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Der HERR
segne dich und behüte dich.

 

Der HERR
lasse sein Angesicht leuchten  über dir und sei dir gnädig.

 

Der HERR
hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Numeri 6,24-26

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

wort + tanz + musik

 

Seit 2001 lesen wir zweimal im Jahr in Sankt Maria in Lyskirchen ein ganzes biblisches Buch. Teile in der jeweiligen Originalsprache. Begleitet von Musik und Tanz. Die Bücher der Offenbarung wirken aus sich – als GottWortErfahrung in die Nacht

Sie sind eingeladen.

Einleitung in das Buch Deuteronomium

zur Lesenacht am 22. November 2014 in St. Maria Lyskirchen.

Zusammenfassung eines Vortrages von
Dr. G. Fleischer am 19.8.2014 in St. Maria Lyskirchen,
zusammengestellt von Matthias Schnegg

 

Der letzte Buch des Pentateuch und der Name des Buches

Das Buch Deuteronomium ist das letzte der fünf ersten Bücher (= Pentateuch) des Ersten Testamentes. Diese fünf (penta) Bücher bilden die Tora, die Weisung Gottes. Im Hebräischen trägt das Buch (wie alle anderen Bücher der Tora auch) als Namen das erste Wort, mit dem das Buch beginnt. Da heißt das Buch ‚Dewarim’ – ‚Worte’, denn das Buch beginnt: „Dies sind die Worte, die Mose zu ganz Israel gesprochen hat.“

 

In unserer Bibel trägt das Buch den Titel ‚Deuteronomium’. Den Namen hat es über die griechische Übersetzung (Septuaginta) des Buches Dewarim in ‚deutero nomos’ – ‚zweites Gesetz’ bekommen. Unser Wort Deuteronomium ist eine Latinisierung des griechischen Begriffs. ‚Zweites Gesetz’ meint nicht ein neues Gesetz, das nach dem ersten Gesetz. Es bezeichnet vielmehr eine Abschrift des Gesetzes, eine Kopie. Der König soll diese Abschrift bei sich tragen, um die Weisung Gottes zu beherzigen (Dtn 17,18); denn Gesetzgeber Israels ist und bleibt JHWH.

Entstehungszeit des Buches Deuteronomium (Dtn)

Das Buch Dtn entsteht deutlich später als in der Zeit, von der es spricht. Es erzählt von einem durch die Wüste wandernden Volk, schreibt aber aus einem Staatsgebilde, das längst besteht und gerade unter König Joschija eine große politische Blüte erlebt. Die Schreiber sitzen am Königshof in Jerusalem und denken sich in die Zeit zurück, da das Volk noch jenseits des Jordan, vor dem Übertritt in das verheißene Land, steht.

 

Das Buch ist in seinem ältesten Bestandteil im 7. Jh v. Chr – zwischen 640 und 609 – unter König Joschija geschrieben worden. Unter seiner Regentschaft ging es Israel 30 Jahre gut. Das Staatswesen funktionierte und der König war vorbildlich in seiner Amts- und Lebensführung.

 

Israel stand immer in der Gefahr, Vasall Assyriens zu sein oder von Assyrien einverleibt zu werden. Joschija gelingt es, Assyrien aus Israel heraus zu halten. Dennoch gab es für die Entwicklung des Staatswesens hilfreiche Einflüsse aus Assyrien. Dort hatte man ein sehr entwickeltes Rechtswesen. Dazu zählte auch ein gutes Vertragswesen, das sich sehr nützlich zur Gestaltung des politischen und sozialen Zusammenlebens auswirkte. Selbst das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk lässt sich vertragsrechtlich systematisch abbilden.(26,17)

 

Das Buch Dtn ist dann – wie alle Bücher des Pentateuch - bis zur endgültigen Festlegung im 5. Jh v. Chr. weitergeschrieben worden. Esra als Schriftgelehrter, der selbst die Tora nur noch (vor)liest bzw. auslegt, aber nicht mehr schreibt, ist Hinweis darauf, dass spätestens um 400 v. Chr. der Pentateuch fertig vorliegt.

Die Sonderrolle des Buches innerhalb des Pentateuch

Das Buch Dtn nimmt unter verschiedenen Aspekten eine Sonderrolle innerhalb der fünf Bücher der Tora ein:

  • - inhaltlich ist es im Wesentlichen eine Sammlung
    von Worten und Reden des Mose und
  • - sprachlich sehr formelhaft.

Dtn fühlt sich weniger der Erzählung als der Systematisierung verbunden. Weniger Geschichten formen den Charakter, als die Bemühung, die Dinge handhabbar auf den Punkt zu bringen. Diese formale Prägung des Buches liegt in seinem Inhalt und seiner Botschaft begründet.

Quellenlage im Buch Deuteronomium

In den ersten vier Büchern des Pentateuch – Genesis bis Numeri – kennen wir Quellenschichten, die im Laufe der Entstehungsgeschichte der Bücher zu einer Einheit zusammengewachsen sind. Maßgebende Quellen sind da z.B. der sogenannte Jahwist oder die Priesterschrift. In Dtn spielen diese Quellen keine Rolle. Die Schreiber des Dtn gestalten inhaltlich wie sprachlich ein eigenes Profil.

Das Buch Deuteronomium in seiner Bedeutung für die Theologie des Ersten Testamentes

Mitte der Theologie des Ersten Testamentes


Die Besonderheit des Buches Dtn lässt sich auch konturieren mit der Frage nach der Mitte der Theologie des AT.

Es bieten sich verschiedene Perspektiven an:


1. Die Mitte der Theologie des AT über prägende Begriff erfassen

*Da bietet sich der Begriff des Bundes an. Der aber bestimmt nicht durchgehend alle Texte des  AT.

*Ein weiterer Begriff könnte der des Königtums Gottes sein, aber auch der spielt nicht in allen Texten eine Rolle.


2. Die Mitte der Theologie des AT über bipolare Zentren erfassen

Hier geht es um den Urstoff des AT: Gott und Mensch bilden zwei Pole, in denen Beziehung und Begegnung besteht. Damit ist ein Thema berührt, das alle Texte bedenken: die   Beziehung zwischen Gott und den Menschen.


3. Die Mitte der Theologie des AT sei das Buch Deuteronomium

Das Buch fällt durch seine Besonderheiten auf, wird aber nicht als Mitte des ganzen Ersten Testamentes angesehen werden können. Das Buch Dtn nimmt im AT die Rolle ein, die Paulus im NT eingenommen hat. Wie Paulus, systematisiert und rationalisiert Dtn das Geschehen der Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Sachlich sind es keine gänzlich neuen Verkündigungsinhalte. Sie werden nur durch die Systematisierung auf den Punkt gebracht.

                 

Das Dtn ist ein eigener theologischer Entwurf, der sich aber nicht gänzlich über das erste    Testament erstreckt. Daher kann das Dtn nicht pauschal als Mitte der Theologie des AT angesehen werden.

Unterscheidungen zwischen priesterschriftlichen (=aus der Quelle der Priesterschaft) und deuteronomistischen Texten

Die Schöpfungsgeschichte

Der Unterschied zwischen einer mehr erzählenden und einer mehr systematisierenden Darlegung der Verkündigung ist gut nachvollziehbar. Der Anfang der Bibel ist mit der Schöpfungsgeschichte wesentlich aus priesterlicher Verfasserschaft. Das Dtn kennt einen solchen schöpfungstheologischen Gesamtentwurf nicht.

 

Der Bund

Die Priesterschrift spricht vom Bund Gottes mit einzelnen Personen (und deren Nachkommenschaft). Das Deuteronomium hingegen kennt keinen individuellen personalen Bund, sondern nur den Vertragsbund mit dem ganzen Volk. Damit ist Dtn deutlich politischer geprägt, was auch aus der Entstehungszeit zu erklären ist.

 

Die Versöhnung

Die Mitte des priesterschriftlichern Entwurfes ist Lev 17 – die Versöhnung des Menschen mit Gott, die im Versöhnungsfest ihre feste Bindung im Leben Israels bekommen hat. Das Dtn ist weniger auf Versöhnung aus als auf Entschiedenheit: ‚Wähle Tod oder Leben’(30,15-20) Entscheidend ist es, die Weisung in die Tat umzusetzen, um somit in der Verantwortung vor Gottes Gebricht bestehen zu können.

 

Wirkmacht des Wortes

Die Priesterschrift erzählt in ihrem theologischen Zentrum von der Wirkmächtigkeit des Wortes Gottes. Das Deuteronomium setzt auf das Prinzip Gehorsam: Gott spricht – und das Volk hat sich in der Erfüllung der Gesetze und Rechtsvorschriften daran zu halten.

 

Bedeutung des Kultes

In der Priesterschrift wird Israel als Gemeinde verstanden, deren Mittelpunkt die Liturgie und die Priesterschaft bilden. Dtn hingegen versteht Israel als Staat. Daher bekommen staatliche Ordnungsgrößen eine vorrangige Bedeutung (vgl. Dt. 16 - 18).

 

Für das priesterschriftliche Verständnis kommt dem Vollzug des Kultes eine prägende Rolle zu, während das deuteronomistische Verständnis deutlich pragmatisch- säkularer in Erscheinung tritt. Nach priesterschriftlicher Vorstellung kann z.B. eine Schlachtung nur in der Nähe des Tempels vollzogen werden, während in Dtn der Schlachtung kein kultischer Bezug mehr zugesprochen wird. Damit wird die Hausschlachtung ermöglicht.

 

Das Dtn lebt aus der Haltung einer Pan-Säkularisierung: Heilig ist nicht der Kult. Das Volk als ganzes wird als heilig qualifiziert. Diese Haltung hat Folgen für die entschiedene Abgrenzung nach draußen. Es kann aus diesem Verständnis keine Vermischung des heiligen Volkes mit anderen, Fremdgöttervölkern geben. Hier ordnen sich auch die heutzutage schwer zu hörenden Bestimmungen über die sog. "Vernichtungsweihe" ("Bann") von nicht JHWH-gläubigen Fremdvölkern ein (Dtn 20, 10-18). Sie ist aber nur ein literarisches Mittel, die Abgrenzung einzuschärfen Denn die genau festgelegte Liste von 6 Völkern (V 17), die nicht erweiterbar, zufällig oder exemplarisch gemeint ist, nennt ausschließlich Völker, die zzt. der Abfassung des Dtn nicht mehr existent sind. Es geht also nicht um die Aufforderung zur Tötung dieser Völker, sondern mit Blick auf den tatsächlich schon längst, und zwar unabhängig von Israel erfolgten Untergang der 6 Völker selbst nicht zum siebten Volk zu werden, dem der Untergang droht.

Aufbau des Buches Dtn

Das Buch Dtn  ist klar strukturiert  durch vier Reden des Mose.  Gerahmt werden diese Reden vom Datum 1.11.40 ( =40. Jahr nach dem Auszug aus Ägypten). Am Anfang der 1. Rede wird dieses Datum angegeben, an dem Mose zum ganzen Volk Israel spricht. Am Ende, nach der 4. Rede des Mose,  wird der Tod des Mose ebenso auf dieses Datum gesetzt. Mose wird das dem Volk verheißene Land nicht selbst betreten.

1. Rede des Mose Kap 1-4,43

Diese Rede enthält Worte des Mose,
die zurückblicken auf die Geschichte Gottes mit Israel.

 

Der erste Teil der 1. Rede (1,6-3,29)

Im ersten Teil der Rede wird der Weg vom Horeb bis Kadesch-Barnea erzählt. Dtn wählt bewusst den Namen Horeb (statt sonst Sinai), um mögliche Missverständnisse mit dem Namen Sinai zu vermeiden. Im Wort Sinai könnte das Wort des babylonischen Mondgottes Sin mitklingen. Um das Missverständnis zu vermeiden – denn für Israel gibt es nur den einen Gott JHWH -, hat das Buch Dtn das allgemeine Wort Horeb (= Wüstenland) gewählt. In dem Ort, der gemeint ist, sind Sinai und Horeb aber gleich.

 

Der erste Teil der Rede macht in Kadesch-Bernea eine Zäsur, denn hier durchlebt das wandernde Volk seine erste Krise unterwegs.

Der zweite Teil der Rede endet wiederum mit einem Krisenerleben – in Bet Pegor. Hier lauert die Gefahr, sich auf fremdländische Kulte einzulassen. Mose will Israel warnen, so etwas beim Überschreiten in das verheißene Land nicht noch einmal zu tun, denn dort erwartet das Volk Israel mit fremden Völkern auch fremde Götter. Es ist anerkannt, dass die anderen Völker auch eine ihnen eigene Religion haben. Daher warnt Mose vor einer Vermischung, dem Tabubruch, der die Heiligkeit des ganzen Volkes betrifft. Selbst der Fehltritt eines Einzelnen hat immer Auswirkungen auf die Heiligkeit des ganzen Volkes.


In diese Warnung hinein spricht Mose aber auch Worte des Trostes. Die geschichtliche Erfahrung zeigt, dass Gott seinem durch die Wüste wandern müssenden Volkes seine Nähe und seinen Beistand niemals entzieht. Der Dichter des Psalms 23 wird diese Erfahrung aufgreifen und als Zuspruch in individuelle Lebenserfahrungen formulieren: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen...

 

Mose bekräftigt in seiner Rede, dass die geschichtliche Erfahrung  Mut zusprechen mag, denn Gott hat es weder an Sachen noch an Worten fehlen lassen, die das Leben der Seinen sicherten.(Vgl. Dtn 2,7: "Nicht hat es dir an irgendetwas [hebr. dabar: "Sache, Wort, Ereignis"] gefehlt."

 

Der zweite Teil der 1. Rede (4,1-40)

Dieser Teil ist eine spätere Einfügung in den Text. Er ist aufschlussreich für das Verständnis der Theologie des Dtn. Hier wird die Größe des Volkes und seines Gottes beschrieben – denn welches Volk hätte Götter, die so nahe sind wie JHWH seinem Volk? Oder welches Volk verfügte über ein Gesetz und Recht, das so gerecht ist wie das des Gottes JHWH? (V 6ff)

 

In diesem Teil der Rede wird auch das Bilderverbot begründet. Da der erhabene Gott nicht sichtbar ist, kann und darf man sich von ihm keine Bilder machen (V 11f). Kein Wunder, dass gleich eine Mahnung angeschlossen wird, sich von anderen Religionen nicht verführen zu lassen, denn die haben Sonne, Mond, Sterne als Götter – sichtbare Götter. Aber Mose ist in seiner Rede überzeugt, dass die anderen Völker irgendwann zur Erkenntnis kommen müssen, dass es eben keinen erhabeneren und gerechteren Gott gibt (vgl. V. 6ff) als den Gott Israels. In dieser Gewissheit liegt keine Überheblichkeit, kein Spott gegenüber anderen Religionen. Die Überlegenheit des Gottes JHWH wird aus sich selbst die anderen Religionen zur Erkenntnis kommen lassen. Darum ist das Zentrum dieses Redeanteils in V. 35: JHWH ist der Gott, kein anderer ist außer ihm! Ein klares Bekenntnis zum Monotheismus.

 

Der dritte Teil der 1. Rede

Zusammenfassung des Rückgriffs in die Geschichte Israels, in der sich Gott als der Eine und Nahe und Treue erweist.

2. Rede des Mose (Kap 5-28)

2. Rede des Mose (Kap 5-28)

Hier ist die Tora, sind die Weisungen aufgeführt, die Mose erlassen hat. Auch hier finden wir 3 Teile – gemäß dem Schema, in dem man die in Assyrien abgeschaute Gesetzesstruktur aufbaute: Prolog, Gesetzeskorpus und Epilog. Auch Vertragstexte sind in gleichem Schema strukturiert.

 

1. Teil der 2. Rede – Prolog (Kap 5-11)


Die 10 Gebote – das Sabbatgebot

Hier finden wir die Darstellung der 10 Gebote (des Dekalogs) in der Fassung des Dtn. Diese unterscheidet sich von der Fassung aus zumindest teilweise priesterschriftlicher Hand in Ex 20. Ein Beispiel dazu, an dem wieder einmal die unterschiedliche theologische Ausrichtung der priesterschriftlichen wie der deuteronomistischen Texte erkennbar ist: In beiden Dekalogen befindet sich das Sabbatgebot. Die Begründungen dafür sind aber unterschiedlich:

 

Im Buch Exodus ist das 7. Tag der Tag der Ruhe, weil nach dem Schöpfungswerk auch JHWH an diesem Tag ruhte.

Im Buch Deuteronomium wird der Blick auf die Sklavinnen und Sklaven gerichtet. Die Mahnung des Sabbatgebotes erinnert an eigene geschichtliche Erfahrungen: Israel, du weißt, was Sklaverei ist, denn du hast es selbst in Ägypten erdulden müssen. In dieser Zeit hat JHWH dich nicht verlassen, hast du auf seine Lebenskraft bauen dürfen. Aus dem Wissen um diese Schmach und die Befreiung daraus sollst du wenigstens einmal in der Woche auch deinen Sklavinnen und Sklaven diese Erfahrung der dankbaren Freude über das Leben ermöglichen, die du ,Israel, in der Zeit deiner Knechtschaft gemacht hast.

 

Das Buch Dtn gibt hier mit dem Sabbatgebot eine klare soziale Orientierung. Diese Zuwendung zu den Sklaven hat im alten Orient als revolutionäre Bestimmung zu gelten.

 

Segen und Fluch

Es folgen im Prolog der 2. Rede des Mose Ermahnungen (Paränese), die mit Aussagen über Segen und Fluch verbunden sind. Diese beiden Begriffe sind in dtn Zusammenhang als Reaktionen auf das Einhalten eines Vertrages zu sehen. Wird der geschlossene Vertrag gehalten, so sei all das, was daraus folgt, ein Segen; wird er aber gebrochen, so soll der Fluch den Vertragsbrüchigen treffen. Der Fluch war ein Unheilswunsch auf den Menschen hin, der in der Regel nicht greifbar war. So möge ihn für seinen Vertragsbruch wenigstens das Unheil im Gericht Gottes treffen.

 

Das Glaubenskenntnis Israels

Innerhalb des Prologs der 2. Rede des Mose finden wir unter den Ermahnungen auch das Glaubensbekenntnis Israels, das Schema Israel: „Höre Israel! JHWH, unser Gott, JHWH ist einzig! Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“(6,4f)

Dann folgen Weisungen, wie sich der Gläubige im Vollzug seines Alltags dieses Bekenntnisses bewusst halten soll (6,6-9). Es geht in dieser Ermahnung um die Gottesliebe mit allem, was zu einem gehört. Das Buch Dtn setzt ein Maß für den Umgang mit dem Glaubensbekenntnis: Man lernt den Glauben durch ständiges Reden  und durch das wörtliche Zitieren des Textes. Diese Worte werden in den Tefillim (Gebetskapseln) am Körper getragen – an der Stirn, am Herzen, am Handgelenk. Das Bekenntnis befindet sich in der Mesusa am Türpfosten eines jeden Hauses.

 

Die Kinderfragen

Diese Schematisierung des Erinnerns durch das Tragen am Körper und die Einhaltung der täglichen Gebetszeiten garantiert die Weitergabe des Bekenntnisses. Dtn weiß, dass die Einzelnen dieses Bekenntnis vergessen oder missachten könnten. Um in der Überlieferung dieses Glaubens keine Lücke entstehen zu lassen, hat das Dtn die Kinderfrage eingefügt. Anders als bei der Frage des jüngsten  Sohnes beim Pessach: „Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?“ ist die Antwort darauf nicht nur  schematisiert,  also frei vom individuellen Wissen dessen, der gefragt wird. Es gibt darauf eine Antwort – nur die eine, überlieferte Antwort. Im Dtn geht es um das Drama, dass die Kinder sich von den Geboten, die Gott den Eltern ("euch") gegeben habe, distanzieren. Zugleich werden Eltern vorausgesetzt, die die Antworten nicht mehr "parat" haben, weil sie nicht mehr in der Tradition rezitierend leben. Stattdessen müssen ihnen die Antworten zum Auswendiglernen vorgegeben werden. Dtn 6,4-9 und 6,20-25 zeigen also die Spannung zwischen zwei Stadien der Glaubensweitergabe an.

 

Grund der Auserwählung

Im Prolog der zweiten Rede des Mose finden wir auch eine Erklärung zur auserwählten Herkunft des Volkes: Allein die Liebe Gottes hat zu dieser Erwählung geführt.: „Nicht, weil ihr zahlreicher als die anderen Völker wäret, hat euch der Herr ins Herz geschlossen und auserwählt; ihr seid das kleinste unter allen Völkern. Weil der Herr euch liebt ...“(7,6-8)

 

2. Teil der 2. Rede (Kap 12,1- 26,16)


Gesetzeskorpus

Hier werden einzelne Rechtsformen dargestellt, die sich in ihren Themen an den 10 Geboten orientieren. Daraus ergibt sich wiederum eine systematische, thematisch geordnete Abhandlung verschiedener Rechtsnormen. Wir finden das Privilegrecht JHWHs, das liturgisches Recht umfasst, aber zugleich von sozialen Rechtsbestimmungen durchwoben ist. Es schließen sich ein Verfassungsentwurf und das Straf- und Zivilrecht an. Das Gesetzeskorpus greift gegen Ende noch einmal in einem Anhang liturgisches Recht auf, ehe zum  Abschluss erneut eine ausdrückliche Verpflichtung auf dieses Gesetze und Rechtsvorschriften erfolgt (wie in 12,1 am Anfang des Korpus, jetzt auch als Schlussbemerkung in 26,16.)

 

Die Einzigkeit Gottes in der einen Kultstätte (Dtn 12,4-7)

Israel versteht sich als eine Feier- und Festgemeinde. Grund zu Feier und Fest ist die geschichtliche Erfahrung der begleitenden Treue Gottes. Dessen erinnert sich die Gemeinde auch im Kult. Dessen soll sich die Gemeinde in der Begründung des Sabbatgebotes erinnern und den Sklavinnen und Sklaven daran Anteil gewähren . (s.o.)

 

Die Einzigkeit JHWHs wird auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass es nur noch eine einzige Kultstätte gibt. Alles spielt sich jetzt nur noch in Jerusalem ab. Diese Festlegung auf einen Ort der Verehrung unterstreicht das erste und zweite Gebot: JHWH ist der eine und einzige Gott und neben JHWH gibt es keine anderen Götter. Es mag für andere Götter verschiedene Kultstätten geben. Für den Gott Israels gibt es die eine: den Tempel in Jerusalem.

 

Die Armen und die gesellschaftliche Wirklichkeit (Dtn 15)

Eigentlich sollte es in Israel keine Armen geben (V 4). Andererseits wissen alle, dass es immer Arme im Gemeinwesen geben wird (V 11). Die Mahnung der Tora lautet: Du sollst dich um sie kümmern. Die priesterschriftlichen Verfasser haben dies begründet mit dem Handeln Gottes selber: Weil Gott auch an dir sich barmherzig und freigebig erwiesen hat, sollst du den Armen in deiner Mitte unterstützen. 

 

Die deuteronomistischen Schriftsteller argumentieren im Sinne ihrer systematisierenden Logik wie folgt: Der Arme ist dein Bruder/deine Schwester! Darum musst du dich um ihn/sie kümmern. Mit dem Bruderbegriff wird die moralische Verpflichtung in einer rationalisierenden Form zum Maß des Handelns gegenüber den Armen erhoben.

 

Staatliche Verfassung (Dtn 16 - 18)

Dtn setzt einen existierenden, funktionierenden Staat voraus. Daher bietet Dtn einen Verfassungsentwurf. Es gibt demnach Richter, Könige, Priester und Propheten. Den Propheten ist die besondere Aufgabe zugeschrieben, Wächter über das Wort Gottes zu sein. Der Prototyp eines Propheten ist Mose. Daher ist für Dtn auch selbstverständlich, dass auf die Weisung des Propheten der Gehorsam antwortet, all diese Gebote und Rechtsvorschriften zu halten, weil sie Gebote und Rechtsvorschriften JHWHs sind. Der erste Gehorsame ist Mose selbst, der alles sagt, was der Herr ihm aufgetragen hat. (1,3)

 

Straf- und Zivilrecht (Dtn 19-25)

Das Straf- und Zivilrecht orientiert sich an den Geboten der 2. Gesetzestafel. Es werden Themen behandelt wie Tötung (vgl. 5. Gebot), Vergewaltigung; Familie (6. Gebot), Eigentum (7. Gebot), Wahrheit vor Gericht (8. Gebot), Begehren (9./10. Gebot).

 

Liturgischer Anhang (26,1-15)

Hier greift Dtn wiederum das geschichtliche Wissen auf: Die Erntedarbringung erinnert an den Stammvater Abraham, einem heimatlosen Aramäer, einem Fremden. Die Darbringung der Erntegaben wird erläutert: Wir bringen sie dar vor Gott, denn ohne unseren Gott wären wir nicht da, wo wir sind, und wären wir auch nicht die, die wir jetzt sein dürfen. Unser ganzes Sein, unsere ganze Geschichte gründet sich in Gott, in Gottes Zuwendung und Liebe. Die Geschichte bezeugt dies in der gelebten Erinnerung. Das Heute unterstreicht in Dtn immer wieder, dass die Geschichte in ihrem Erinnern wirksam ist in der Gegenwart, im Heute.

 

Vertragsformular

Am Ende des Gesetzeskorpus wird das gesamte Gesetzeskorpus zum Vertragstext des Bundes erklärt: „Heute hast du der Erklärung des Herrn zugestimmt. Er hat dir erklärt: Er will dein Gott werden und du sollst auf seinen Wegen gehen, auf seine Gesetze, Gebote und Rechtsvorschriften achten und auch seine Stimme hören.“ (26,17): Ich bin dein Gott – du bist mein Volk. Das ist nicht nur ein Beziehungsgeschehen. Das ist eingebunden in eine vertragliche Verpflichtung.

 

Verschiedene Gültigkeiten der Bestimmungen

Dtn unterschiedet verschiedene Typen von Geboten und Rechtsvorschriften. Es gibt solche, die für immer gelten, solche, die Geltung haben, Solange du in dem Land bist, und solche, die nur für einen bestimmen Augenblick Bedeutung haben.

Die 3. Rede des Mose (28,69 – 32,52)

Verbindlichkeit der Tora

In dieser Rede wird festgelegt, dass der Bund vom Horeb (Sinai) Bestand hat, dass die von Mose gegebenen Weisungen zusätzlich Geltung haben.

Die 3. Rede vergewissert, dass dieses Gebot vom Volk haltbar ist, denn es „geht nicht über deine Kraft und  ist nicht fern von dir“. (31,11) „Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.“ (31,14)

 

Die Nachfolge des Mose

Mose wird das verheißene Land nicht selbst betreten. Die priesterschriftlichen Darstellungen haben das offen gelassen. In Dtn wird dies Gewissheit. Josua wird als Nachfolger des Mose eingesetzt. Mose stimmt wie in einer heilsgeschichtlichen Replik sein abschließendes Lied an (Kap 32). Darin ist die Weisung Gottes enthalten: „Aber du darfst das Land, das ich den Israeliten geben werde, nicht betreten.“ (32,52)

Die vierte Rede des Mose (33,1-34,12)

Der Segen des Mose

Die 4. Rede gibt den Segen des Mose wieder, ehe er dann stirbt.

 

Abschlussbemerkung für das ganze 5- Bücher-Werk, den Pentateuch

Das Buch Dtn endet nicht mit einem Buchschluss, der nur Dtn beträfe. Der Buchschluss gilt für das ganze Werk der Tora, für alle 5 Bücher.

Leitgedanken der Theologie des Buches Deuteronomium

Der eine Gott

Das Buch Deuteronomium wird durch drei Begriffe zusammengehalten:


  • - Es gibt nur den einen Gott.
  • - Dieser hat sich das eine Volk erwählt.
  • - Dieser lässt sich nur an einem Ort verehren.

 

Damit grenzt das Buch Dtn in theologisch – systematischer Weise alles aus, was nicht zu JHWH gehört – alles, was nach außen die Identität des Volkes auflösen oder nach innen das Volk entzweien könnte und alle anderen Kultstätten, an denen Gott verehrt werden sollte. Der Tempel in Jerusalem ist das Zentrum der Gottesverehrung. Gott wohnt nicht körperlich fassbar in seinem Tempel. Der Name Gottes wohnt dort. Der ‚Ich bin da’ ist gegenwärtig mit seiner Treue, seiner Nähe, seiner Liebe zu seinem Volk.

 

Das auserwählte Volk

Das Volk sieht sich als eine Lerngemeinde. Es gilt, das Wort zu lernen, es zu wiederholen, es zu verinnerlichen, es wieder und wieder aufzusagen. Es geht dabei nicht vordringlich um ein intellektuelles Verstehen. Im wiederholenden Aufsagen lernt der Gläubige mit dem Herzen (mit Verstand und Gemüt).

 

Für das Volk ist das Heute von großer Bedeutung, denn das geschichtliche Erinnern ist kein Blick in eine dann gestorbene Vergangenheit. Die Erfahrungen der Vergangenheit sind die jederzeit in die Gegenwart gegebenen Aktualisierungen dieser Zusage Gottes.

 

Israel drückt diese lebendig abrufbare Erfahrung der Geschichte Gottes mit seinem Volk aus als Feier- und Festgemeinde. Aus dem Geschenk der geschichtlichen Erfahrung hat Israel allen Grund, froh und dankbar zu feiern. Alles, was es hat (und in der Abfassung des ältesten Teils des Buches durfte Israel unter Joschija in Frieden und Wohlstand leben) verdankt es Gott. Die Freude ist Ausdruck der Dankbarkeit.

 

Israel versteht sich als Brudergemeinde. Israel weiß, dass das soziale Konsequenzen haben muss. Weil Israel so viel Grund zu Dank und feiernder Freude hat, sollen auch die Randständigen (wenigstens am Sabbat) Anteil haben an dieser Freude. Die Waisen, die Witwen, die Fremden, die Sklaven – alle sollen sie wenigstens einmal in der Woche den endgültigen Heilszustand vorwegnehmend erleben, der von Gott her für alle Menschen gedacht ist.