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MOAS besteht aus internationalen Helfern, Sicherheitsexperten, Medizinern und erfahrenen Seeleuten, die sich zusammen getan haben um zu helfen weitere Katastrophen auf See zu vermeiden. Sie haben Mitgefühl für die Notlage derjenigen, die trotz der Gefahren ein gewaltfreies, besseres Leben suchen.   

Aus dem Erzbistum Köln

Aktion Neue Nachbarn - Für eine Willkommenskultur im Erzbistum Köln

Für die verfolgten Christen

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Der HERR
segne dich und behüte dich.

 

Der HERR
lasse sein Angesicht leuchten  über dir und sei dir gnädig.

 

Der HERR
hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

 

Numeri 6,24-26

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

vom 20.02.2011, 7. SONNTAG IM JAHRESKREIS

Grandios

(zu Matthäus 5,38-48)

Pfarrer Matthias Schnegg
Pfarrer Matthias Schnegg

Der heutige Textabschnitt reizt zum Frontalangriff: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn’ – das sei die schreckliche, unmenschliche Ausführung des Alten Testamentes, während Jesu sanfte Art zeigt, dass das Neue Testament ganz anders ist – eben einen liebenden Gott zeige.

 

Wenn wir diesen Ausspruch für sich gesehen betrachten, liegt eine solche pauschale Unterscheidung nahe. Sie wird aber dem Text nicht gerecht...

 

Wir erinnern uns, dass Jesus ein Jude war, dass Matthäus und seine Gemeinde auch Juden waren. Sie alle kannten sich in der Heiligen Schrift der Hebräer bestens aus. Gerade vorher (5,17ff) hat Matthäus seiner Gemeinde klar gemacht, dass nichts von der Weisung Gottes, der Tora, zurückgenommen sei durch Jesus. Die Bergrede setzt keine Antithesen zu dem, was man ‚früher’ im alten Bund gelernt hat. Matthäus stellt Jesus vor als den Ausleger der Tora. So wie Jesus lebt und lehrt und wirkt, so ist die Weisung Gottes zu verstehen.

 

Auch die Ausführungen der heutigen Perikope der Lehre vom Berg (‚Bergpredigt’) verstehen sich also nicht als ‚Antithesen’ Jesu zum alten Glauben Israels, sondern als Auslegung dieser bekannten Formulierungen der Weisung Gottes. Wenn wir heute diese Texte hören, fehlt uns etwas Wesentliches zum ungehinderten Verständnis: Wir kennen die Tora, die Weisung Gottes nicht so genau; wir kennen auch die Auslegungen der jüdischen Gelehrten nicht. Diese Kenntnisse aber sind notwendig, um die Rede Jesu in der Darstellung des Matthäus zu verstehen. Die Gemeinde des Matthäus verstand sogleich, was gemeint war, denn sie waren Kundige der Tora und der jüdischen Auslegungsgeschichte dazu.

 

Im Vers 38 unseres Textausschnittes wird auf drei Aussagen der Tora Bezug genommen: Ex 21,24-25; Lev 24,20 u. Dtn 19,21. Alle Texte sind Rechtstexte. Sie benennen, was zu tun ist, wenn jemand einem anderen Schaden zugefügt hat. Unsere landläufige Übersetzung ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn’ legt die Brutalität nahe, den Schädiger mit Gleichem zu strafen wie es den Geschädigten getroffen hat. Die jüdische Auslegungsgeschichte zu diesen Texten der Tora lässt uns aber wissen, dass es richtiger übersetzt heißt: ‚Auge anstatt eines Auges, und Zahn anstatt eines Zahnes’. Es geht also nicht um die 1:1 Strafe, sondern um Ersatzansprüche. Jeder Geschädigte hat einen rechtlichen Anspruch auf angemessenen Ersatz. Was zu geben ist, ist Sache eines objektiven Richterspruches. ‚Auge anstatt Auge’ ist keine Berechtigung zu privater Rache. Sie ist das Rechtsmaß, das der Richter für angemessen ansieht, um Entschädigung geleistet zu sehen. Diese Regelung entspricht unserem Rechtsempfinden. Meist ging es um finanzielle Ersatzleistungen – wie wir heute einen Katalog der Ersatzleistungen kennen – z.B. das Schmerzensgeld.

 

Und dann steht da die Aufforderung, sich dem Bösen nicht zu widersetzen! Dieser Aufruf scheint ganz absurd, besteht Jesus selbst doch die Probe in der Wüste durch Widerstand gegen den/das Bösen. Zudem sind in den vorherigen Lehrsätzen Mahnungen ergangen, frühzeitig sich vor dem Bösen – wie Mord oder Ehebruch – zu schützen!? Der Aufruf, sich dem Bösen nicht zu widersetzen, bringt nun nicht den Schädiger in den Blick, sondern den Geschädigten. Und der soll verzichten, sich gegen das erlittene Böse zu wehren?

 

Diese Unklarheit läutert sich, wenn wir die Gemeinde des Matthäus vor Augen haben. Es sind überwiegend sozial Schwächere. Ihnen kann es passieren, dass gesellschaftlich Höherstehende, dass Reiche und Mächtige, das Recht für ihre Zwecke nutzen. Wir kennen das bis auf den heutigen Tag: Es gibt die Raffinierten, die das Recht so zu drehen wissen, dass die Schwächeren immer den Kürzeren ziehen. Die haben zwar Recht, bekommen es aber nicht. Wieviele kennen das Leiden, nicht zu ihrem Recht gekommen zu sein, weil die Mächtigeren sich besser durch das Recht und seine Lücken zu bewegen verstehen. Da ist es irgendwann müßig, den Rechtsweg zu suchen. Unrecht und Ohnmacht und Wut bleiben.

 

Den so Geschädigten gilt nun die Weisung Jesu: Nicht passiv erduldend hinnehmen, sondern das Unrecht vorführen. Man kann das die ‚paradoxe Intervention’ nennen. Den Übeltäter vorführen. Die erlittene Tat wird – absurd – durch den Geschädigten selbst wiederholt bzw. vermehrt.

 

Die dann folgenden Beispiele illustrieren, was gemeint ist: Wenn die rechte Backe geschlagen ist, die andere auch hin zu halten; wenn einer einem bei Gericht auch noch das ‚letzte Hemd’ nehmen will, auch den Mantel zu geben; wenn einer einen zwangsverpflichtet, mehr zu leisten als erzwungen. Das mit der Backe ist der Tatbestand der Beleidigung (mit dem Handrücken geschlagen werden); der Mantel ist nach jüdischem Recht unpfändbar, da er als Schlafunterlage dient; das Besatzungsrecht konnte zwangsverpflichten.

 

Jesu Aufforderung heißt, in aussichtslosen Rechtsverdrehungen mit Phantasie zu antworten und das Unrecht bloßzustellen. Wir kennen solche Haltungen in manchen Formen des gewaltfreien Widerstandes.

 

Der Vers 42 geht auf die Ebene sozial Gleicher zurück: Da ist Solidarität angesprochen: Gibt dem, der in Not ist. Den Mächtigen hingegen, die für sich das Recht instrumentalisieren, denen begegne mit phantasievoller Bloßstellung. Unschwer fallen uns Situationen unserer gesellschaftlichen Schieflagen ein, in denen die Haltung Jesu stärkende Kraft hat. Und es gibt Leute, die diese Gegenkraft in ihrem Leben umsetzen. Wir erschrecken immer wieder, wenn wir erfahren, wie sehr Recht und Gerechtigkeit auch von denen instrumentalisiert werden, die wir ‚eigentlich’ für gesellschaftstragend gehalten haben.

 

Und dann das mit der Feindesliebe! Auch hier kennen wir den beharrenden Anspruch, zu seinem Recht zu kommen. Man wähnt sich auch schon einmal im Recht, den Anderen als Feind zu sehen, weil er sich tatsächlich so verhält. Matthäus zitiert das Gebot der Nächstenliebe (Lev 19,18) und fügt – als ob es solche Aussage auch als Gebot in der Tora gäbe – den Hass gegenüber den Feinden an. Nun finden wir in der Tora solche Hassanweisung nicht! Matthäus greift auf die Alltagsethik zurück, die sich nicht besser zu helfen weiß, als den Feind hassenswert zu finden.

 

Matthäus weiß, dass es Probleme, teils riesige, mit Feinden gibt. Wieder lässt er Jesus einen anderen Blick schenken: Sich nicht einlassen auf Feindschaft, sondern Feindschaft überwinden! Viele von uns wissen, dass das im Alltag oft verweigert wird. Die Empfehlung heißt: Betet für eure Feinde! Ob das den Feind zur Umkehr bewegt, das bleibt offen. Es sorgt aber dafür, dass in meinem Herzen der Hass auf meinen Gegner nicht weiter wachsen kann. Das ist eine ganz praktische und wirksame Empfehlung.

 

Wir kennen natürlich das Aufbegehren: Warum sollte ich...? Matthäus lässt Jesus eine andere Perspektive eröffnen: Gott selber ist generös! Es lässt es regnen über Gute und Böse ... Das ist ein großes Vorbild, oft unerreichbar, wenn wir im Zorn hängen. Es bleibt eine Perspektive, wie Kampf und Feindschaft zumindest nicht eskalieren müssen.

 

Matthäus schreibt all das seiner bedrängten, angefeindeten Gemeinde. Er legt ihr nahe, fürbittend zu beten und großherzig zu sein. Darin gilt es, die einzigartige Verbindung mit Gott – ‚Kindschaft’ und ‚Vater’ – zu gestalten. Das Leben Jesu, seine Art der Begegnung – z.B. auch gegenüber Feinden – ist nachvollziehbares Beispiel für die Gemeinde, die ‚Kinder Gottes’.

 

Am Ende der Beispiele zur Auslegung der Tora aus dem Blick Jesu weitet Matthäus den Blick: Unser Handeln gemäß der Großzügigkeit Gottes gilt nicht nur für den Innenkreis der Gemeinde. Gottes Liebe ist grenzüberschreitend.

 

Mit dem 48. Vers wird noch einmal die Mahnung ausgesprochen, der Haltung Gottes – wie sie im Leben Jesu ablesbar ist – zu folgen: Seid vollkommen, wie Gott selber vollkommen ist. Kind Gottes zu sein ist eine wunderbare Erfahrung. Wie oft durften und dürfen wir auf diese Generosität Gottes bauen! Matthäus ermutigt, das im Alltagshandeln mit zu bedenken. Und wieder – wie in 5,16 schon ausgesprochen – ist die Art unseres Lebens Antwort auf die selbst erfahrene Großzügigkeit Gottes. Menschen, die das an uns erleben, kommen dazu, Gottes Großzügigkeit zu ahnen und zu lobpreisen! Manchmal ist es uns geschenkt, das selbst miterleben zu dürfen und dabei zu spüren, dass nicht unsere Großartigkeit sich zur Schau stellen wollte, sondern wir durchlässig sein durften für das direkte Wirken des Geistes Gottes.

 

 

Ihr Matthias Schnegg