Erfahrungen – so man sie auch annehmen mag. Wir haben inzwischen zwei Sonntagsgottesdienste als Messfeier gestaltet. Die Rückmeldungen machen Mut, auf diesem Weg weiterzugehen.

 

Anmeldungen

Die Anmeldungen laufen problemlos. Im Pfarrbüro wird alles freundlich und kompetent aufgenommen. Frau Nowakowski ist beeindruckt von der Haltung, mit der sich die meisten zur Mitfeier anmelden. Sehr oft ist die Anmeldung verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass man bereit ist, zurückzustehen, wenn dadurch anderen eine Möglichkeit der Mitfeier eröffnet wird.

 

Am vergangenen Sonntag waren noch wenige Plätze frei – es lohnt sich also, sich anzumelden, so der Wunsch besteht, mitzufeiern. Wenn es zu viele sein sollten, gibt es ja hinreichend Bereitschaft, für andere zurückzustehen. Mich berührt die Haltung, die hinter dieser Bereitschaft steht.

 

Wir haben bisher niemanden wegschicken müssen, weil kein Platz mehr gewesen wäre. Es kamen bisher immer auch Menschen, die sich nicht angemeldet haben. Für diese haben wir bewusst Plätze mit einkalkuliert, um möglichst niemanden wegschicken zu müssen.

 

An den Messfeiern zu den Heiligenfesten in der Woche bedurfte es keiner Anmeldung. Wir haben gut im Raum verteilt Gottesdienst feiern können.

 

Gesänge

Die Gesänge haben in der Liturgie, wie wir sie in Maria Lyskirchen feiern, eine besondere Bedeutung. Die gründet nicht allein darin, dass wir ‚schön‘ singen. Der Gesang ist ein bedeutendes Instrument, um als den Gottesdienst zelebrierende Gemeinde gegenwärtig sein zu können. Es ist interessant wahrzunehmen, wie fein Unterscheidungen spürbar werden können, wann der Gesang Ausdruck der Zelebration der versammelten Gemeinde ist und wann nicht. Wir haben über die Gottesdienste seit Wiederöffnung erlebt, dass die vom Kantor an der Orgel vorgesungenen und von der Gemeinde mitgesummten Lieder aus dem Gotteslob den Charakter der Mitfeier nicht zu tragen vermögen. Ganz anders bei den mehrstimmigen Gesängen, bei denen der Kantor die Singstimme übernimmt, die Gemeinde in ihrer Mehrstimmigkeit summt. Es ist eine auffallende Erfahrung, dass hier die Mitwirkung der Versammlung ganz anders gegenwärtig ist. Da vermittelt das Mitsummen eine meditative Grundhaltung. Es wird nicht als notwendige Unterdrückung des Gesangs erlebt.

 

Probierhaltung

Man kann einwenden, dass dies übersehbare Kleinigkeiten seien. Wenn es keine andere Vorerfahrung gäbe als die der klassischen Bet-Sing-Messe, dann fiele dieser Unterschied vermutlich nicht so auf. Ich bin dankbar, dass er uns auffällt. Wir bleiben in der Probierhaltung, wie Gottesdienst unter den gegebenen Bedingungen als Gottesdienst der feiernden Gemeinde sich entfalten kann. Es bleibt die Einladung, dass die Mitfeiernden ihre Eindrücke rückmelden. Nur daraus können wir lernen und eine Form finden. Es ist immer wieder bedenkenswert, dass diese uns kostbare Lebendigkeit der Feier unserer Antwort auf Gottes Dienst an uns nichts anderes ist als die Feier der römisch-katholischen Liturgie. In ihrer Entfaltung bezeugt sie eine große Weisheit des geistlichen Lebens.

 

Rituale als Trägerin

der Kommunikation

 

(Heute und in folgenden Ausgaben des ‚Blättchens‘ und im Newsletter, werden einige Rituale der Messfeier in ihrer Bedeutung erläutert – und wie weit sie durch die Schutzbestimmungen beeinträchtigt werden könnten.)

 

Wiederholt habe ich darauf hingewiesen, wie sehr Rituale nicht nur mehr oder weniger gelungene Spielformen sind. Sie sind Trägersubstanz für das, was uns das Wesen der göttlichen und menschlichen Kommunikation in der Liturgie eröffnet.

 

Kirchen - Raum

Der Raum, in dem Gottesdienst gefeiert wird, ist nicht beliebig. Unsere Kirche ist neben der kunsthistorischen Besonderheit eines romanischen  Baus vor allem ein Raum, in dem unendlich viel Zeit-, Lebens- und Glaubensschicksal stattgefunden hat. Wenn wir heute darin Gottesdienst feiern dürfen, sind wir wie von selbst mit der ‚Wolke der Zeuginnen und Zeugen‘, der Wolke der Glaubenden vor unserer Zeit und mit uns, verbunden. Da ist es nicht nebensächlich, ob wir uns als Gemeinschaft wahrnehmen können oder vereinzelt sein müssen. Die Situation unserer Bestuhlung macht es möglich, dass wir uns nicht vereinzelt untergebracht sehen müssen. Das sagen auch Mitfeiernde – und sind dankbar, dass das Gemeinschaftsempfinden nicht zerstückelt worden ist. Unter dieser Bedingung lässt sich nach wie vor als Gemeinde Gottesdienst feiern.

 

Eröffnung

Es ist nicht bedeutungslos, ob die Feier mit einer längeren Stille beginnt oder nicht. Die Stille ist der Sammelpunkt der so unterschiedlich gestimmten Menschen, die sich als Zelebrantin des Gottesdienstes zusammenfinden. Huldigung an den, der uns zusammenführt, macht die Einzelnen zur sprachfähigen Gemeinschaft im Kyrie und im Lobpreis des Gloria. Das, was wir als ‚Tagesgebet‘ kennen, heißt in der Fachsprache der Liturgie ‚oratio collecta‘, das das Zusammenkommen der Gemeinde abschließende Gebet.

 

Weihrauchgabe

In Lyskirchen hat sich die Tradition entwickelt, zu Beginn der Feier die Gemeinde mit dem Duft des Weihrauchs zu umschreiten. Der Weihrauch ist Zeichen der Ehrung. Geehrt wird zunächst im Zeichen des Kreuzes der gegenwärtige auferstandene Herr. Dann – im Umschreiten der Gemeinde – auch die Gemeinschaft der Getauften, die – wie bei der Taufe ausdrücklich zugesprochen – Anteil haben an der Würde, Priester, Prophet und König zu sein. Dieses Ritual der Ehrung der Getauften konnte trotz der Einschränkungen beibehalten werden.

 

Wortgottesdienst

Die Versammlung der Feiernden ist nach der Eröffnung eingestimmt, sich auf das Wort Gottes einzulassen. Aufgrund der Überlieferung des Glaubens in den Offenbarungsschriften sind wir zum Glauben gekommen oder befinden wir uns auf einem Weg, dorthin kommen zu wollen. Der Antwortgesang mit den Psalmen verbindet uns mit der Gebetstradition der Juden, so auch mit der Gebetspraxis Jesu. Dieser Gesang heißt ‚Antwort‘, weil er die Antwort der Gemeinde auf das gehört Wort der ersten Lesung ist. Darum ist es nicht egal, ob jemand diesen Gesang vorsingt (was ab und an sehr angemessen sein kann), sondern dass die Gemeinde diese ihr zustehende Antwort einbringen kann. Auch hier ein Element, das unterstreicht, dass die Gemeinde nicht Zuschauerin einer Zelebration ist. In Zeiten, in denen die Gemeinde diesen Gesang nicht als Gesang antworten kann, müssen wir auf das Sprechen des Psalms zurückgreifen. Auch das unterstreicht die Bedeutung dieses Rituals.

 

Das Evangelium wird wegen seiner Jesus-Verkündigung als Höhepunkt der Wortverkündigung angesehen. Darum steht ihm ein besonderes Ritual zur Seite: zum einen im Ortswechsel vom Westen der Kirche in den Osten, zum anderen in der Prozession, die einen Lobpreis Gottes, das Halleluja (eine Wortzusammensetzung aus dem Hebräischen von ‚hillel‘ (preiset) ‚JWHW‘ (Gott)) singt. Verzichteten wir auf das Ritual der Prozession und auf den Halleluja-Gesang, verwischte sich die auch sinnlich vollziehbare Hinführung auf diesen Höhepunkt der Offenbarungsverkündigung. Die Corona-Pandemie mit ihren notwendigen Einschränkungen hat dieses Ritual nicht gefährdet.

 

(Über weitere Akzente
der Rituale im kommenden
Sonntags – ‚Blättchen‘.)

 

 

Erste Schritte

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (28.06.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Am vergangenen Sonntag haben wir den ersten Schritt getan, um sonntags wieder regelmäßig die Hl. Messe zu feiern. Manche – einschließlich der Pastor - sind mit einem angespannten Gefühl auf diesen Gottesdienst zugegangen. Wir versammelten uns seit dem 8. März erstmalig wieder zum Sonntagsgottesdienst. Wir mussten unsere Teilnahme anmelden. Wir mussten auf die Hygienevorschriften achten. Wir wussten nicht, wie wir uns als verstreut sitzende Gemeinde fühlten. Wir wussten nicht, wie das mit dem Singen/Summen gehen könnte. Wir wussten nicht, wie ein würdiger Empfang der Hl. Kommunion unter Wahrung der Schutzbestimmungen gehen sollte.

 

Nun haben wir es erlebt. Von denen, die sich dazu rückgemeldet haben, kam Dank, dass wir uns wieder so versammeln konnten, kam ein gutes Grundempfinden in der Balance zwischen Würde der Feier und Schutzvorschriften, kamen auch Ideen, was anders gestaltet werden könnte.

 

Äußere Bedingungen

Das mit der Anmeldung hat problemlos geklappt. Frau Nowakowski im Pfarrbüro freute sich über die Kontakte mit den Gemeindemitgliedern. Die Zahl der möglichen Mitfeiernden wurde bei der Anmeldung um eine überschritten. Diese Dame ließ sich – wie vorgesehen – auf die erste Stelle der Anmeldung für den dann kommenden Sonntag setzen. Die Pfarrsekretärin hat alles so gut in die Anmeldeliste gebracht und die ‚Willkommenseinlasser‘ waren so vorbereitet, dass das Ankommen in der Kirche reibungslos gehen konnte.

 

Auch die dezente Hilfe beim Aufsuchen noch freier Plätze ging gut. Wir hatten mehrere Stühle als ‚Paar-Stühle‘ aufgestellt, was sehr begrüßt wurde.

 

Wir haben für intensive Lüftung gesorgt – durch die offene Seitentüre und das gegenüberliegende Fenster in der Südseite. Zusätzlich waren die 4 Fenster der Obergaden geöffnet, dazu das Gebläse der Lüftungsanlage, die über das Heizungssystem zu bedienen ist.

 

Wir rechnen damit, dass auch zufällig Menschen kommen, die von der Notwendigkeit der Anmeldung nichts wissen. Für diese haben wir Notplätze zur Verfügung, so dass niemand von denen, die unangemeldet da waren, abgewiesen werden musste. Das ist beruhigend, denn es schmerzt nach wie vor der Gedanke, dass nicht alle, die mögen, selbstverständlich mitfeiern können.

 

Das Gemeinschaftserleben

Obwohl die Abstände zueinander zu halten sind, ist es durch die Aufstellung der Stühle möglich, dass die versammelte Gemeinde sich dennoch als eine Gemeinschaft empfindet. Bei starren Bankreihen ist das schwieriger, weil da die trennenden Lücken deutlich sichtbarer sind. Wir haben uns als feiernde Gemeinschaft wahrnehmen dürfen.

 

Das Summen der Lieder, während der Kantor mit Stimme singt, geht gut. Bei unseren mehrstimmigen Gesängen schafft das Summen sogar einen eigen meditativen Klangraum.

 

Der Kommunionempfang

Der Kommunionempfang muss weiterhin ohne die Kommunion unter beiderlei Gestalten gehen. Da abzusehen ist, dass wir die bisher vertraute Form des Trinkens aus einem Kelch nicht mehr (oder nicht mehr absehbar bald) wiederfinden werden, ist auch hier Kreativität erwünscht, wie es denn anders gehen könnte. Der Ritus des Kommunionempfangs unter den Gestalten von Brot und Wein ist wesentlich für diese Feier. Erste Ideen sind mir schon mitgeteilt worden. Im Augenblick scheint es mir sinnvoll, erst einmal die jetzt nötige Form der gesamten Feier zu praktizieren, bis es reif wird, sich über den Kommunionempfang unter beiderlei Gestalt des gegenwärtigen Christus zielführende Gedanken zu machen.

 

Im Tun lernen

Danke auch für die Hinweise, was in der neuen Form der Feier anders bedacht werde könnte:

 

· Das Einbeziehen derer, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können. Die stellvertretenden Wortgottesdienste begannen jeweils bewusst mit der Einbeziehung derer, die wegen der Umstände sich nicht mit versammeln konnten. Jetzt können wir zwar mit mehr Gemeindemitgliedern zusammenkommen. Aber nach wie vor können nicht alle mitfeiern, die mögen. Daher die Anregung, diese bewusst mit in die Feier zu integrieren.

 

· Den Psalm des Antwortgesangs mögen manche lieber im Wechsel beten – z.B. Nordseite und Südseite abwechselnd. Den Kehrvers singt der Kantor, während die Gemeinde ihn mitsummt.

 

· Das Vater-unser mitgesummt hat nicht alle überzeugt. Hier der Wunsch, es zu beten, solange das Singen uns nicht möglich ist. Auch die gegenteilige Vorstellung gibt es: Auf das Sprechen des Vater unsers wegen der Aerosole zu verzichten. Auch das Sprechen des Credo sei schon grenzwertig.

 

· Detailverliebt der Hinweis, dass die nötige Abdeckung der Hostien nicht mit einem überlappenden weißen Tuch geschehen möge. Ein Gemeindemitglied hat sich bereiterklärt, uns entsprechende Abdecktücher in der Größe der Hostienschale anzufertigen.

 

· Der Kantor ist – so schön er singt – zu nahe in der Gemeinde. Er wird von der oberen Altarstufe im gebührenden Abstand zur Gemeinde singen.

 

· Zu guter Letzt der Hinweis, beim Rückstellen der Stühle bitte bewusster auf den Abstand zueinander zu achten.

 

Wir sind in einer Probierphase. Daher sind diese Rückmeldungen (auch künftig) wichtig. Wir lernen auch durch das Praktizieren.

 

Selbstsorge

Es bleibt wichtig, für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen und zu wissen, ob Sie sich diese Versammlung zumuten. Grundsätzlich sind Ansammlungen von Menschen selbst unter Einhaltung der Schutzvorschriften nicht frei von der möglichen Gefährdung einer Ansteckung. Daher achten Sie bitte sehr auf Ihr eigenes Empfinden, ob die Teilnahme jetzt für Sie angemessen ist oder nicht.

 

Im Prozess bleiben

Wir sind seit dem 1. Mai, dem ersten möglichen Termin eines öffentlichen Gottesdienstes, sehr bewusst den Weg der Verantwortung der Gemeinde gegangen. Das wird auch immer wieder dankbar rückgemeldet, dass die Möglichkeit der Meinungsbildung und der Transparenz der Entwicklung gegeben war und weiter gegeben sein wird. Sobald die Umstände des erlauben, werden sich Interessierte auch in einer physischen Gemeindeversammlung zusammenfinden. Auch dazu muss die Zeit reif sein.

 

Danke allen, die diesen Weg mitgehen. Es geht ja um die gottesdienstliche Versammlung der Gemeinde. Und dazu ist es nötig, dass die Gemeinde mitgestalten kann – und es ja auch mag. Herzlichen Dank dafür!

 

Ihr Matthias Schnegg

 

Neuer Anfang

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (21.06.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

 An diesem Sonntag werden wir nach den Wochen des Verzichtes in unserer Kirche wieder gemeinsam Eucharistie feiern. Es bleibt unbefriedigend, dass nicht alle, die mögen, mitfeiern können, dass daher Anmeldungen zur Mitfeier nötig sind. Es widerspricht dem Wesen der gemeindlichen Gottesdienstfeier. Aber die Pandemie setzt Grenzen, die sich unserer Beeinflussbarkeit entziehen. Mir ist wichtig, nie aus dem Auge zu verlieren, dass diese (nötigen) Einschränkung nicht nur ein logistisches Problem aufrufen, sondern auch ein theologisches – im Verständnis dessen, was Gemeinde und was gemeindliche Messfeier angeht.

 

Zurück zum Alten?

Es mag so aussehen, dass wir uns unter die Einschränkungen beugen, weil wir dann doch möglichst schnell wieder zum Alten zurückkehren wollten. Dass wir eine Chance vertun, die sich uns in dieser Krise öffnen könnte. Der Wunsch, möglichst Vertrautes auch zur Stabilisierung des sowieso schon in Unordnung gebrachten Alltags zurückgewinnen zu können, ist wohl sehr menschlich. Es wird eine Unterscheidung geben, wie die Rückkehr in Vertrautes von statten geht. Und das Vertraute wird schon allein durch die Zeit des Verzichtes anders wahrgenommen werden – zumindest in der Zeit der Wiederaufnahme.

 

Es bleibt auch die Bitte, dass wir weiterhin die Gabe des Hl. Geistes erbitten, um zu erkennen, was uns u.a. auch für die Feier der Gegenwart des auferweckten Herrn inmitten der Gemeinde gesagt werden soll. Da wird es weiterhin unterschiedliche Antworten geben. Wir werden weiterhin mit unterschiedlichen theologischen Richtungen leben. Gut, wenn wir uns in der Unterschiedlichkeit auf einem Weg wissen, der das eine Ziel hat.

 

Kostbarkeiten

Vielen aus unserer Gemeinde hat nach einigen Wochen die Gemeinschaft der Glaubenden gefehlt. Die ersten Wochen waren gut aushaltbar, dann kam vermehrt Unruhe auf, wie die Verbindung zueinander aufrecht erhalten bliebe. Damit war nicht einmal das soziale Wissen umeinander gemeint. Da haben sich erstaunlich lebendige Netzwerke ergeben, in denen Menschen der Gemeinde miteinander Kontakt gesucht haben und in Kontakt geblieben sind. Unter der vermissten Verbindung war auch das gemeinsame Beten gemeint, auch die Vergewisserung, als Glaubende nicht alleine zu sein. Und geistliche Nahrung im Austausch und in der Auslegung der Hl. Schrift wurden zunehmend vermisst. Für viele stand dabei noch nicht einmal die Eucharistie im Vordergrund. Daher fand wohl auch die Übergangszeit mit den gemeinsamen Wortgottesdienst-Feiern einen so lebendigen Zuspruch.

 

Diese Feierform haben wir als eigenständige, aus der Mitte der Gemeinde zu leitenden und zu feiernden Gottesdienste entdecken dürfen. Die Wortgottesdienste werden an den Freitagen weiter unsere Gottesdienstzusammenkunft sein.

 

Wenn wir die Messfeier wieder miteinander begehen, werden wir um so mehr spüren, wie kostbar auch diese Feier und dieses Sakrament uns sind. Alles, was so selbstverständlich jeden Sonntag zur Verfügung stand, bekommt nach der langen Zeit des Verzichtes einen anderen Stellenwert der Kostbarkeit.

 

Probierhaltung

Die Form des Wortgottesdienstes hat sich in gewisser Weise gefestigt. Sie ist aber offen für andere, freiere Elemente des gemeinsamen Gottesdienstes. Auch hier darf versucht werden – nicht um des Experimentes willen, sondern um der Eröffnung eines geweiteten gemeinsamen geistlichen Feierns willen.

 

Wir werden auch eine unter den Einschränkungen zu feiernde Liturgie der hl. Messe gestalten. Auch da ist es ratsam, offen zu bleiben für die Entwicklung dieser Form. Denn es bleibt das Ziel, mit den Einschränkungen die Ausdruckskraft der Rituale möglichst wenig zu beschneiden. Der Ritus ist schließlich Träger des göttlichen Geheimnisses, das oft unaussprechlich bleibt. Daher die Ermutigung, die eigenen Wahrnehmungen mitzuteilen, auf dass sich – wie in den Jahren vorher ja auch – mehr und mehr entwickle, was ‚des Geistes‘ sein kann.

 

Ihr Matthias Schnegg

Probierhaltung

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (14.06.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Anpassung

 

Die Situation, in die wir durch die Pandemie geschickt sind, erfordert unsere Anpassung, denn wir möchten gerne in dieser Zeit, mit ihren Grenzen und Anforderungen und Chancen leben. Das gilt gesellschaftlich. Das gilt auch spirituell, ebenso im Blick auf unsere Gottesdienstpraxis. Dabei scheint es mir wichtig, die Anpassung nicht in der schnellen Rückgewinnung des Alten zu suchen, sondern in der Abwägung zwischen den uns auferlegten Tatsachen und der Wachsamkeit für das, was neu werden kann, vielleicht sogar soll. Es bleibt die Offenheit notwendig, um zu erfassen, was des Geistes ist.

 

Wahrung des Wesens

 

Die durch die Schutzvorschriften uns auferlegten Beschränkungen berühren meines Erachtens in Teilen haarscharf die Grenze zur Verletzung des Wesens dessen, was wir z.B. in der hl. Messe miteinander feiern. Das berührt das Gemeindeverständnis, das niemanden von der gemeinschaftlichen Feier ausschließen darf. Das berührt das Eucharistieverständnis, das die Gegenwart des Herrn in der versammelten Gemeinde zuspricht, die die Zelebrantin des Vollzuges ist. Es ist keine solistisch - priesterliche Handlung, bei der der Versammlung eine zweitrangige Bedeutung zukommt. Wir werden bemüht sein, eine Form zu finden, in der trotz aller Einschränkungen das Wesentliche weiter zum Ausdruck kommt.

 

Anstand durch Abstand

 

Das Abstandhalten erfahren vermutlich auch andere als zunehmend bedrückend, weil wir Menschen eigentlich nicht auf Abstand hin leben mögen. Jetzt gebietet der Respekt vor der Gesundheit der Einzelnen, dass wir gebührend Abstand halten. Der kleine Raum der Kirche und die Flexibilität der Stühle ermöglichen uns, uns nicht nur vereinzelt erfahren zu müssen. Dennoch macht die Begrenzung der zugelassenen Mitfeiernden bleibend Beklemmung.

 

Singen und summen

 

Bei den Gesängen helfen wir uns, indem der Kantor die Singstimme übernimmt, während die Gemeinde die Melodien mit summt. So bindet sich die Gemeinde zusammen und nimmt die gesummten Gesänge als Ausdruck der wesentlichen Teilnahme am Geschehen der Liturgie. Das ist auf Dauer kein überzeugender Ersatz. Im Moment ist Zeit der Anpassung an die Möglichkeiten.

 

Kommunionempfang

 

Es gehört schon zum Wesen des eucharistischen Mahles, dass unter den beiden Gestalten der Gegenwart des auferweckten Herrn, in der Gestalt des Brotes und des Weines, die Hl. Kommunion empfangen wird. Zurzeit müssen wir auf dieses wesentliche Zeichen des gemeinsamen Kelches verzichten. Das ist nicht nur eine Zurücknahme eines Zeichens, sondern berührt den Kern dessen, was wir feiern.

 

Anpassung und Chance

 

Wir nehmen diese Einschränkungen hin. Wir hätten sonst nur die Wahl, auf jedweden gemeinschaftlichen Gottesdienst zu verzichten. Manche wünschten sich das, um die Chance der Neuerung, die der Geist uns mitteilen mag, nicht verstreichen zu lassen. Andere litten darunter, dass es das gemeinschaftliche geistliche Handeln nicht gab und sie baten, wieder eine Form aufleben zu lassen, in der dieses Gemeinschaftliche des geistlichen Lebens ermöglicht wird. In diesem Stadium befinden wir uns.

 

Am vergangenen Sonntag waren wir über 50 Personen. Die große Zahl bezeugt auch, wie groß der Wunsch ist, Gottesdienste miteinander zu feiern. Während der Feier ist etwas von der Freude an diesem Wiederfinden zu spüren.

 

Wortgottesdienste

 

Wir haben bisher diese Gottesdienste als Wortgottesdienste unter der Leitung von Gemeindemitgliedern gefeiert. Das ist eine kostbare Erfahrung, die wir auch dann nicht aufgeben sollten, wenn wir ab kommenden Sonntag wieder Eucharistie feiern werden. Wie wir diesen Schatz der Realpräsenz Christi im Wort und in der um das Wort versammelten Gemeinde bewahren, wird sich weiter entwickeln. Ich sehe darin eine Frucht der Erkenntnisse nach der Zeit des Gottesdienstverzichtes.

 

Rituale sind Öffnung zum Göttliche

 

Die Rituale sind nicht nur eingeübte Formen einer Tradition. Sie tragen das Wesen dessen, was nur begrenzt erklärbar ist. Mit Ritualen verbinden wir auch unsere Welt mit der Welt jenseits von Raum und Zeit. Darum ist es nicht egal, wenn das Ausspielen der Rituale beschnitten wird. Wir haben im Laufe der Jahre in Lyskirchen mehr und mehr die Tiefe der Rituale der römisch-katholischen Messfeier begreifen und gestalten können, die uns den Sinn der Rituale mehr und mehr begreifen ließen. Sie haben den Durchgang zur göttlichen Gegenwart erweitert. Darum bleibt es unsere Aufgabe, sorgsam zu prüfen, was dem Ritual an Einschränkungen zuzumuten ist. Wir werden es im Probieren der Praxis unserer Gottesdienstformen merken. Danke allen, die sich auf diesen Prozess der Anpassung einlassen mögen; danke auch allen, die durch ihre Zurückhaltung sich und unsere Gemeinde wachhalten für das, was der Geist uns durch diese Krise sagen will.

 

Ihr Matthias Schnegg

 

Wiederverbindung

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (07.06.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Erste Erfahrungen

 

Mit den beiden vergangenen Sonntagen haben wir die Wiederverbindung mit unserer gemeinschaftlichen Gottesdienstfeier aufgenommen. Am vergangenen Sonntag haben wir Pfingsten gefeiert. Wie einige der 40 Mitfeiernden sagten: Es war eine wirkliche Feier – anders als aus den Jahren vorher vertraut, aber eine wirkliche Feier - in anderer Form. Manche haben in der Dürrezeit des Verzichtes auf die Gottesdienste gesagt, dass sie über die Jahre sehr viele Eindrücke in sich aufgenommen haben. Die haben geholfen, z.B. auch die große Zeit der Kar- und Ostertage geistlich gut durchzutragen. Manche werden an Pfingsten sich erinnert haben, wie mit diesem Fest ein feierlicher Schussakkord zu den 50 Tagen intensiven Osterfeierns gesetzt wurde – mit Musik, mit Tanz, mit dem Zeichen der Salbung. In diesem Jahr waren wir reduziert, aber nicht ohne. Die Musik mit der Orgel, mit dem Sologesang und der Stimmführung der Lieder durch unseren Kantor, während die Gemeinde die Gesänge – teils wieder mehrstimmig – mitgesummt hat. Es ist eine andere Zeit, die Formen erspüren lässt, in denen neben der Leerstelle auch Oasen der Vergewisserung der Fülle geschenkt sind.

 

Keine Ersatzform

 

Es sind keine Ersatzformen für das Eigentliche. Es sind andere Formen – neben der Form der Eucharistiefeier. Es ist wohltuend zu erleben, wie ein Wortgottesdienst eine festliche Feierform sein kann. Es ist wohltuend, dass Gemeindemitglieder diese Gottesdienste leiten können und es mit großem Respekt und fühlbarer Freude bewerkstelligen.

 

Weiterentwicklung

 

In der Zeit des Verzichtes haben wir uns vergewissern dürfen, dass die Gegenwart des auferweckten Herrn nach kath. Lehre nicht nur in der Eucharistie, sondern auch im Wort der Offenbarung uns zugesprochen ist. Wenn die Krise nicht nur überbrückt werden will, um möglichst schnell zum Altvertrauten zurückzukehren, sondern als Weiterentwicklung wahrgenommen sein kann, dann ist die Entdeckung des Wortgottesdienstes ein bewahrenswertes Gut. Sie ist Ort der Realpräsenz Christi im Offenbarungswort der Hl. Schrift. Und was zudem als Weiterentwicklung naheliegt: Die Mitverantwortung der Gemeindemitglieder an der Leitung von Gottesdienstfeiern, zu denen kein Priester nötig ist. Mitverantwortung ist nicht herausgerufene Mahnung (‚Die Getauften und Gefirmten müssen nun...‘), sondern Freude, diese Aufgabe mitverantworten zu können.

 

Realpräsenz im Wort der Offenbarung

 

Es ist denkbar, dass wir den Gottesdienst an den Freitagabenden zukünftig als Wortgottesdienste unter der Leitung von Gemeindemitgliedern fortführen. Freitags ist anschließend für Interessierte das Bibelgespräch. So wird der Freitag zu einem betont der Realpräsenz im Offenbarungswort gewidmet sein können.

 

Zuversicht

 

Mir ist bewusst, dass diese sich anbahnenden Weiterentwicklungen auch eine Herausforderung an unsere gewohnte Praxis sind. Aus unserer Erziehung war bisher geläufig, dass die Messfeier die einzige Form der Feier der Gegenwart Christi sei. Die Corona-Krise eröffnet die Chance neuer Perspektiven. Sie lässt uns versuchen, wie es angemessen gehen kann. Der Geist wird uns da treuer Wegbegleiter bleiben. Wir schauen nun auf über 3 Monate Krisenmodus zurück. Wir erinnern uns an den verordneten Stillstand, der aber von Anfang an keiner war. Selbst da, wo Stille und Nichtwissen waren, waren diese ‚Leerstellen‘ Räume, aus denen etwas wachsen konnte und weiterwachsen kann. Dazu brauchen wir Geduld und eine gute Portion Vertrauen in das lebendige Wirken des Geistes. Er wirkt.

 

Eucharistiefeier

 

Mit dem 21. Juni werden wir den Versuch aufnehmen, mit der Zahl von 45 Gemeindemitgliedern die Eucharistie zu feiern. Wir werden auch durch diese Praxis lernen, was der Würde des Vollzuges und den Schutzvorschriften gerecht werden kann. Danke für die mitgehende Geduld, danke für die Mitwirkung. Mir ist beides eine sehr mittragende Erfahrung, um mit unserer Gemeinde die Herausforderung und Einladung der Krise anzunehmen.

 

Ihr Matthias Schnegg

Stillstand? – wohl nicht ...

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (31.05.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Im Sonntagsblättchen vom vergangenen Sonntag habe ich um ein Stimmungsbild zur Weiterentwicklung der Gottesdienste hier in St. Maria Lyskirchen gebeten. Von Herzen Dank, dass so viele sich telefonisch oder per Mail zurückgemeldet haben. Mir ist das ein Zeichen der liebevollen Verbundenheit mit unserer Kirche und ein Zeichen der wachen Mitverantwortung. Das freut mich sehr. Danke für dieses Vertrauen in unseren gemeinsamen Weg.

 

Kompromisse im Lernfeld der Weiterentwicklung

 

Es ist klar, dass wir mit Kompromissen leben müssen, auch leben wollen. Wollten wir das nicht, wären wir im Stillstand.  Ich bin überzeugt, dass wir in diesem Prozess der Suche nach einer Weiterentwicklung unserer Gottesdienstpraxis vom Hl. Geist begleitet werden. Wir werden auch hier ausprobieren müssen, was ‚des Geistes‘ sein wird. Danke auch für die Bereitschaft, diesen Weg der Annäherung an die neuen Formen mitzugehen.

 

Im Folgenden fasse ich zusammen, was zurückgemeldet wurde und versuche, daraus einen ersten Wegweiser für die nahe Zukunft zu benennen.

 

Grundlegende Aspekte – mehrheitlich geäußert

 

Hier zeigt sich eine Spannbreite von der Bereitschaft, die Leerstelle weiter aushalten zu wollen bis zum Wunsch, sehr bald wieder Eucharistie feiern zu können.

 

  • Es gibt Stimmen, die zu Geduld, Gelassenheit und Ruhe ermutigem, sich nicht unter Druck zu setzen, eine weitere Reifung zuzulassen.

 

  • Die Leerstelle sei gut aushaltbar. Vielleicht verpassen wir eine Chance zur grundlegenden Neubesinnung?

 

  • Die Gottesbeziehung hat unter der Dürre nicht gelitten, eher sich intensiviert.

 

  • Es haben sich eigene Formen des Gottesdienstes in Hausgemeinschaft ergeben, die als Bereicherung nicht aufgegeben sein mögen. Dabei bleibt eine Vorfreude, wenn in Lyskirchen mit weniger Risiko wieder Gottesdienste gemeinsam gefeiert werde können.

 

  • Vermisst wird die sich begegnende Gemeinde, die sich u.a. im gemeinsamen Feiern und in der Eucharistie manifestiert.

 

  • Mehrere schreiben, dass das geistliche Begegnen im Augenblick wichtiger ist als die Eucharistiefeier, solange die Umstände einen würdigen Vollzug beeinträchtigen.

 

  • Kleriker zentrierte Gottesdienste sind keine Alternative.

 

  • Solange Wortgottesdienste der Ersatz sind, möge an den Sonntagen ein Wort der Schriftauslegung (eine Predigt) mit dabei sein.

 

Anmeldung

 

  • Den meisten ist es unter den nun mal gegebenen Umständen kein Hindernis, sich zur Messfeier anzumelden. ‚Alle wissen, warum das nötig ist.‘

 

  • Wenige möchten sie an einer Anmeldepflicht grundsätzlich nicht beteiligen.

 

  • Einige schrieben, dass sie bereit sind, wieder zu gehen, wenn dafür andere einen Platz bekommen können.

 

Zusätzliche Messfeier am Sonntagmittag

 

  • Die sich dazu geäußert haben, halten es grundsätzlich für möglich, sofern sich ein Bedarf abzeichnet.

 

  • Mehrere wiesen darauf hin, dass der Pastor ja auch zur Risikogruppe gehöre und daher sich nicht zusätzlich belasten solle.

 

Formen der Zusammensetzung

 

  • Es gibt Vorschläge, sich in feste Gruppen zusammenzuschließen, die mal (1.2.3.4. Sonntag im Monat) kommen – z.B. sich für einen Sonntag im Monat zuzuordnen.

 

Gesänge

 

  • In den ersten offenen Wortgottesdiensten hat sich als praktikabel erwiesen, dass der Kantor mit Stimme singt und alle anderen summen.

 

  • Die Zusammenstellung einer Schola wird vorgeschlagen.

 

Andere Gottesdienstformen

 

  • Angeregt wird, zu anderen Formen von Gottesdienstfeiern (z.B. betont meditative) als Ergänzung einzuladen. Diese Gottesdienste werden – wie jetzt auch die stellvertretenden Gottesdienste - durch Gemeindemitglieder gestaltet und geleitet. (Auch im Blick auf die Zukunft.)

 

  • Die Erfahrung der Realpräsenz Christi auch im Wort der Hl. Schrift möge auch dann bewahrt und gefeiert werden, selbst wenn wieder Eucharistie gefeiert werden kann. Vorschlag, an den Samstagabenden einen Wortgottesdienst in der Gestaltung durch Gemeindemitglieder zu halten.

 

  • Wahrung und Stärkung der guten Erfahrungen der Hausgottesdienste, wenn auch der Gemeindegottesdienst wieder möglich ist.

 

Übertragung in den Hof

 

  • Nur 3 Rückmeldungen haben kein Problem mit einer audiovisuellen Übertragung auf den Hof – falls das Wetter passte.

 

  • Die Mehrzahl möchte diese Form ausgesprochen nicht.

 

Ortswechsel

 

  • Vorschlag, Gottesdienste im Freien zu halten.

 

  • Ausweichen nach St. Maria im Kapitol.

 

Gemeindeversammlung

 

  • Es wäre schon gut, wenn es in absehbarer Zukunft eine physische Gemeindeversammlung gäbe. Es ist an alternative Räumlichkeiten gedacht – z.B. Pfarrsaal von Maria im Kapitol.

 

 

Praktische Lösungsansätze Wortgottesdienst

 

Wir feiern an Pfingsten und die beiden folgenden Sonntage noch einen Wortgottesdienst. Dann haben wir ein wenig Erfahrung, wie sich die Zahl der Mitfeiernden ergibt. Wir finden auch eine Sicherheit in der Praxis der nötigen Schutzvorschriften.

 

Für einen regelmäßigen Wortgottesdienst am Samstag (ob jeden Samstag oder z.B. einmal im Monat, müsste abgestimmt werden) müssten sich Frauen und Männer finden, die diesen Gottesdienst verantworten möchten.

 

Messfeier

 

Mit dem 21. Juni versuchen wir, diesen Sonntagsgottesdienst als Eucharistie zu feiern. Auch da werden wir Erfahrungen sammeln. Zu diesem Gottesdienst sind leider Anmeldungen im Pfarrbüro erforderlich.

 

Ein kritischer Punkt ist die Austeilung der Hl. Kommunion. Die Kelchkommunion muss schweren Herzens entfallen. Angedacht ist, dass die Kommunionspender sich vor der Austeilung die Hände desinfizieren, dass der Vorsteher für alle spricht: ‚Der Leib Christi‘ und dass alle antworten mit ‚Amen‘. Dann gehen die Kommunionspender zu den Mitfeiernden. Wer nicht die hl. Kommunion empfangen will, setzt sich. Hier ist ein Punkt, an dem sich die Würde der Hl. Kommunion und die Hygienevorschriften nur mühsam in Einklang bringen lassen.

 

Anmeldeverfahren

 

Sie können sich ab Montag (erstmals dann ab 15. Juni) jeweils für den dann folgenden Sonntag im Pfarrbüro anmelden – per e-Mail (pfarrbuero@lyskirchen.de) oder per Telefon 0221/214615. Bitte melden Sie sich zu den Bürozeiten an: Mo-Mi u. Fr jeweils 9-12 Uhr, Do 15-18 Uhr. Anmeldeschluss ist freitags 10 Uhr. Wenn die mögliche Zahl erreicht ist, und Sie nicht mehr mitfeiern können, kommen Sie – so Sie mögen – auf die Liste des dann folgenden Sonntags an die oberste Stelle.

 

Wir erproben dieses Verfahren. Vielleicht wird es gar nicht nötig sein, wenn nicht mehr als 45 Personen unter den jetzt gegebenen Umständen kommen mögen.

 

Gute Abwägung

In allen Überlegungen: Es bleibt die Eigenverantwortung und das genaue Bedenken, ob es für jede/jeden jetzt dran ist, wieder zum gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche zusammenzukommen.

 

Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Geist uns auf diesem unvertrauten Weg der Weiterentwicklung begleiten wird. 

Stillstand? – oder wie es weiter gehen könnte…

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (24.05.2020)

Verlust der ‚Normalität‘

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Die ‚Normalität‘, die wir ‚früher‘ so selbstverständlich zu haben glaubten, ist absehbar nicht zu erwarten. Es bleibt die Frage, ob die Wiedergewinnung der alte ‚Normalität‘ erstrebenswert ist. Auf der anderen Seite scheint es im Menschen angelegt zu sein, möglichst schnell wieder im Gewohnten, im Vertrauten sich wiederzufinden. Das schafft verständlich mehr Sicherheit.

Verlust der ‚Normalität‘ unserer Messfeiern

Auch für unsere gemeinsamen Messfeiern wird es absehbar keine ‚Normalität‘ geben. Das liegt an den notwendigen und sinnvollen Schutzbestimmungen zur Vermeidung weiterer Verbreitung der Pandemie. Was ist das Gebot der Stunde für unsere Gottesdienstpraxis angesichts dieser Wirklichkeit?

Vielfältige Erfahrungen

Ich kann wiedergeben, was ich in Gesprächen mitgeteilt bekommen habe:

 

  • Jemand berichtet, dass die Kraft, ohne die Gemeinschaft ein religiöses Leben zu führen, spürbar nachlässt. Das ist keine Laxheit, das schleicht sich ‚einfach so‘ ein. Ein Sonntag wird zu einem Tag wie jeder andere. Die Beschäftigung mit der religiösen Sinndeutung wird schwächer. Das ist nicht nur ein Ruf nach gewohnter Gemeinschaft. Es fehlt die Glaubensgemeinschaft, die den eigenen Glauben im Alltag belebt und mitträgt. Wenn weiter nichts Gemeinschaftliches an gefeiertem Glaube kommt, wird diese Dürre ein Ausdörren des geistlichen Lebens zur Folge haben.

 

  • Jemand anderer sagt, dass eine Messfeier mit notwendiger Anmeldung so seinem Verständnis von Messfeier widerspricht, dass er dann lieber nicht kommt.

 

  • Andere heißen unseren epidemiologisch und theologisch begründeten Weg der Zurückhaltung in der Wiederaufnahme der Gottesdienste für sehr begründet - und sind doch froh, dass sie in anderen Gemeinden am Gottesdienst teilnehmen können.

 

  • Wieder andere ermutigen, auch eine noch lange andauernde Leerstelle auszuhalten, weil wir es dem Wesen von Gemeinde und von der Messfeier schuldig sind – und dass diese Leerstelle ja wirklich eine Chance biete, Neues (durch den Hl. Geist?) für unsere Glaubensreifung entdecken zu dürfen.

 

  • Und wieder andere teilen mit, dass es für die Zukunft der Menschheit und auch für die Rolle der Kirche und ihrer Botschaft dafür um mehr geht als die Frage nach der schnellen Wiederaufnahme der Messfeiern.

 

Das Dilemma der Abwägung

Diese verschiedenen Aspekte locken in mir keine Bewertung, was grundlegend falsch oder richtig ist. Sie sind Spiegel einer vermutlich sehr differenzierten Stimmungslage. Das macht es aber auch so schwer, eine Linie für unsere Gemeinde zu finden. Ich weiß, dass wir nichts finden können, was allen und allem gerecht wird – sowohl den Menschen wie dem Wesensverständnis von Gemeinde und Eucharistie nicht.

Ein Stimmungsbild erbeten

Ich bitte Sie um Rückmeldung, damit ein Stimmungsbild aus unserer Gemeinde zustande kommen kann. Eine einmal angedachte Gemeindeversammlung ist unrealistisch, weil die Schutzvorschriften einen großen Raum braucht und unsere Kirche (nach jüngster Erfahrung des Bibelgespräches) akustisch nicht geeignet ist.

 

Daher bitte ich um Ihre Gedanken zu den folgenden Punkten, die meines Erachtens zu erwägen sind:

 

1. Wir halten die Zeit weiter ohne Messfeier durch. Die bisherigen stellvertretenden Wortgottesdienste werden geöffnet für alle, damit die geistliche Gemeinschaft sich nähren kann.

 

Dieses Angebot geht davon aus, dass nicht mehr als 45 Personen daran teilnehmen wollten. So viele passen im Rahmen der Schutzmaßnahmen in unsere Kirche.

 

2. Wir feiern mit 45 Personen die Hl. Messe. Wir wissen aber nicht, wie viele kommen wollten. Schicken wir die/den 46. weg? Das widerspricht grundlegend unserem Verständnis von Gottesdienstgemeinde. (Es kamen aber sonntags zwischen 100 und 120 Menschen.) Wie wird sich das regulieren?

 

3. Wir könnten wissen, wie viele kommen, wenn wir vorher Anmeldungen erbitten. Nähmen Sie das in Kauf? Jedes Mal neu?

 

4. Wenn 45 Personen sich angemeldet haben, wird die 46. auf der Liste des kommenden Sonntags an oberer Stelle aufgeführt?

 

5. Wir feiern mit 45 Personen in der Kirche die hl. Messe, ab dem 46. nehmen im Hof über Audio-/ Videoübertragung (?) daran teil?

 

6. Wenn die Anmeldungen zeigten, dass es mehr als 45 Mitfeiernde werden, wäre dann ein Angebot einer zweiten Sonntagsmesse (12 Uhr z.B.) eine Hilfe? Das müsste bei den Anmeldungen berücksichtigt werden. Diese zusätzliche Messfeier wäre nur, wenn sich der Bedarf abzeichnet?

Unser Weg der nahen Zukunft?

Bei jeder der Lösungen bleibt etwas auf der Strecke, was uns vom Wesen kostbar ist: vom Wesen der Gemeinde, die niemanden ausschließt, vom Wesen der Eucharistie – mit all dem Aufwand. Es ist tragisch, dass wir überhaupt solche organisatorischen Fragen stellen müssen. Die Wirklichkeit der Pandemie ist tragisch – so auch die Auswirkungen.

 

Ich bin mir bewusst, dass nicht alle sehr berechtigten Aspekte berücksichtigt werden können. Wir müssen auf alle Fälle mit dem Verlust einer liebgewordenen ‚Normalität‘ umgehen.

 

Bis wir die Einsicht gewonnen haben, dass wir unter welchen Bedingungen wieder zusammen Messe feiern können, sind die Wortgottesdienste zu den üblichen Gottesdienstzeiten für alle offen – in der Vermutung, dass nicht mehr als 45 Mitfeiernde zu diesen Gottesdiensten kommen.

Wortgottesdienste

Diese Gottesdienste werden vorerst als Wortgottesdienste gefeiert, die bewusst von Mitgliedern der Gemeinde vorbereitet und geleitet werden. Wer Interesse hat, einen solchen Gottesdienst mit zu verantworten, kann sich sehr gerne bei mir melden.

Gestaltung einer Messfeier

Unter den gegebenen Umständen können wir die Liturgie nicht ‚wie früher‘ feiern – was z.B. die Gesänge und die Kommunion unter den Gestalten von Brot und Wein angeht. Da werden uns kreative Ideen kommen.

Wache Flexibilität

Die Pandemie hat uns auch erkennen lassen, dass wir uns ab und an auf schnelle Wechsel der Erkenntnisse einlassen müssen. Das gilt auch für unseren Weg, eine eigene Praxis neu zu finden. Ich bitte um und danke für mitgehende Geduld – und vielleicht auch spannende Neugierde, was sich entfalten wird. Alles, was wir bisher getragen haben, wird nicht ohne Mitwirkung des Geistes geschehen.

Bitte um Rückmeldung

Ich bin Ihnen dankbar für ein Stimmungsbild, das vielleicht helfen kann, einen akzeptablen Weg zu finden: schnegg@lyskirchen.de oder 0221 2570564. 

 

Zur nahen Zukunft in St. Maria Lyskirchen

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (17.05.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

An vielen Orten sind Gottesdienste unter Auflagen wieder möglich gemacht. In Maria Lyskirchen noch nicht. Das ist nicht als Starrsinn und Arroganz zu verstehen, der beim Alten in der Art ‚Lyskirchen‘ verharren will. Ganz im Gegenteil: Es geht darum, eben nicht so schnell wie möglich wieder das Bekannte, wenn auch unter Einschränkungen, in Gang zu bringen. Es geht darum, die Chance aufzunehmen, dass der Geist uns Hilfe zur Weisung gibt. Aus meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Geist geht das nicht unbedingt auf Knopfdruck und binnen 2 Monaten. Der Geist spricht natürlich nicht selbstverständlich aus dem Pfarrer. Manchmal auch aus ihm, aber vor allem aus der Gemeinde. Das ist eine Erfahrung, die in Lyskirchen über die Jahre gemacht wurde. Daher ist es wichtig, im Austausch zu sein, was der richtige Weg sein kann. Vielleicht ist absehbar eine Gemeindeversammlung angezeigt, so das unter den gegebenen Schutzanordnungen – z.B. in der Kirche - sinnvoll durchführbar ist. Rückmeldungen sind daher sehr erwünscht: schnegg@lyskirchen.de und 0221 2570564.

Gesänge in der Liturgie

(Fortsetzung)

Selbst wenn im Moment in St. Maria Lyskirchen noch keine gemeinsame Messfeier stattfindet, selbst wenn derzeit der Gesang in liturgischen Feiern verboten ist, ist die inhaltliche Beschäftigung mit der Bedeutung des Gesangs nicht untersagt. Die folgenden Ausführungen möchten das Verständnis stärken für die Bedeutung des Gesangs in der gemeinsamen Gottesdienstfeier.

Messfeier und Gesänge

Natürlich ist klar, dass es eine Messfeier ohne Gesänge geben kann. Klar ist auch, dass die Messfeier ein heiliges Geschehen und ein Wert in sich ist. Meine Ausführungen zum Gesang möchten am Beispiel der über Jahre gehenden Entwicklung in Maria Lyskirchen in den Blick bringen, dass die Musik und vor allem der Gesang nicht nur ein schmückendes Accessoire ist, auf das man leicht verzichten kann. Wenn von Lyskirchen die Rede ist, geht es um eine Erfahrung, die exemplarisch mitgeteilt sein will – überwiegend für Menschen, denen Maria Lyskirchen ein Ort der eigenen Glaubenspraxis geworden ist.

 

  • Wie immer gilt auch hier: Man kann da ganz anderer Meinung sein.

 

Ich nutze diese Zeit, um einige Gedanken zur Bedeutung des Gesangs im Vollzug der Liturgie zu beschreiben.

 

Nachdem im ‚Blättchen‘ des vergangenen Sonntags die Bedeutung des Gesangs zur Eröffnung der Messfeier betrachtet wurde, geht es heute um die Gesänge im Wortgottesdienst.

Gesänge im Wortgottesdienst

Auch im Wortgottesdienst der Messfeier spielt der Gesang eine tragende Rolle. Nach der 1. Lesung singt die Gemeinde im Wechsel mit dem Kantor einen Abschnitt aus der alten Liedersammlung der Psalmen – als Gesang der Gemeinde, die damit auf das gehörte Wort der Lesung antwortet. Daher heißt dieser Teil der Messfeier Antwortgesang. Die Ordnung der Liturgie sieht aus gutem Grund Psalmen als Antwort vor, nicht irgendein Kirchenlied.

 

Nach der 2. Lesung wird das Halleluja angestimmt. Es ist der Gesang, der auf die Verkündigung des Evangeliums zugeht. In der Entwicklung der Liturgie in unserer Gemeinde war eine Anregung eines Mitfeiernden, dass die Verkündigung des Evangeliums einer Unterscheidung bedarf zu den beiden vorherigen Lesungen. So entstand die Idee, die Lesungen im Westen der Kirche vorzutragen und das Evangelienbuch in einer Prozession zum Ambo im Osten zu führen. Da wird das Halleluja zu einem Prozessionsgesang, an dessen Ende die Verkündigung des Evangeliums steht. So bekommt das Halleluja im Vollzug der Liturgie eine gewichtig wahrzunehmende Rolle. Der Gesang der Gemeinde begleitet und trägt diese Hinführung und lässt so das Evangelium zur Spitze der Wortverkündigung werden. Was da verkündet wird, steht somit in einer von der Gemeinde mit begleiteten, besonderen Aufmerksamkeit. Es ist eine mit Dank und Freude begleitete Wachsamkeit im Gesang des Hallelujas.

Das allgemeine Gebet – die Fürbitten

Bevor die Messfeier den Wortgottesdienst beendet, wird der Raum geöffnet, um die Gebetsanliegen der Gemeinde vor Gott zu tragen. Da hier keine vom Vorsteher vorgetragenen Gebete aus dem Messbuch (‚Präsidialgebete‘ genannt) gesprochen werden, heißen die Fürbitten ‚das allgemeine Gebet.‘ Alles, was vor allem aus der versammelten Gemeinde an gerade anstehenden Gebetsanliegen vorgetragen wird, hat hier seinen Platz. Ab und an halten wir die ‚freien Fürbitten‘. Da wird der Charakter des allgemeinen, offenen Gebetes der Versammelten besonders erkennbar.

 

In der Regel werden die Bitten zum allgemeinen Gebet verwendet, die im Laufe einer Woche in unser Fürbittbuch geschrieben worden sind. Oft sind wir stark berührt von dem existentiellen Gehalt dieser Bitten – wie Menschen in zum Teil heftiger Not ihr Gottvertrauen in diese Fürbitten legen.

 

Der mehrstimmig gesungene Antwortruf (z.B. Kyrie eleison oder Erhöre uns, Herr) bekräftigt, dass die Gemeinde die vorgetragenen Bitten zu ihrem Gebet macht. Seit vielen Jahren kommen ausschließlich die Fürbitten ins gemeinsame Gebet, die die Woche über in unser Fürbittbuch geschrieben worden sind.

Bitte und Dank im allgemeinen Gebet

Auf Anregung der Gemeinde wird es in Zukunft nicht nur Raum für das bittende Gebet sein, sondern auch für die Danksagung. Dazu wird ein eigener Antwortruf der Gemeinde gefunden werden – z.B. der Taizéliedruf misericordias domini, in aeternum cantabo (Das Erbarmen des Herrn will ich ewig preisen).

 

Die Fortsetzung zur Bedeutung des Gesangs in der Liturgie wird auf den Gemeindegesang in der Eucharistiefeier eingehen.

Warum wir – weiterhin - nicht...?

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (10.05.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Unter diesem Titel des ‚Warum wir nicht? habe ich am vergangenen Sonntag die Gründe dargelegt, warum wir in St. Maria Lyskirchen unsere gemeinsamen Gottesdienste noch nicht wieder aufnehmen können. Die Rückmeldungen, die mich erreichten, haben diese Haltung unterstrichen und bestärkt. Die Vorsicht in der Pandemie, das Verständnis von Gemeinde und von Messfeier lassen es derzeit nicht angemessen sein, hier bei uns gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Dieses volle Verständnis muss nicht verschweigen, dass es eine sich mehrende Sehnsucht gibt, sich wieder zur Messfeier versammeln zu dürfen. Nur ist die Zeit nicht reif.

Rückmeldungen

Die Rückmeldungen berichten von eigenen Formen des Gottesdienstes zuhause, von Überlegungen, wie wir es eventuell doch in der Kirche bewerkstelligen könnten – aber wir kommen durch den zu kleinen Raum, durch die große Einschränkung eines würdigen Kommunionempfangs und u.a. auch am Verbot des Gesangs an Grenzen. Ganz abgesehen davon, dass die Gefahr der Pandemie sich ja nicht einfach aufgelöst hat.

 

In den Rückmeldungen gehen Gedanken bis dahin, dass diese Praxis uns vielleicht unabsehbar genommen sein kann – wir aber dann immer noch nicht gottverlassen und verwaist dastehen. Da melden Gemeindemitglieder auch ein Zutrauen, dass die Glaubenden andere Formen ihrer Gottverbindung finden werden.

 

Mich haben an diesen Rückmeldungen die Geduld und das Vertrauen in ein bleibendes Wirken Gottes sehr beeindruckt und angerührt. Wir müssen gar nicht verzagen, so sehr auf der anderen Seite diese Zeit der Dürre schon zunehmend drückender wird.

 

Wir versuchen weiterhin zu verstehen, was die Eingabe des Geistes in unsere Gemeinschaft sein wird. Daher sind die Rückmeldungen so kostbar, um all die Gedanken und Einsichten zusammenzuführen. Sie erreichen mich unter schnegg@lyskirchen.de oder 0221 2570564.

Die Bedeutung der Gesänge in Lyskirchen

Einer der Gründe, hier noch nicht gemeinsam Gottesdienst feiern zu können, ist die verordnete Weisung, nicht gemeinsam zu singen. Die Gesänge sind nicht nur schmückendes Beiwerk einer Liturgie. Sie haben die Möglichkeit, Ausdruck der Zelebration der Gemeinde, Ausdruck des Vollzugs der Gemeinde zu sein. In der Liturgie der kath. Kirche ist der Priester der Vorsteher der Feier. Wie öfter betont, ist die Gemeinde aber nicht die Zuschauerin, sondern aktiv mitwirkend.

 

Diese aktive Beteiligung ist umfassend. Daher ist die Gemeinde immer wieder gegenwärtig, um den Vorgang des liturgischen Vollzugs zu bestätigen, zu bekräftigen und damit zu ihrem Mitvollzug zu machen.

Gesänge als Zusammenführung

In unseren Gottesdiensten ist diese Beteiligung am dichtesten durch die Gesänge gewährleistet. Schon der Einzug bekräftigt den Charakter der Gemeindeversammlung – indem die Gemeinde singt und mit diesem Gesang einen Akzent in die Feier legt: Es geschieht Gemeinsames und es geschieht in einem Geist und in einer Stimmungslage. Daher sind Gesänge zu Beginn einer Trauerfeier andere als die eines Gottesdienstes zu Ostern oder Weihnachten. Spürbar war das zuletzt z.B. in dem sich wiederholenden Einzugsgesang der Fastenzeit – im Hagios ho theos. Da füllt der Gesang den Feier-Raum mit der Tonlage der Fastenzeit. Klassisch heißt dieser Gesang ‚Introitus‘, Eingang – und öffnet den Grundton, in dem sich die Gemeinde versammelt.

Die Mehrstimmigkeit

Bei uns in Maria Lyskirchen kommt die Mehrstimmigkeit dazu. Auch sie ist nicht nur ein schönes Beiwerk, weil es dann anheimelnder klingt. Die Mehrstimmigkeit symbolisiert die Vielgestimmtheit der Menschen, die sich da versammeln. Es ist nicht das Ziel der Versammlung, sich zu vereinheitlichen. Es geschieht vielmehr die Sammlung der Verschiedenen – in dem einen Anliegen, den Gottesdienst als Antwort auf den Dienst Gottes an uns zu feiern. So manche gebrochenen Biographien finden sich da zusammen – und dürfen so sein, weil die Annahme Gottes eine Liebe ist, die unsere menschlichen Möglichkeiten oft genug übersteigt. Daher tritt die Qualität der Reinheit des Gesangs hinter der Bedeutung der Gemeinschaftsbildung zurück – was Musikerohren manchmal Demut abverlangt. Darum darf auf der Brummer mitsingen, weil es um das Zusammenfügen teils unterschiedlichster Persönlichkeiten geht.

Kyrie-Gloria-Tagesgebet

Nach einer längeren Stille zu Beginn der Feier, in der sich die ganz individuelle Gestimmtheit zusammenfügen kann, bindet sich die Gemeinde mit dem Gesang des Kyrie zu der einen Feiergemeinde zusammen. Das Kyrie eleison – Herr, erbarme dich – ist ein Huldigungsruf an den, dem wir unser aktuelles Leben in der Gottesdienstfeier anvertrauen mögen.

 

Das mehrstimmige Gloria lässt die versammelte Gemeinde sich einfinden im Gotteslob. Mit dem Tagesgebet wird die Sammlung der Gemeinde aus den so unterschiedlichen Menschen abgeschlossen. Der Gesang hat bis hierher die Gemeinde in aller Vielfältigkeit langsam zusammenwachsen lassen, um dann im Gotteslob des Glorias zu bekunden, nun angekommen zu sein, um sich dem Wort Gottes zu stellen.

 

Mit dieser Praxis des Gottesdienstes befinden wir uns ganz auf der Linie dessen, was die römische Liturgie als Sinn der Messfeier versteht. Aus diesen Beweggründen kann der Gesang nicht durch Solisten übernommen werden. Die Musik ist kein Bestandteil einer Darbietung, sondern gemeindlich getragener Vollzug des gottesdienstlichen Geschehens. In späterer Fortsetzung mehr zur Bedeutung der Gesänge im weiteren Verlauf der Messfeier

Ausharren in Geduld

Mir ist bewusst, dass unter den gegebenen Umständen einer Seuche nicht nur der Idealfall eingefordert werden kann. Mir scheint es zu früh, diese Praxis zugunsten einer wieder eher nur aus Zuschauerpersepktive gefeierten Liturgie aufzugeben. Wiederum kann ich nur wiederholen: Es kann als sehr naiv angesehen werden, hier auf eine Lösung durch die Eingebung des Geistes zu hoffen. Wer weiß, was aus geistlicher Sicht die Antwort auf die Erfahrung der Naturgewalt einer Pandemie ist?

 

Danke allen, die mit Geduld und Vertrauen diesen Weg mitgehen mögen – gerade auch im Wissen, dass diese Zeit des Verzichtes allmählich unerträglich lang zu werden scheint. Es gilt, wach zu bleiben für das, was wir geistlich begreifen. Das kann kein stures Beharren sein auf dem, was uns vertraut geworden ist, mag es noch so sehr dem Wesen der Liturgie nahekommen. Es kann aber wohl möglich auch nicht die Wiederherstellung des ganz Alten sein.

 

Ihr Matthias Schnegg

Warum wir nicht?

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (01.05.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

 

  • St. Maria Lyskirchen öffnet
    nicht für gemeinsame Gottesdienste

 

Seit dem 1. Mai dürfen wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden – unter Auflagen. Da liegt es nahe, dass der Wunsch drängt, dass wir uns auch in Maria Lyskirchen wieder zusammenfinden. Aber: Es wird zur jetzigen Zeit keine gemeinsamen Gottesdienste bei uns geben können. Ich bin dankbar, dass diese Haltung von denen, die sich auf meine Gedanken der letzten beiden Sonntage zurückgemeldet haben, geteilt wird. In allen Rückmeldungen ist auch benannt, dass wir uns sehr freuten, wenn wir wieder zusammen sein dürften. Aber es gibt gewichtige Gründe, es weiterhin mit Geduld auszuhalten.

 

  • Aspekt des Infektionsschutzes

 

Es gibt epidemiologische Gründe. Die meisten Fachleute warnen davor, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen, weil es eine Öffnung der starken Einschränkungen gibt. Die Auflagen, unter denen ein Gottesdienst öffentlich gefeiert werden dürfte, bestätigen die sehr große Vorsicht, die eingehalten werden muss: z.B.: 2 m Abstand ringsum jede Person; vorherige Anmeldung der durch die Örtlichkeit begrenzten Teilnehmerzahl; namentliche Erfassung derer, die in die Kirche kommen, damit eine mögliche Infektionskette nachvollzogen werden kann; Kontrolle an der Türe, wer berechtigt ist, einzutreten; geschlossene Türen während der Feier; keine Toilettennutzung; kein Gesang wegen erhöhter Ansteckungsmöglichkeit; hygienisch saubere Kommunionausteilung muss gewährleistet sein – u.a. z.B. mittels einer Zange zur Vermeidung physischer Kontakte; Menschen der Risikogruppen sollten zuhause bleiben – was aber in ihrer eigenen Entscheidung und Verantwortung liegt. Selbst die rechtliche Haftung ist überprüft: Wenn sich jemand anstecken sollte, ist die Kirchengemeinde frei von Haftung.

 

Die Auflagen bezeugen die Gefahr,
die von einer solchen Versammlung ausgehen kann.

 

  • Möglichkeiten des Gottesdienstbesuches in Köln

 

Es wird so sein, dass in vielen Kirchen diese Auflagen umgesetzt werden. Wenn Sie wissen wollen, in welchen Kirchen Gottesdienste wieder öffentlich gefeiert werden, können Sie sich unter www.katholisches.koeln.de informieren.

 

  • Aspekt des Gemeindeverständnisses

 

Es gibt Gründe des Verständnisses von Gemeinde, die es für Lyskirchen nicht angezeigt sein lassen, zu diesem Zeitpunkt öffentliche Gottesdienste miteinander zu feiern. Von Gemeindemitgliedern höre ich, dass auch sie nicht hinnehmen wollen, dass wir eine Gemeinde sind, die andere Gemeindemitglieder ausschließen muss, selbst wenn es für den Ausschluss nachvollziehbare Gründe gibt. Den ‚Risikogruppen‘ wird – wiederum aus nachvollziehbaren Gründen – nahegelegt, zuhause zu bleiben. Unterstützen wir damit – ungewollt – die Bewertung von stark und schwach, von gesund und krank? Und wer entscheidet, wer teilnimmt und wer nicht? Ist ein Platzreservierungssystem, wie es angeboten wird, für eine Gemeindeversammlung angemessen? Es ist klar, dass es so etwas als Unterstützung geben muss, wenn man nur begrenzten Einlass erlauben kann. Aber ist das vereinbar mit der Gemeinde der Glaubenden?

 

  • Aspekte des Eucharistieverständnisses

 

Es gibt auch Gründe des Eucharistieverständnisses, die uns in Lyskirchen zur Zurückhaltung der jetzigen Wiederaufnahme bewegen. Das, was jetzt unter den nötigen Einschränkungen an öffentlicher Feier geht, erinnert uns Alten an die früheren Maßgaben: „Es gibt einen Zelebranten, der die Messe liest, und die Gläubigen wohnen der Feier bei und sind angehalten, die Messe mit Andacht zu hören“.

 

Gerade das ist ja ein großer geistlicher Gewinn des II. Vatikanischen Konzils, die Liturgie als Feier der Gemeinde wiederbelebt zu haben. Die Gemeinde ist die Zelebrantin, der entscheidende Mitwirkung an der Liturgie zusteht. Es ist nicht der Priester, der ohne Gemeinde die Hl. Messe liest. Es ist die feiernde Gemeinde, die ihre Antwort auf den Dienst Gottes an uns mit Gottesdienst feiert.

 

Wir können uns Lyskirchen ohne Gesang – und der ist derzeit untersagt – nicht vorstellen. Der Gesang ist nicht nur ein schönes Element des Gemeinschaftserlebens. Gerade die Musik ist wesentliche Trägerin des Anteils der Zelebration der Gemeinde. Die Gesänge unterstützen und bestätigen durch die Gemeinde, was der Vorsteher der Liturgie mit der Gemeinde vollzieht. Denken wir an den Kyrie-Gesang, in dem sich die Gemeinde in aller Unterschiedlichkeit findet. Denken wir an den Gesang zur Bereitung der Gaben. Denken wir an das bestätigende Amen der Gemeinde im Hochgebet. Denken wir an den Begleitgesang während des Brotbrechens. Da wirkt die Gemeinde mit im Vollzug der Handlung des Vorstehers.

 

Ich empfinde es als Geschenk, in Lyskirchen diese Erfahrung machen zu dürfen, dass die Vorstellung der Liturgie der Kirche eine so eindrückliche Ausdruckskraft hat. Die kommt nicht daher, dass Extravagantes ausprobiert wird. Wir feiern ganz nach Vorgabe des Messbuches die Liturgie der Kirche. Es tut gut, diese Kraft des Gottesdienstes erleben zu dürfen.

 

  • Es fehlt Entscheidendes

 

Die Zeit der Dürre ohne gemeinsame Gottesdienste wird vielen allmählich zu lang. Bei allem Neuentdecken der eigenen Möglichkeiten der Hausgottesdienste, bei aller Zuwendung zur Hl. Schrift als Gegenwart des auferstandenen Herrn – es fehlt vielen das gemeinschaftliche Feiern des Gottesdienstes. Das ist ja auch ein gutes Zeichen – wenn es nicht zunehmend belastend wäre. Vor allem die Menschen, die alleine leben, erfahren diese Belastung besonders. Und vielen wäre die Gemeinschaft des Gebets und des Singens eine große Tröstung. Das verbindet uns in einer schmerzlichen Erfahrung des Verzichtes. Auch unser Wissen, dass der auferweckte Herr uneingeschränkt mit uns unterwegs ist, fühlte sich kräftiger, wenn es gemeinschaftlich bezeugt werden könnte.

 

  • Wie lange trägt die Bindungskraft?

 

All das teilen sehr viele aus unserer Gemeinde. Es ist ja auch die Frage, wie lange wir die bisher noch gehaltene Verbindung untereinander aufrecht erhalten können? Was wird bleiben, wenn die Zeit des Verzichtes unabsehbar wird? Verlieren wir uns aus den Augen? Verliert die Bindung an unseren Gottesdienst an Kraft? Wir wissen es nicht. Wir werden es sehen. Jede und jeder wird nach eigener Kraft beitragen, unsere Verbindung zu halten, auch über die lange Zeit hin.

 

  • Geistliche Herausforderung

 

Das alles ist eine sehr große soziale, aber auch geistliche Herausforderung. Da liegt die Versuchung nahe, die erste sich bietende Gelegenheit aufzugreifen, um in einen halbwegs alten Rhythmus zurückzukehren. Das ist menschlich sehr nachvollziehbar. Der Preis, der dafür zu zahlen ist, erscheint mir persönlich – aber auch allen, die sich bisher zurückgemeldet haben – aus den beschriebenen Gründen zu hoch. Dabei geht es nicht um einen Beharrungsstolz, Liebgewonnenes und Vertrautes festzuhalten. Die geistliche Herausforderung umfasst auch die Bereitschaft, unsere Erfahrungen auf den Prüfstand des Geistes zu stellen. Ignatius spricht vom ‚Geist der Unterscheidung‘. Der ist gerade in Situationen wie jetzt sehr notwendig.

 

  • Geistesgabe

 

Ich selber halte mich jeden Tag in der Kirche auf, um um die Gabe dieses Geistes zu bitten. Diese Bitte gilt nicht mir alleine, sondern allen, die am Kirche-Sein in Maria Lyskirchen mitwirken mögen. Die Erkenntnis, wie es für uns weitergehen wird, muss nicht durch mich gegeben werden. Ich bitte, dass Sie mir Ihre geistlichen Erfahrungen mitteilen. Aus dem, was zurückgemeldet wird, wird sich vielleicht die Erkenntnis des Geistes finden lassen. Das kann ein langer Prozess werden. Ich weiß das Ergebnis auch noch nicht. Ich habe das (naive?) Vertrauen, dass der Geist uns leiten wird!

 

Danke für alle Rückmeldungen, alle Gespräche, die auch mir helfen, die Gedanken der Gemeinde zusammenzuführen und hier allen zur Verfügung zu stellen.

 

  • Solidarität

 

All diese Überlegungen gelingen uns leichter, wenn wir nicht gesundheitlich oder wirtschaftlich beeinträchtigt sind. Darum gilt die Solidarität all denen, die in Bedrängnis leben müssen – hier bei uns und in der Welt.

 

  • Eine Denkbarkeit

 

Auch diese Überlegungen beschließe ich mit dem Hinweis, dass man all das theologisch und pastoral ganz anders bewerten kann. Es ist ein Beitrag, der unser Überlegen begleiten mag. Für Rückmeldungen bin ich dankbar, auf dass wir erkennen lernen, wie unser Weg in Maria Lyskirchen jetzt zu gehen hat. Danke.

 

Ihr Matthias Schnegg

Gottesdienstfeier

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (26.04.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Noch ist nicht absehbar, wann und wie wir in Maria Lyskirchen wieder zusammen Gottesdienst feiern werden. Ich danke sehr für viel Verständnis und Mittragen dessen, was ich am vergangenen Sonntag im Newsletter bzw. im unseren Sonntagsblättchen zur Wiederaufnahme der Gottesdienstpraxis geschrieben habe. Die Fachleute warnen vor einer zu schnellen Rückkehr in eine vermeintliche Normalität. Da schleicht sich schnell der Wunsch nach ‚fast alles wie vorher‘ ein und lässt einen unvorsichtiger werden im nötigen Verhalten. Keiner mag sich vorstellen, welche Folgen es hat, wenn wir unsere leichte Öffnung wieder zurückfahren müssten.

 

Neben diesen epidemiologischen Gründen habe ich theologische Gründe für ein Warten auf gemeinsame Gottesdienstfeiern erläutert. Dabei mag ich unterstreichen, dass ich nicht den Anspruch erhebe, die einzig denkbare theologische Sichtweise darzustellen. So vielfältig die Größe Gottes ist, so vielfältig sind die Zugangswege, auch in der Annahme und Gestaltung der Krisensituation. Es ist gut, dass die Vielfalt der Erwartungen auch vielfältige Antworten finden können. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gilt schließlich die Redlichkeit der eigenen Erkenntnisse, der es gilt in eigener Verantwortung zu folgen.

 

Es scheint mir wichtig, sich nicht nur als zum Verzicht Verurteilte zu sehen, sondern auch aus der Glaubensüberzeugung heraus diese Zeit des Verzichtes mitzutragen. Wir sind ja nicht gottverlassen! Ich bin sehr dankbar, dass es so viel Ermutigung gab, diesen Weg der Geduld auch im Vertrauen auf die Gegenwart des auferweckten Herrn zu gehen.

 

Viele vermissen die Gemeinschaft derer, die sich zum Gottesdienst zusammenfinden - bei aller Einsicht in den nötigen Verzicht. Das darf auch schmerzen, weil es u.a. bezeugt, wie wichtig man füreinander sein kann. Ermutigend höre ich, dass sich ein feines Netz zu knüpfen scheint, wo Menschen aus der Gemeinde zueinander Kontakt halten. Ich bin immer wieder sehr dankbar, dass das ohne jede Organisation durch die Gemeindeleitung geht. Ich vermute, dass das auch eine Frucht der Art ist, wie wir über die Jahre hin gelernt haben, Gottesdienst miteinander zu feiern.

 

Es gilt nach wie vor die Verabredung, dass zu den üblichen Gottesdienstzeiten in unserer Kirche die Glocken läuten. Manche nutzen diese Gottesdienstzeit für ihren privaten Gottesdienst zuhause. Wir hatten am Anfang der Einschränkungssituation verabredet, dass zu jeder der Gottesdienstzeiten zwei Vertreter*innen der Gemeinde in der Kirche sind. Dazu kommt einer, der als Küster mit dabei ist. Ich selbst habe mich unter die Reihe derer begeben, die den Küsterdienst zur Gottesdienstfeier übernehmen. Wenn ich nicht in dieser Funktion tätig bin, sitze ich auch zuhause und lese während der Gottesdienstzeit die Lesungen des Tages und bete im Wissen um die an verschiedenen Orten lebende Gemeinde das Vater unser. Es ist das identitätsstiftende Gebet, das Jesus seiner Schülerschaft mitgegeben hat. Es ist auch für mich heilsam, diese Erfahrung zu machen und nicht selbstverständlich als Gemeindeleiter mit in der Kirche zu sein.

 

Manchen wären am liebsten immer mit bei diesen Stellvertretern der Gemeinde, selbst wenn wir dort keine hl. Messe feiern. Das gemeinsame Beten in unserem Kirchenraum ist schon eine Stärkung. Wenn alle zu diesem kleinen Gottesdienst da wären, die gerne wollten, sprengten wir das Versammlungsverbot. Daher ist die Zahl der stellvertretenden Gemeindemitglieder auf 3 begrenzt. Sie können sich gerne bei mir melden, wenn Sie einmal eine solche Gemeindevertretung zu einer der Gottesdienstzeiten übernehmen möchten.

 

Erfreulicher Weise übernimmt immer jemand aus dieser kleinen Stellvertretergruppe die Leitung des kleinen Wortgottesdienstes. Eine Anleitung zum Ablauf kommen Sie gerne von mir.

 

Die Kirche ist aber wie immer an jedem Tag von 9 – 18 Uhr geöffnet. Sie lädt ein, sich zum persönlichen Gebet, zum Verweilen in Stille hier einzufinden. Diese Öffnungszeit wird immer wieder genutzt.

 

Wie und wann es bei uns mit gemeinsamen Messfeiern weitergehen wird, das können wir heute nicht sagen. Es ist zu erwarten, dass im Erzbistum bald die Möglichkeit zur gottesdienstlichen Feier wieder gegeben sein wird – unter sehr klaren, deutlich einschränkenden Auflagen, die vermutlich an die Auflagen vor Geschäften erinnern werden. Aus den am vergangenen Sonntag beschriebenen, vor allem theologischen und spirituellen Gründen ist das für Lyskirchen nicht machbar. Müssen wir uns dann auf eine unabsehbare Zeit einstellen? Wie werden wir diese Zeit dann als Gemeinde gestalten? Krisenzeiten lehren, dass man nicht alles im Griff hat. Das heißt auch, dass wir heute nicht wissen müssen, wie es in der absehbaren oder fernen Zukunft weitergehen kann. Es mag recht naiv klingen: Ich versuche in der Stille den Hl. Geist wirken zu lassen, dass wir (nicht der Pfarrer allein) mitbekommen werden, was zu tun ist. In der Erfahrung unseres Gemeindelebens hat sich immer wieder erwiesen, dass der Hl. Geist sich in den Gemeindemitgliedern äußert. Wir werden zur gegebenen Zeit finden und wissen, was wir dann zu tun haben. Danke für das Mitbedenken, Mitbeten, Mittragen, Mitsein. Wir sind ja wirklich nicht gottverlassen!

 

Die Kommunikation untereinander ist dazu wichtig. Danke für jede Anregung oder jeden Gedanken, die/der Sie in diesen Zusammenhängen bewegt. So Sie mögen, schreiben Sie mir oder rufen Sie an: schnegg@lyskirchen.de und 0221 2570564.

 

Herzlich verbunden

Ihr Matthias Schnegg

Wann geht es weiter?

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen (17.04.2020)

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

In den letzten Tagen hat sich die Diskussion erhitzt, wann endlich auch die Religionsgemeinschaften wieder ihre Gottesdienstversammlungen abhalten können. Es wird auf das hohe Gut der freien Ausübung des Glaubens verwiesen. Es wird der Vergleich bemüht, dass Frisöre und Baumärkte offen sein dürfen – warum nicht die Kirchen zu ihren Gottesdienstversammlungen? Es ist ja auch nicht zu bestreiten, dass es vielen Glaubenden wirklich ein großes Anliegen ist, wieder Gottesdienst feiern zu dürfen.

Politische Verantwortung

Die politisch Verantwortlichen weisen auf die dringende Notwendigkeit, dass der Infektionsschutz unbedingt Vorrang haben muss. Kaum auszumalen, wie tief die Erschütterung eines Rückfalls in die Verbreitung des Virus auslöste, wenn wir die Geduld nicht aufbrächten, zu warten. Nun werden Möglichkeiten überlegt, wie man unter Wahrung des Infektionsschutzes dennoch eine gottesdienstliche Versammlung halten kann – bis hin zu den Vorschlägen, man könne ja einer Messfeier beiwohnen und auf lautes Gebet und gemeinsamen Gesang verzichten. Selbst die Reichung der Hl. Kommunion an Einzelne mittels einer Zange außerhalb des Gottesdienstes wird angedacht...

Gemeinde als Zelebrantin

Spätestens hier scheint es mir dringend, die Wiederaufnahme der gottesdienstlichen Versammlung nicht eng zu führen in eine Auseinandersetzung mit politischen Maßgaben, sondern auch theologisch zu bedenken, was eine Gottesdienstfeier ist. Seit dem II. Vatikanischen Konzil ist uns noch einmal ins Bewusstsein gebracht worden, dass der Gottesdienst nicht von einem Zelebranten gehalten wird, dem das gläubige Volk andächtig folgt. Die Gottesdienstversammlung ist wesentlich getragen von der ‚aktiven Teilnahme‘ (participatio actuosa) der Gläubigen. Gerade durch die Entwicklung der Gottesdienstfeiern in Lyskirchen habe ich dankbar erkennen gelernt, dass diese aktive Teilnahme nicht in der Beteiligung verschiedener Rollen während der Messfeier liegt. Die versammelte Gemeinde ist als Gemeinde die Zelebrantin. Sie antwortet auf den Dienst Gottes an uns mit der Feier ihres Glaubens, mit dem Gottesdienst. Für mich persönlich ist es ein sehr großes Geschenk, am Ende meiner Berufsausübung diese Erfahrung machen zu dürfen. Ein solcher Gottesdienst ohne gemeinschaftliches Gebet, ohne gemeinschaftlichen Gesang, nur von einem Priester mehr oder weniger vorzelebriert, das ist mir undenkbar.

Die eine Gemeinde

St. Maria Lyskirchen ist viel zu klein, um sich dort angemessen auseinander zu setzen. Bestenfalls ließen sich 20-30 Menschen in der Kirche so verteilen, dass die Bestimmungen des Infektionsschutzes eingehalten werden könnten. Die Lösung kann nicht sein, dass am Wochenende etwa 5 Messfeiern gehalten werden, denn sonntags sind fast immer über 100 Mitfeiernde da. Bei der letzten Zählung am derzeit letzten gemeinsamen Sonntagsgottesdienst waren wir über 130 Feiernde.

 

Selbst wenn statt einer Sonntagsmesse zwei gehalten würden: Auch das ist eine besondere Erfahrung der Entwicklung in Maria Lyskirchen, dass es ein Ideal ist, dass Gemeinde sich in der einen gemeinsamen Messfeier findet. Da hat sich über die Jahre hin ein gemeindlicher Zusammenhalt entwickelt, der ohne irgendeine Maßnahme der Gemeindeleitung zustande gekommen ist. Manchmal habe ich staunend wahrgenommen, wie Menschen in Kontakt zueinander getreten sind, wie Menschen umeinander wissen, sich umeinander kümmern – und all das ohne irgendeine Form der Organisation durch die Gemeinde. Gerade jetzt erweist sich diese Vernetzung als ein mittragender Segen. Hinzu kommt, dass die meisten, die sich hier zum Gottesdienst versammeln, gar nicht im Umfeld der Kirche wohnen. Unser Vorteil: Wir sind eine noch überschaubare Gemeinde und sind daher eine Sonderwirklichkeit in der gesamtkirchlichen Entwicklung. 

Formen der Realpräsenz

Und noch ein Gedanke: Wir haben gelernt, dass die Feier der Eucharistie die durch nichts zu überbietende Form der Gegenwart des auferstandenen Herrn ist. Unbezweifelbar ist sie ein großes Geschenk Gottes in unseren Glauben. Was den meisten – nicht zuletzt durch die Unterweisung in früheren Jahren bedingt – nicht bewusst ist: Die Realpräsenz, die von uns geglaubte Gegenwart des auferstandenen Herrn, ist uns ebenso (und nicht zweitrangig) im Wort der Hl. Schrift zugesagt und auch in der Begegnung mit den Armen, im diakonischen Handeln.

 

Gerade in der Zeit, in der wir uns zur gemeinschaftlichen Gottesdienstfeier nicht versammeln können, entdecken wir die Kostbarkeit dieser Realpräsenz im Wort und in der helfenden Tat. Die Öffnung des Priesterseminars für die Obdachlosen (täglich ca. 140 warme Essen) ist ein sichtbares Zeichen der Realpräsenz des Herrn. Viele aus unserer Gemeinde sind zu den sonst üblichen Gottesdienstzeiten mit uns verbunden, indem sie die Hl. Schrift lesen. Zu Unterstreichung der Bedeutung der Hl. Schrift steht seit der Osternacht das Lektionar, das Buch mit den Lesungen des Tages, in der Mitte der Kirche. Wir sind nicht ohne, wir haben das Wort und die helfende Tat. 

Ist der Herr in unserer Mitte?

Natürlich freuen wir uns, wenn es verantwortbar wieder geht, dass wir als Gemeinde Zelebrantin des Gottesdienstes sein können. Im Moment geht es aus sehr nachvollziehbaren Schutzgründen noch nicht. Und wir sind ja nicht alleingelassen, sind auch nicht ohne sichtbare Zeichen der Gegenwart des auferstandenen Herrn. Daher können wir vielleicht Geduld haben und müssen nicht buhlen, dass wir wie Baumärkte oder Frisöre ‚auf haben‘ dürfen. Es gibt auch theologische Gründe, sich in Geduld zu üben. Für mich ist auch das eine Form des zu erlernenden Gottvertrauens. Und: Haben wir von Gott aus gesehen ein ‚Recht‘ auf Messfeier? Ist der Herr nicht in unserer Mitte, wenn wir vorübergehend keine Eucharistie feiern?

 

Ich bin seit des Wegfalls der Gottesdienste immer wieder mal an die Situation der Juden erinnert, als ihnen 70 n. Chr. der Tempel zerstört wurde und sie seitdem (!) keinen Opferkult mehr haben. Was sie haben und was sie trägt, ist das Wort. Wir sind wohl in der sehr komfortablen Lage, dass wir keine 2000 Jahr auf unsere Gottesdienstfeier der Eucharistie werden verzichten müssen. 

Man kann es auch anders verstehen

Ich weiß, dass es durchaus andere theologische Ansätze gibt, die zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Wie sagte mir Kardinal Höffner einmal, als wir unsere theologisch unterschiedliche Meinung austauschten: ‚Ich hoffe, dass ich mit meiner Überlegung vor dem Gericht Gottes bestehen kann.‘ Das ist die Frage nach der Wahrheit, die sich erst im Angesichte Gottes erklären wird.

 

Bleibt, uns weiter wach zu halten,

was der Geist uns sagt.

 

Ihr Matthias Schnegg

Gesänge aus Lyskirchen

Eine besondere Ausdrucksform unseres gemeinsamen Gottesdienste sind die mehrstimmigen Gesänge. Auf mehrfache Anregung aus der Gemeinde hat unser Kantor ein Quartett mit Lyskirchen verbundener Sängerinnen und Sänger zusammengerufen und eine zu Herzen gehende Aufnahme für unseren häuslichen gottesdienstlichen Gebrauch erstellt. Von Herzen Dank den Musikern, die sich spontan bereitgefunden haben, ihre Verbundenheit mit Lyskirchen auch auf diese Weise (ehrenamtlich) auszudrücken. Herzlichen Dank auch unserem Kantor, der sich es zur Aufgabe gemacht hat, eine sehr hilfreiche Sammlung zur Verfügung zu stellen. Zu hören sind: Hagios ho theos (Gotteslob 300), Qadosch, Vater unser, Du lässt den Tag (Gotteslob 96). Man kann auch gerne mitsingen...

 

 

 

Die Gesänge können Sie hier abrufen. Vielleicht sind sie auch eine willkommene Stütze zu Ihrem häuslichen Gottesdienst zu unserer Sonntagsmesszeit.

Hagios ho theos
(Gotteslob 300)
Chor Hagios Master.WAV
Wave Audio Datei 11.5 MB
Qadosch
Chor Quadosch master.WAV
Wave Audio Datei 13.6 MB

Vater unser
Chor Vaterunser Master extreme Variante.
Wave Audio Datei 29.9 MB
Du lässt den Tag
(Gotteslob 96)
Langversion master c.WAV
Wave Audio Datei 41.1 MB

URBI ET ORBI, der Petersplatz am vergangen Freitag (Bildschirmfoto B.M.)
URBI ET ORBI, der Petersplatz am vergangen Freitag (Bildschirmfoto B.M.)

Zeit des Übergangs   (29.03.2020)

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen

M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)
M. Schnegg (Foto Anna C. Wagner)

Jetzt haben wir schon eine gewisse Erfahrung, was diese Zeit mit uns macht. Vor allem stehen die Menschen im Blick, die viel Leid erfahren, wenn weil? sie vom Corona-Virus betroffen sind. Viel Einsatz und Anstrengung wird denen abverlangt, die in den Gesundheitsberufen helfen. Auch die, die unsere Versorgung aufrechterhalten, leisten uns einen unschätzbar kostbaren Dienst. All denen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und unser besonderes Gedenken.

 

Im Blick bleiben ebenso die Armen – bei uns und über den Horizont unserer Stadt, Deutschlands und Europas hinaus. Die Kollektenaufrufe (s.u.) führen dazu konkret aus. Es ist anrührend, wie auch Fragen an mich gestellt werden, wie den Armen, den Obdachlosen, den Alleingelassenen, den in Einrichtungen Isolierten geholfen werden kann. Dazu sind gerade Bewegungen in der Stadt zugange, an denen sich die Kirchengemeinden natürlich beteiligen. Genaueres dazu wird bekanntgegeben.

 

Viele kennen das Spannungsverhältnis, einerseits in einer inneren Unruhe sich zu finden, andererseits an die Chance zu denken, die diese fundamentale Infragestellung unserer Lebensgewohnheiten betreffen. Das bezieht sich auf die persönliche Lebenshaltung – was da Priorität hat, was da meint, uns unbedingt zuzustehen; das bezieht sich auf die gesellschaftlichen Anfragen, zu denen es jetzt vielfältige, auch Mut und Hoffnung gebende Ausführungen gibt; das bezieht sich auch auf die geistliche Entwicklung und auf das, was für die Kirche anstehen könnte.

 

In unserem Deuterahmen kann diese Zeit der Dürre auch eine Einladung sein, sich vom Geist Gottes neu beleben zu lassen. Das ist nicht schöngeistig gemeint! Solche Überlegungen erlauben sich nur mit dem Wissen um das, was ich eingangs in den Blick gestellt sehe: Die Leidenden, die Helfenden, die Armen. Sie mit zu bedenken, ist m.E. die erste und vornehmste Lenkung des Geistes.

 

Darüber hinaus dürfen wir versuchen, die Eingabe des Geistes zu begreifen. Mir werden dazu erste Empfindungen und Erkenntnisse mitgeteilt. All das ist nicht die letzte und für alle gültige Erkenntnis. All das sind Einsichten, die dauerhaft unter der Maßgabe unserer eigenen Reflexion stehen, ob das Erkannte wirklich ‚des Geistes‘ ist. Man vertut sich schnell, die eigenen Vorstellungen für die Gabe des Geistes zu halten.

 

Im Ringen um diese Erkenntnisse der Gaben des Geistes sind wir – wie all die Jahre vorher auch - als Gemeinde gefragt. Wir können jetzt keine Gemeindeversammlung halten, die dem Nachspüren dessen dienten, was wohl ‚des Geistes‘ für uns sein könnte. Aber auch jetzt gilt, dass wir als Gemeinschaft der Glaubenden Trägerin und Träger des Geistes sind. Was in unserer Mitte als Erkenntnis wächst, das müssen wir zusammentragen und auf den besagten Prüfstand stellen – immer wieder. Aus unseren Erfahrungen in Lyskirchen wissen wir, dass es ein ziemlich sicheres Empfinden gibt, wenn etwas nicht oder noch nicht stimmt – sprich: nicht ‚des Geistes‘ ist.

 

Ich sammle, was an Erkenntnissen Einzelner
mir mitgeteilt wird. Dazu dann bald mehr.

 

Wir durchleben diese Zeit mit sehr individuellen Bedürfnissen. Manche suchen die Kargheit der Dürre, die Erfahrung der Leerstelle. Andere suchen nach Ausdrucksformen des Gemeinsamen. Wieder andere möchten die ganze Breite medialer Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, auch um sich der Verbundenheit als Gemeinde versichern zu können. Es gibt da kein Richtig oder Falsch. Wir Menschen sind unterschiedlich, so auch unterschiedlich in dem, was uns hilft, die Anfrage der Krise aufzunehmen und zu gestalten. Gottlob gib es in Köln so viele Möglichkeiten der Auswahl dessen, was je eigen hilfreich ist.

 

In den Anregungen, die von mir aus Lyskirchen kommen, die auch von vielen laut Rückmeldungen mitgetragen sind, ist die Suchen nach der Leerstelle betont, der Erfahrung der Dürre, um auf diesem Weg evtl. mehr von der Bedeutung und Chance der Krise zu erfassen. Ich bin mir bewusst, dass das nicht allen aus der Gemeinde Lyskirchen hilft. Da bitte ich, sich an die vielen anderen Möglichkeiten zu halten – und auch in dieser Vielfalt sich in Lyskirchen verbunden zu wissen. Wenn es uns geschenkt ist, dass wir wieder körperlich sichtbar zusammenkommen dürfen, wird die Vielfalt unserer Art, die Krise zu leben, ein Bestandteil unseres gemeinsamen Glaubens sein.

 

Sie wissen: Wenn Sie Kontakt mit mir persönlich halten mögen, dann sind Sie herzlich willkommen: schnegg@lyskirchen.de oder 0221 2570564.

 

Ihr Matthias Schnegg

weiterhin aktuell:

Leerer Kirchenraum (Foto Anna C. Wagner)
Leerer Kirchenraum (Foto Anna C. Wagner)

Gedanken von Matthias Schnegg aufgrund der Anordnung der Gottesdienstabsagen (Stand 15.03.2020) 

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Worte wie Aussatz, Pest, Aids, Krebs und jetzt Corona lassen uns den Schrecken spüren, der die Menschheit immer wieder befällt. Krankheit bedroht das Leben, macht einsam, abhängig und hilflos. 

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unser Gott und Heiland,in einer Zeit der Belastung und der Unsicherheit für die ganze Welt kommen wir zu Dir und bitten Dich  ...

 

Gebet in Zeiten der Corona-Epidemie >>>

 

Wegen der Corona-Krise lassen immer mehr Bistümer in Nordrhein-Westfalen die Glocken läuten. Zuerst hatte das Erzbistum Köln am Dienstag eine entsprechende Aktion gestartet. Nun ziehen die Diözesen Aachen un Münster mit.

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Der deutsch-amerikanische Prof. Yascha Mounk, von der Havard Universität in Boston, hat intensiv die Ausbreitung der Spanischen Grippe 1918 in den USA aufgrund angeordneter oder unterlassenen Kontakteinschränkungen erforscht.
Der deutsch-amerikanische Prof. Yascha Mounk, von der Havard Universität in Boston, hat intensiv die Ausbreitung der Spanischen Grippe 1918 in den USA aufgrund angeordneter oder unterlassenen Kontakteinschränkungen erforscht.

In Zeiten der Krise (22.03.2020)

Schreiben von Matthias Schnegg an die Gemeinde Lyskirchen

Jetzt hören wir so viel, viel sich immer wieder Wandelndes. Allein durch die ständig neuen Informationen wird manchen der Boden unter den Füßen immer wackliger. Mir selbst geht es auch so, dass das Ausmaß der Herausforderung erst nach und nach in mein Bewusstsein sickert. Das geschieht nicht nur souverän. Gottlob gibt es auch bestärkende Zeichen der Solidarität, Zeichen des aneinander Denkens, Zeichen auch der geistlichen Verbundenheit.

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Schreiben von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki an alle Pfarrgemeinden des Erzbistums Köln

Liebe Schwester und Brüder! Auch für uns Christen ist die Coronakrise eine besondere Herausforderung. Selbst in Kriegszeiten sind die Gottesdienste nicht ausgefallen ….

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Wort des Bischofs:

Not sehen und handeln


Und die Armen – Zeichen der Solidarität Kollekten ans Herz gelegt:

In die Zeit der Abstinenz von gemeinschaftlichen Gottesdiensten fallen auch große Kollekten, die denen zugutekommen, die sowieso am Rand der gesellschaftlichen Sicherungen stehen. MISEREOR wäre am 29. März. Am GRÜNDONNERSTAG halten wir seit einigen Jahren als ‚nachhaltiges‘ Zeichen der Fußwaschung die Kollekte, mit der wir eine ganze Winterzeit über das Sonn- und Feiertagscafé für obdachlose Drogenabhängige im Notel finanziell ermöglichen. Mir liegt sehr daran, dass wir trotz der ausfallenden Gottesdienste diese Armen nicht aus dem Blick lassen. Daher die Bitte, dass Sie die Gelder, die Sie ansonsten dafür in das Kollekten-Körbchen geworfen hätten, entweder der Kirchengemeinde überweisen – mit den Stichworten ‚Misereor 2020‘ und/ oder ‚Gründonnerstag‘ – oder mir in einem Umschlag mit Ihrer Anschrift und dem Betrag und der Zweckbestimmung übergeben.

  • Die Bankverbindung: KKGem. St. Maria Lyskirchen, Pax- Bank Konto,
  • IBAN: DE96 3706 0193 0027 1770 18
  • BIC: GENODED1PAX.

Bei einer Überweisung für verschiedene Kollekten bitte die Aufteilung hinzufügen, damit jedes Anliegen bekommt, was Sie zuteilen mögen.

Urbi et orbi am Freitag: Kopf des Pestkreuz aus San Marcello, das für dieses Ereignis zum Petersdom gebracht wurde. (Bildschirmfoto: B. Marx)
Urbi et orbi am Freitag: Kopf des Pestkreuz aus San Marcello, das für dieses Ereignis zum Petersdom gebracht wurde. (Bildschirmfoto: B. Marx)

Gottesdienstverbundenheit (22.03.2020)

Viele haben die Idee aufgegriffen, zu den Gottesdienstzeiten freitags und sonntags um 18 Uhr (ab nächsten Sonntag bitte auf 19 Uhr umsteigen) zuhause in einer eigenen Art des Gottesdienstes mit der Gottesdienstgemeinde Lyskirchen verbunden zu sein. Das ist eine spürbare Verbindung, wie mir zurückgemeldet wird. Und was geschieht in der Kirche zu dieser Zeit? Wir sind zu zweit oder dritt, wir im Dienstverhältnis der Gemeinde, halten den räumlichen Abstand. Diese stellvertretende Versammlung beginnt mit einem längeren Schweigen. Das ist der Raum der Stille, den wir vom Beginn unserer Messfeiern kennen: Da mögen sich alle versammeln, mit ihrer eigenen Gestimmtheit, ihren eigenen Anliegen. Dann hören wir die Lesungen, beten oder singen den Antwortgesang. Nach dem Evangelium ist wieder Stille. Die wird beendet mit dem lauten Vorlesen der Fürbitten, die im Fürbittbuch stehen. Das Vater unser und die Segensbitte beenden die uns alle verbindende Feier. Mit dem Lied Nr. 96 vertrauen wir den Tag und den Übergang unseres Lebens Gott an, der uns irgendwann ‚heimholt in sein Licht.

 

 

Fürbitten

Nun haben die meisten, da sie nicht in der Nähe wohnen, keinen Zugang zum Fürbittbuch, so auch nicht zum Gebet der Gemeinde. Sehen Sie sich eingeladen, Ihre Gebetsanliegen per Mail an mich zu schicken. Wir nehmen diese Gebete mit in den stellvertretenden Gottesdienst unserer Verbundenheit. (schnegg@lyksirchen.de )